Kommunisten stoppen Unternehmer und Popstar bei Wahl in Vietnam

Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) (APA/dpa) - Am Sonntag sind zwar Parlamentswahlen in Vietnam, aber von Spannung kann in dem kommunistischen Einpa...

Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) (APA/dpa) - Am Sonntag sind zwar Parlamentswahlen in Vietnam, aber von Spannung kann in dem kommunistischen Einparteienstaat in Asien keine Rede sein. Die alles beherrschende KP hat nur ihr genehme Kandidaten zugelassen. Die „Lady Gaga Vietnams“ gehört nicht dazu.

Popstar Mai Khoi (32), die eigentlich mit gewagten Outfits und frechen Songs Schlagzeilen macht, war den überwiegend älteren Herren der KP nicht geheuer. Kein Wunder. „Wir wollen Meinungsfreiheit, wir wollen ein Gesetz, das uns erlaubt, friedlich zu protestieren“, sagt sie - alles rote Tücher für die Partei, die Kritik nicht duldet. Ihr Antrag auf eine Kandidatur wurde abgelehnt.

Kaum wurden Mai Khois politischen Ambitionen publik, verschwand der einst von der KP gefeierte Star aus den staatlich kontrollierten Medien. Wo sie auftrat, hätten plötzlich Razzien stattgefunden, sagt sie. Nun scheuten Bars und Clubs davor zurück, sie zu engagieren. Ihr Fazit: „Die Abgeordneten repräsentieren nicht das Volk.“

Gut 60 der 95 Millionen Einwohner wählen alle fünf Jahre etwa 500 Mitglieder in die Nationalversammlung. Die tritt zweimal im Jahr zusammen und segnen dann weitgehend die Vorgaben der KP ab. Probleme, die dem Volk unter den Nägeln brennen, dürften nicht angesprochen werden, sagt der australische Vietnam-Experte und Professor im Ruhestand, Carl Thayer: Korruption und Meinungsfreiheit etwa.

Auch der regierungskritische Unternehmer Nguyen Quang A hat es vergeblich versucht. „Ich wusste, dass meine Chancen etwa eins zu einer Milliarde sind“, sagt er „Die Partei hat 60 oder 70 Leute aufgeboten, die mich öffentlich denunziert haben - dass ich nichts für die Gemeinschaft täte und unhöflich zu meinen Nachbarn sei“. Von den 162 Leuten, die sich außerhalb des Parteiapparates bewarben, haben es nur elf geschafft. „Die meisten wurden aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt“, meint Thayer. Insgesamt treten 870 Kandidaten an.

Dass sich eine Rekordzahl von unabhängigen Kandidaten überhaupt vorgewagt ist, ermutigt viele. „Es ändert sich etwas, aber das dauert den Menschen alles viel zu lange“, sagt Duong Trung Quoc, der es vor zehn Jahren erstmals als Unabhängiger ins Parlament schaffte. Er bewirbt sich am Sonntag um ein neues Mandat.