Binali Yildirim - Treuer Weggefährte Erdogans

Ankara (APA/AFP/dpa) - Als türkischer Verkehrsminister und führender Politiker der islamisch-konservativen AKP arbeitet Binali Yildirim scho...

Ankara (APA/AFP/dpa) - Als türkischer Verkehrsminister und führender Politiker der islamisch-konservativen AKP arbeitet Binali Yildirim schon seit Jahrzehnten Weggefährte des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Diese Treue zahlt sich für den 60-jährigen Yildirim jetzt aus: Die Regierungspartei AKP wählte ihn am Sonntag zu ihrem neuen Vorsitzenden, damit wird er automatisch auch der neue Regierungschef.

In einer Rede vor den Delegierten kündigte Yildirim an, die von Erdogan vorangetriebene Einführung eines Präsidialsystems zu einer „Priorität“ zu machen. In der Türkei existiere bereits jetzt „de facto“ ein Präsidialsystem, dieses müsse nun rasch durch eine Verfassungsänderung legitimiert werden, betonte er.

Yildirim gilt als absolut loyal. Schon in den 1990er-Jahren war Yildirim an der Seite des heutigen Staatspräsidenten. Damals war Erdogan Bürgermeister von Istanbul, Yildirim war der Chef der städtischen Fährgesellschaft Ido, einen wichtigen Bereich des öffentlichen Nahverkehrs.

Gemeinsam mit Erdogan und anderen Mitstreitern gründete Yildirim die islamisch-konservative AKP. Als die Partei 2002 an die Macht kam - die sie bis heute ununterbrochen innehat -, wurde Yildirim Verkehrsminister. Erdogan wurde bald danach Ministerpräsident und 2014 dann Staatschef.

Während andere AKP-Mitbegründer in der Bedeutungslosigkeit verschwanden, ging Yildrims Aufstieg an der Seite Erdogans weiter. Als Minister war Yildirim für mehrere Prestigeprojekte Erdogans verantwortlich. Unter anderem für den Bau der Marmaray - einem Eisenbahntunnel unter dem Bosporus, der 2013 eröffnet wurde. Auch an der Verwirklichung eines anderen Traums von Erdogan war Yildirim maßgeblich beteiligt: Dem Bau der dritten Brücke über den Bosporus. In der Parteipolitik setzte Yildirim stets die Anweisungen seines Chefs um.

Schon bei Erdogans Wechsel ins Präsidentenamt im Sommer 2014, bei dem dieser den AKP-Vorsitz und den Posten des Ministerpräsidenten aufgeben musste, wurde Yildirim als Kronprinz genannt, doch er ließ dem damaligen Außenminister Ahmet Davutoglu den Vortritt. Mit den zunehmenden Spannungen zwischen Davutoglu und Erdogan in jüngster Zeit wuchsen dann die Chancen Yildirims auf den Doppelposten an der Spitze von Partei und Regierung.

Als Davutoglu Anfang Mai von Erdogan zum Rücktritt gezwungen wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit rasch auf Yildirim. Auch Gegner des designierten neuen Regierungschefs machten sich bemerkbar: So tauchten in der Presse plötzlich Fotos auf, die Yildirims Sohn Erkan in einem Spielcasino in Singapur zeigten - die Verwicklung eines so nahen Familienangehörigen in das aus islamischer Sicht sündige und dekadente Glücksspiel könnte für einen Politiker wie Yildirim durchaus gefährlich werden.

Doch Erdogan hielt zu ihm. Diese Unterstützung des Über-Chefs ist in der AKP mehr wert als alles andere. In internen Befragungen der AKP in den vergangenen Tagen schnitt Yildirim so überzeugend gut ab, dass Wirtschaftsminister Mustafa Elitas schon im Vorfeld sagte: „Für mich steht der Name schon fest.“ Alle wussten, dass Yildirim gemeint war.

Das konservative Weltbild seines Präsidenten teilt der neue Parteichef. Auf Twitter machte ein Foto die Runde, das türkischen Medienberichten zufolge Yildirims Ehefrau Seniha alleine beim Essen zeigen soll, während Yildirim mit seinen männlichen Begleitern am Nachbartisch speist - und ihr keine Beachtung schenkt.

Für Gespött in sozialen Medien sorgte auch die Begründung für Yildirims Universitäts-Wahl, die er nach Medienberichten auf einer Absolventenfeier vortrug. Auf ein Studium an der angesehenen Bosporus-Universität habe er demnach verzichtet, weil dort männliche und weibliche Studenten gemeinsam auf dem Rasen saßen. Sein Studium im Schiffbau absolvierte Yildirim stattdessen an der Technischen Universität in Istanbul. Er ist Vater von drei Kindern.