Irland feiert Votum für Homo-Ehe - „Reise noch nicht zu Ende“
Dublin (APA/dpa) - Vor einem Jahr hat Irland Geschichte geschrieben: Als erster Staat der Welt führte die Inselrepublik per Volksentscheid d...
Dublin (APA/dpa) - Vor einem Jahr hat Irland Geschichte geschrieben: Als erster Staat der Welt führte die Inselrepublik per Volksentscheid die völlige Gleichstellung der Ehe homosexueller Paare ein. „Es ist wirklich großartig, dass es seither 412 Hochzeiten gegeben hat, die sonst nie hätten stattfinden können“, sagte Sozialminister Leo Varadkar mit Blick auf den Jahrestag an diesem Sonntag.
„Dies erinnert uns an jene bedeutsame Abstimmung“, ergänzte der 37-Jährige, der wenige Monate vor dem Referendum öffentlich gemacht hatte, dass er schwul ist. Noch bis 1993 waren im katholisch geprägten Irland gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar gewesen.
Auch für Sandra Irwin-Gowran hat der überwältigende Sieg des Volksentscheids vom 22. Mai 2015 eine ganz persönliche Bedeutung: Sie und ihre Lebensgefährtin zählen zu jenen 412 Paaren, die sich seit Inkrafttreten des Gesetzes (im November 2015) das Ja-Wort gegeben haben. Nach 17 gemeinsamen Jahren war es im April so weit. „Es war für uns ein wundervoller Tag. Das ganze Jahr war positiv, denn es hat lesbischen und schwulen Paaren in Irland neues Selbstvertrauen gegeben“, sagt sie der dpa.
Dies gilt auch für Katharine Zappone. Irlands neue Jugendministerin heiratete im Jänner ihre Partnerin Marie Louise Gilligan. Noch 2006 waren beide vor dem Obersten Gericht mit dem Versuch gescheitert, ihre Jahre zuvor in Kanada geschlossene Ehe in Irland anerkennen zu lassen.
Solche prominenten Fälle hätten auch viele andere Menschen zu einem Coming-out ermutigt, sagt Irwin-Gowran, die in der Nichtregierungs-Organisation Gay and Lesbian Equality Network für Bildungspolitik zuständig ist. „Es ist unglaublich, wie viele Leute ihre Homosexualität öffentlich machen. In Dublin sind jetzt regelmäßig homosexuelle Paare zu sehen, die auf der Straße Händchen halten.“ Statt wie einst Schweigen und Verborgenheit herrsche nun ein neues Selbstbewusstsein.
Trotzdem gebe es noch viel zu tun. Das Votum für die Homo-Ehe müsse sich noch stärker in der Gesellschaft niederschlagen. „Viele fühlen sich in ihrem Alltag nicht akzeptiert“, bedauert Irwin-Gowran. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich nur einer von fünf jungen Schwulen, Lesben, Bisexuellen oder Transgendern in der Schule vollständig anerkannt fühle. In katholischen Schulen scheine die Kirche die nun per Gesetz geltende Gleichstellung weiterhin nicht anzuerkennen.
„Dieses Wochenende wird der Jahrestag gefeiert. Aber er ist auch eine Mahnung dafür, dass die Reise noch nicht zu Ende ist“, meint Irwin-Gowran deshalb.