Tiroler Wassermann für die Wüste
Der Osttiroler Oswald Gurschner sagt von sich, dass er eine besondere Gabe habe: „Ich fühle Wasseradern tief in der Erde.“ In der Wüste ist er ein gefragter Mann, daheim nicht.
Von Matthias Christler
Lienz –Nein, über das Wasser gehen kann Oswald Gurschner natürlich nicht, das wäre zweifelsohne zu viel verlangt. Doch wie er vom Ufer der Isel über ein paar Felsen immer weiter in den Fluss hineinspringt, zeigt, wie wenig Angst er vor den Stromschnellen um ihn herum hat. „Wenn ich eine Viertelstunde so am Fluss stehe, merke ich, wie die Energie durch mich durchfließt“, sagt der 54-jährige Lienzer. Damit unterscheidet er sich noch nicht wesentlich von anderen, die in der Nähe von Gewässern spüren, wie sie Kraft schöpfen. Er aber sagt über sich: „Ich fühle Wasseradern in der Erde.“
In Dubai soll er einmal eine Wasserader in einer Tiefe von 1472 Metern unter dem Meeresspiegel gefunden haben. Bei einem Spaziergang mit ihm durch Lienz, entlang der Isel, erzählt der gelernte Zimmerermeister seine außergewöhnliche, für viele unglaubliche Geschichte. Vor einigen Jahren sei er mit einem Wünschelrutengeher gemeinsam am Schlossberg in Lienz unterwegs gewesen und habe genauso wie dieser etwas im Boden gespürt, und noch mehr: „Ich will nichts gegen Rutengeher sagen. Die können feststellen, dass es unter ihnen Wasser gibt. Ich aber spüre, in welcher Tiefe, wie stark die Wasserader ist und von welcher Qualität sie ist.“ Das habe er zum ersten Mal am Schlossberg bewusst erkannt. „Davor dachte ich, dass jeder so ein Gefühl in der Nähe von Wasser hat.“
Für ihn ist es nun nicht mehr ein Gefühl, vielmehr eine Gabe. Gurschner weist auf den 1959 verstorbenen Hellseher Alois Irlmaier hin. Auch der Bayer soll diese besondere Fähigkeit gehabt haben. Natürlich weiß Oswald Gurschner, Vater von vier Kindern, dass es Menschen gibt, die an dem zweifeln, was er sagt. Denen berichtet er, wie er in Dubai bereits erfolgreich Quellen erschlossen hat und deshalb in Dubai ein Gewerbe anmelden durfte. „Das wird einem dort nicht einfach so gewährt. Das ging nur, weil ich Quellen finde, wo sonst keiner etwas findet“, sagt er selbstbewusst.
Seit Jahren reist er in die Megastadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er hat Freunde dort. Einer davon, ein Scheich, wie Gurschner sagt, kaufte vor Jahren ein Gebiet so groß wie Tirol. Eine wichtige Quelle war bald ausgetrocknet. „Dann habe ich geschaut.“ Aber nicht mit den Augen. Wenn er Wasseradern erspüren will, wandert er über das Gebiet, breitet die Arme aus und dreht seine Handflächen zum Boden hin. Er schließt die Augen. Steht er über einer Wasserader, fühle es sich an, so Gurschner, als würde er direkt hineingreifen.
In der Wüste Dubais auf dem Grundstück seines Freundes habe er so eine neue Quelle gespürt. „Weil die Arbeiter zuerst in Fuß gerechnet haben und ich meine Angabe in Meter gemacht habe, war die Bohrung 24 Meter zu kurz. Da habe ich Angst gehabt, dass ich falsch liege. Wäre ich als Scharlatan verurteilt worden, hätten sie mir die Hände abgehackt. Dann bohrten sie tiefer und fanden die richtige Quelle“, erzählt er erleichtert, dann etwas ernüchtert weiter: „In der Wüste bin ich anerkannt, daheim ist es schwierig.“
Er macht kaum Pausen. Oswald Gurschner redet, wenn es um seine Gabe geht, ganz passend wie ein Wasserfall. Er springt mit den Gedanken von Dubai nach Wolfsberg in Kärnten. Wegen einer Wassernot im Ort bot sich Gurschner als Hilfe an. Ein Mitarbeiter der Wasserwerke bestätigt, dass der Tiroler vor zwei Jahren Quellen ausmachte, die auch die Mitarbeiter mit hydrologischen Geräten ungefähr an derselben Stelle vermuten. Der Wassersucher dazu: „Ich sagte ihnen, dass in einer Tiefe von 503 Metern eine Quelle ist mit guter Trinkwasserqualität, die 86 Liter pro Sekunde leisten kann.“ Zu einer Zusammenarbeit kam es nicht. Laut dem Mitarbeiter der Wasserwerke, weil es nicht möglich gewesen sei, für ein Projekt, das auf einer solchen Gabe beruht, öffentliche Mittel aufzutreiben.
Beim Spaziergang an der Isel mit Oswald Gurschner merkt man, dass ihn das wurmt. Er würde gerne in seiner Heimat arbeiten. „Ich glaube, ich habe die Gabe von Gott bekommen.“ Vielleicht für seine Hilfe beim Bau der Marienkapelle am Katschberg – ein Kraftplatz für Gurschner. Für seine Gabe will er etwas zurückgeben. „Wir werden auch in Tirol nicht ewig gutes Wasser haben. Die Temperaturen steigen, dann werden wir irgendwann Probleme mit der Wasserqualität bekommen.“ Er „garantiere“ aber, dass er überall auf der Welt gutes Trinkwasser im Boden finden könne.
Weil er in seiner Heimat den Zuspruch aber nicht findet – der Wasser-Prophet im eigenen Land ist, der nichts gilt – wird er bald wieder in den Süden reisen. „Ich will dabei helfen, die Wüste grün zu machen. Und meine Aufgabe ist es, mit dem Geld, das ich dadurch verdiene, woanders, in armen Regionen gratis Quellen zu finden und anzubohren.“ Zurückkehren nach Tirol will er trotzdem immer wieder. Natürlich des Wassers wegen: „Die schönsten Tage sind für mich die, an denen es regnet. Wasser ist Leben.“