Mullah Mansour - Hartnäckiger Verweigerer von Friedensverhandlungen
Kabul (APA/AFP) - Als Ahtar Mansour im vergangenen Juli an die Spitze der radikalislamischen Taliban trat, keimten Hoffnungen auf, für Afgha...
Kabul (APA/AFP) - Als Ahtar Mansour im vergangenen Juli an die Spitze der radikalislamischen Taliban trat, keimten Hoffnungen auf, für Afghanistan könne es endlich eine Friedenslösung geben. Doch die Hoffnung erwies sich als trügerisch: Mullah Mansour ließ interne Rivalen aus dem Weg räumen und verweigerte hartnäckig den Gang an den Verhandlungstisch mit der afghanischen Regierung.
Am Samstag wurde Mansour nach Angaben des afghanischen Geheimdienstes bei einem US-Drohnenangriff in Pakistan getötet. Es ist Mansour nicht gelungen, aus dem Schatten seines legendären Vorgängers, des Taliban-Gründers Mullah Omar, zu treten. Schon der Führungswechsel fand unter eigenwilligen Umständen statt. Zwei Jahre lang hatten die Taliban den Tod von Mullah Omar offiziell nicht bekanntgegeben. Mansour soll einer der Hauptverantwortlichen für diese Geheimniskrämerei gewesen sein.
Einerseits war Mansour dann eine Art natürlicher Nachfolger, zählte er doch seit den Gründungszeiten in den 90er-Jahren zu den Taliban. Auch verbrachte Mansour wie viele andere Taliban große Teile seines Lebens im Nachbarland Pakistan, ohne das das Erstarken der radikalislamischen Gruppe nicht möglich gewesen wäre.
Mansour knüpfte frühzeitig Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst. Als die Taliban 1996 in Kabul an die Macht gelangt waren, wurde er Luftfahrtminister. Nach dem Sturz der Taliban-Regierung 2001 suchte er erneut in Pakistan Zuflucht.
Als es um die Nachfolge von Mullah Omar ging, gab es durchaus personelle Alternativen zu Mansour - etwa Omars Sohn Mullah Jakoub und Omars Bruder Abdul Manan Achund. Und diese Namen werden nun folgerichtig wieder ins Spiel gebracht, wenn es um die Nachfolge von Mullah Mansur geht.
Im vergangenen Sommer gab es Berichte, Mansour sei bei einem Schusswechsel mit anderen Taliban-Kommandanten schwer verletzt worden. Die Taliban veröffentlichten dann im Internet eine Audio-Botschaft Mansours und bezeichneten die Berichte über internen Zwist als „feindliche Propaganda“.
In den vergangenen Monaten wirkte es, als wenn die Taliban in ihrem bewaffneten Kampf gegen die afghanischen Sicherheitskräfte an Kraft zulegten. Im September übernahmen sie zeitweise die Kontrolle über die Stadt Kunduz im Norden. Wiederholt verübten die Taliban Anschläge auf ausländische Botschaften sowie auf Einrichtungen der Vereinten Nationen und der NATO. In einer kürzlich online verbreiteten Erklärung rief Mansour seine Anhänger auf, im Rahmen der Frühjahrsoffensive der Taliban „entscheidende Schläge“ vorzubereiten.
Im Jänner startete eine gemeinsame Initiative der USA, Chinas, Pakistans und Afghanistans für Friedensverhandlungen. Die Taliban waren dafür nicht zu gewinnen. Die letzte Runde der Gespräche fand am vergangenen Mittwoch in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad statt. Es habe eine Übereinkunft zwischen den USA und Pakistan gegeben, wonach Pakistan an „Operationen gegen die Taliban“ mitwirken werde, wenn diese den Gang zum Verhandlungstisch ablehnten, sagt der pakistanische Sicherheitsexperte Amir Rana. „Das war eine verbindliche Abmachung.“