Perlen mit individuellem Glanz versehen
Hall – Nur das letzte Konzert einer achtteiligen Reihe, die sämtliche Klaviersonaten Ludwig v. Beethovens zum Inhalt hatte, gehört zu haben,...
Hall –Nur das letzte Konzert einer achtteiligen Reihe, die sämtliche Klaviersonaten Ludwig v. Beethovens zum Inhalt hatte, gehört zu haben, bedeutet im konkreten Fall die bittere Erkenntnis, siebenmal ein großartiges Konzerterlebnis versäumt zu haben. Der international mehrfach ausgezeichnete Innsbrucker Pianist und Organist Michael Schöch war in den letzten vier Jahren im Rahmen der Konzertreihe musik+ in Hall angetreten, um alle Sonaten zur Aufführung zu bringen. Für den achten und letzten Abend standen am Freitag die Klaviersonaten Nr. 25 in G-Dur op.79, Nr. 15 in D-Dur, op. 28, Nr. 1 in f-Moll, op.2/1 und die Sonate Nr. 32 in c-Moll, op. 111 auf dem Programm.
Zweiunddreißigstel Noten wie Perlen aneinanderzureihen vermögen viele technisch versierte Pianisten. Jede einzelne dieser Perlen mit individuellem, einzigartigen Glanz auszustatten, ist allerdings nur wahren Künstlern vorbehalten. In aller Bescheidenheit, absolut unaufgeregt, setzt sich da ein junger Pianist an das Instrument, um als Lyriker Beethovens Kunst, die viel zu wahrhaftig ist um bloß schön sein, zu analysieren.
Note für Note, Klang für Klang, sorgt sich Schöch um die Verdichtung dieser Musik. Ungemein fein austariert, wohl abgewägt, im Wechsel von sanftem Innehalten und impulsivem Beschleunigen, Unterstimmen neugierig herausgehört, ist Schöch stets am Puls der Werke. Die Sonate Nr. 15 die idyllischste aller Beethovensonaten, „ländliche Hirtenmusik“, mit wunderbaren Legatogesängen baut Schöch untergründig Spannung auf, nähert sich dem Hörer auf Samtpfoten, um ihn im Scherzo und Rondo endgültig mitten ins Werk zu holen.
Wie Schöch die berühmte Opus-111-Lokomotive in Gang setzt, auch das geschieht ganz unspektakulär. Der Übergang von der sanft abgedunkelten Schönheit des Tons hin zu entfesselt motorischem Elan, so einnehmend, so erfreulich unmanieriert, wird der klanglichen Vergeistigung und tiefsten Emotionalität Beethovens mehr als gerecht. Ein grandioser Beethoven-Abend! (hau)