Erst gefeiert, jetzt gefeuert: Winterkönig Schmidt weg
Das 2:5 in Klagenfurt war der letzte Arbeitstag von Klaus Schmidt. Der bis 2017 laufende Vertrag mit dem Wacker-Trainer wurde gestern aufgelöst.
Von Florian Madl
Innsbruck – Wacker-Trainer – ein Leben auf dem Schleuderstuhl: Nach 425 Tagen Roland Kirchler und 298 Tagen Michael Streiter hielt sich auch Klaus Schmidt nur 543 Tage im Amt. Und wie bei seinen beiden Vorgängern war auch der Vertrag des Steirers erst vor wenigen Monaten verlängert worden (bis 2017). Die Schnelllebigkeit des Geschäfts, finanziell ein Tiefschlag für den FC Wacker. Im letzten Saisonspiel zuhause gegen Wr. Neustadt (Mittwoch, 19.30 Uhr) betreuen Co-Trainer Andreas Schrott und Fuad Djulic die Mannschaft interimistisch.
Dass es so kommen würde, hatte sich vergangene Woche bereits abgezeichnet, aus der angekündigten Klausur mit General Manager Alfred Hörtnagl wurde eine Zäsur: „Damit habe ich nicht gerechnet. Anspruch und Realität klaffen leider auseinander“, gestand Schmidt gestern nach dem Abschied. Im November 2014 hatte er Schwarz-Grün als Abstiegskandidat übernommen und zur Rettung am letzten Spieltag beigetragen. Seit dem Herbstmeistertitel zeigte die Kurve jedoch nach unten, gegenüber Erste-Liga-Meister St. Pölten büßte man ab der zwölften Runde 27 Punkte ein.
Die Ereignisse hatten sich in den vergangenen Wochen überschlagen, nach dem 2:5 in Klagenfurt (Freitag) hatte auf der Heimfahrt ein Telefonat mit Hörtnagl Böses erahnen lassen. „Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, gestand der Matreier. „Eine menschlich schwierige Situation“, befand auch Präsident Josef Gunsch, der nichts von einer Kurzschlussreaktion wissen wollte: „Es war kein Alleingang der sportlichen Führung, sondern mit dem Vorstand abgestimmt.“ Allerdings war der Milser noch am Mittwoch davon ausgegangen, dass der FC Wacker mit Klaus Schmidt in die als Aufstiegssaison apostrophierte Spielzeit 2016/17 gehen wolle: „Ich wüsste nichts Gegenteiliges.“ Tormann Pascal Grünwald wollte sich zur Entscheidung nicht äußern („Das ist Aufgabe von Alfred Hörtnagl“), für Kapitän Alex Hauser kam die Entscheidung „überraschend“.
Was führte zur vorzeitigen Entlassung?
1. Standing: Innerhalb des Teams kriselte es, wie der Mannschaft nahestehende Kreise berichten. Arrivierte wie Jürgen Säumel sollen in der Kabine mehrmals vor versammelter Mannschaft offen gegen Entscheidungen des Trainers aufbegehrt haben, der seinerseits mit allzu amikalem Auftreten zu wenig Kontur erkennen ließ. Dabei hatte Schmidt gerade seinen Routiniers viel Freiraum zugestanden, diese flache Hierarchie entwickelte sich letztlich jedoch zum Bumerang.
2. Spielsystem: Wofür stand der FC Wacker in der vergangenen Saison? Nicht für Offensive und Spektakel jedenfalls, so viel steht fest. Hinten viel Beton, vorne Thomas Pichlmann, lautete das biedere Motto. Raketen wie Alexander Riemann und Florian Jamnig zündeten zu selten, das Spiel wurde mehr in die Breite als in die Spitze verlagert. Nicht schön anzuschauen, dieses ideenlose System (4-2-3-1) – und im Frühjahr auch nicht mehr von Erfolg gekrönt. Im Herbst heiligte noch der Zweck die Mittel.
3. Ausbildungsverein: Das war der FC Wacker in der abgelaufenen Saison nicht. Talente wie Kevin Nitzlnader oder Rami Tekir durften ihr Können viel zu selten aufblitzen lassen, das führte auch den viel zitierten „Tiroler Weg“ ad absurdum. Heimischen Talenten wird damit der Verbleib in Tirol nicht schmackhaft gemacht – mit dem 15-jährigen Fabian Markl wandert demnächst der nächste Rohdiamant ab (Hoffenheim?).
Die Verletzungsakte von Simon Pirkl muss sich nicht zuletzt auch Trainer Klaus Schmidt ankreiden lassen. Der mittlerweile 19-jährige Innsbrucker war nach sechsmonatiger Verletzungszeit kurz vor der Winterpause gegen Wiener Neustadt überraschend zum Einsatz gekommen und riss sich erneut das Kreuzband. Ursprünglich war ein Comeback im Frühjahr geplant gewesen.
4. Leistungskurve: Wenn was die Position Klaus Schmidts gefestigt hatte, dann die sportliche Bilanz im Herbst. Der in der Endphase schwächelnde Winterkönig mutierte vom Abstiegskandidaten der Vorsaison zum Titelanwärter der Sky Go Erste Liga. Das wurde am 4. Dezember 2015 mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung für den 48-Jährigen honoriert. Der gemeinsame Weg endete gestern, Kandidaten für das Innsbrucker Traineramt tauchen einige auf. Ein einfaches Erbe treten auch diese nicht an.
Alte und mögliche neue Trainer des FC Wacker Innsbruck
Walter Kogler (Juni 2008 bis Oktober 2012) stieg mit dem FC Wacker 2010 in die höchste Spielklasse auf und wurde nach einer Niederlagenserie wieder entlassen.
Roland Kirchler
(Oktober 2012 bis Dezember 2013) rettete die Innsbrucker mit dem „Wunder von Wolfsberg“ vor dem drohenden Abstieg, musste im Zuge eines Abwärtstrends interimistisch seinem ehemaligen Co-Trainer Florian Klausner weichen.
Michael Streiter
(Dezember 2013 bis Oktober 2014) stieg mit dem FC Wacker ab, wurde trotz Vertragsverlängerung in der Folge entlassen.
Klaus Schmidt
(Oktober 2014 bis Mai 2016) – erst Retter, jetzt gefeuert.
Potenzielle Nachfolger:
Dietmar Kühbauer (Admira 2010–2013, Wolfsberg 2013–2015), Michael Baur (Anif 2011–2014, Grödig 2014–2015).