BP-Wahl: Benchmarks und Rekorde der Hofburg-Wahl

Wien (APA) - Österreich bekommt mit der Stichwahl heute, Sonntag, jedenfalls seinen ersten Bundespräsidenten, den weder SPÖ noch ÖVP ins Ren...

Wien (APA) - Österreich bekommt mit der Stichwahl heute, Sonntag, jedenfalls seinen ersten Bundespräsidenten, den weder SPÖ noch ÖVP ins Rennen geschickt haben. Setzt sich Norbert Hofer durch, wäre er nicht nur das erste Staatsoberhaupt aus den Reihen der Blauen, sondern auch das mit großem Abstand jüngste. Mit Alexander Van der Bellen zöge der erste Grüne und der dritt-älteste Präsident in die Hofburg ein.

Am Stimmzettel des ersten Wahlganges stand der weitaus älteste der bisher 36 Kandidaten, der 83-jährige Richard Lugner. Von den Ergebnissen her sind im ersten Wahlgang alle Rekordmarken gefallen: Die Kandidaten der Traditionsparteien, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP), bekamen nur einen Bruchteil der Zustimmung, die SPÖ- und ÖVP-Bewerber bisher hatten. Zusammen kamen sie auf wenig mehr als 20 Prozent - bisher wählten so gut wie immer an die 80 Prozent den oder die Bewerber der Traditionsparteien.

Damit stehen erstmals seit 1951 die Oppositionsvertreter in der (nunmehr vierten) Stichwahl. Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander Van der Bellen (Grüne) schafften jeweils Stimmenanteile weit über den besten Ergebnissen der früheren Kandidaten - und auch ihrer Parteien bei sonstigen Wahlen (mit Ausnahme der FPÖ in Kärnten). Auch für Irmgard Griss reichte es noch für das beste Ergebnis einer parteifreien Kandidatin.

Heinz Fischer wird mit der Angelobung seines Nachfolgers übrigens erst der zweite Amtsinhaber, der volle zwölf Jahre durchdiente. Fünf starben im Amt, einer (Kurt Waldheim) verzichtete auf einen zweiten Antritt. Zwei volle sechsjährige Perioden absolvierte bisher nur Rudolf Kirchschläger von 1974 bis 1986. Das Datum von Kirchschlägers Angelobung - der 8. Juli - wurde übrigens beibehalten, seither leisten alle Bundespräsidenten ab diesem Tag ihren Amtseid vor der Bundesversammlung.

Die Rekordmarken der Bundespräsidentenwahl:

- Kommt Norbert Hofer in der Stichwahl über 50 Prozent, wird er mit 45 Jahren der weitaus jüngste unter den dann acht vom Volk gewählten Bundespräsidenten der Zweiten Republik. Rudolf Kirchschläger war 1974 bei der Wahl 59 Jahre und 3 Monate alt, nur wenig älter war Thomas Klestil mit 59 Jahren und 6 Monaten im Jahr 1992.

- Gewinnt Alexander Van der Bellen die Stichwahl, gibt es keinen Alters-Rekord. Er wäre mit 72 der dritt-älteste Bundespräsident hinter Theodor Körner (78 im Jahr 1951) und Adolf Schärf (73 bei seiner Wiederwahl 1963). Heinz Fischer war zu Beginn seiner zweiten Amtszeit 2010 71 Jahre alt.

- Da es eine Stichwahl mit nur zwei Kandidaten ist, werden Hofer und Van der Bellen auf jedem Fall mit dem besten Ergebnis eines FPÖ- bzw. Grün-Bewerbers aussteigen. Schon im ersten Wahlgang hatten sich beide diesen Rekord geholt.

- Hofer bekam mit 35,05 Prozent mehr als doppelt so viel wie Wilfried Gredler 1980 (16,96 Prozent). Auch im Vergleich mit der Partei lag er - mit Ausnahme der Kärntner Wahlen unter Jörg Haider - vorne. Bestes Bundeswahlergebnis war zuvor jenes der EU-Wahl 1996 mit 27,53 Prozent.

- Van der Bellens 21,34 Prozent waren absoluter Grüner Top-Wert. Bestes Bundes-Resultat waren bis dahin 14,52 Prozent bei der EU-Wahl 2014, der Landtags-Topwert 20,18 Prozent in Salzburg 2013. Die bisher zwei grünen Hofburg-Bewerber blieben unter sechs Prozent.

- Für den Stichwahl-Rekord muss der Sieger mehr als 56,89 Prozent schaffen. So viel holte sich Thomas Klestil (ÖVP) im Jahr 1992 gegen Rudolf Streicher (SPÖ). Auch bei den fünf Wahlen mit überhaupt nur zwei Kandidaten - jeweils SPÖ und ÖVP -gab es kein deutlicheres Ergebnis.

- Den knappsten Ausgang gäbe es mit weniger als 52,06 zu 47,94 Prozent. Dies waren die Ergebnisse von Bundespräsident Theodor Körner (SPÖ) und ÖVP-Kandidat Heinrich Gleißner (ÖVP) im Jahr 1951.

- Die sechs Bewerber in den bisher drei Stichwahlen bekamen immer rund um zwei Millionen Stimmen. Nur Rudolf Streicher (SPÖ) blieb 1992 knapp darunter mit 1,915.380, während Thomas Klestil mit 2,528.006 Bundespräsident wurde.

- Der absolute Hofburg-Topwert ist 79,87 Prozent. Die holte Rudolf Kirchschläger (SPÖ) 1980 im ersten Wahlgang - ohne ÖVP-Gegenkandidaten, aber mit zwei anderen Bewerbern.

- Zwei der bisher drei Stichwahlen hat der im ersten Wahlgang Zweite gewonnen. Sie lagen allerdings alle näher beisammen als jetzt. Denn Hofer geht mit einem Vorsprung von 13,71 Prozentpunkten ins Stechen. Der bisher größte Abstand waren 5,98 Punkte Kurt Waldheims (ÖVP) 1986 vor Kurt Steyrer (SPÖ). Dies war auch die einzige Stichwahl, in der der Erste des ersten Wahlganges Präsident wurde.

- Kein Rekord zeichnet sich bei der Wahlbeteiligung ab. Dafür müsste sie von den 68,50 Prozent des ersten Wahlganges auf unter 53,57 Prozent (2010) sinken. Bei zwei der drei Stichwahlen war die Beteiligung zwar schwächer als im ersten Wahlgang, aber nie um so viel.

Rekorde im ersten Wahlgang am 24. April:

- Der 83-jährige Richard Lugner war der älteste Kandidat je am Stimmzettel.

- Schlecht wie nie erging es den Bewerbern von SPÖ und ÖVP. Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) bekamen mit jeweils knapp über elf Prozent nur einen Bruchteil ihrer Vorgänger. Bisher wählten so gut wie immer um die 80 Prozent die Kandidaten der Traditionsparteien.

- Die miserablen Ergebnisse für den SPÖ- und ÖVP-Kandidaten ergaben die Rekorde der Oppositionsbewerber. Auch für Irmgard Griss reichte es - mit 18,94 Prozent - noch für den Topwert der parteifreien Bewerber.