Tom Tykwer plant den nächsten Filmcoup

Nach „Ein Hologramm für den König“ kommt nun eine TV-Serie über das Berlin der Zwischenkriegszeit.

© DPA

Von Ludwig Heinrich

Berlin –Tom Tykwer da, Tom Tykwer dort. Im Kino läuft derzeit sein neuester Film „Ein Hologramm für den König“ mit Tom Hanks als Hauptdarsteller, in Berlin hat er eben das aufwändigste TV-Projekt gestartet, das es im deutschen Sprachraum je gab. Dieser Tage fiel die erste Klappe zu „Babylon Berlin“. Geplant sind zunächst zwei Staffeln mit 16 Folgen à 45 Minuten.

Das Budget ist mit 40 Mio. Euro veranschlagt, und gedreht wird, trotz internationaler Beteiligung, in deutscher Sprache. Produzent Stefan Arndt spricht vom „Aufbruch in eine neue Ära der TV-Produktion“, denn erstmals entsteht ein Projekt in Gemeinschaft von Free-TV und Privatsendern. Sky hat die Erstausstrahlungsrechte (2017), Die ARD folgt dann 2018.

„Wie viel es am Ende wirklich kosten wird“, erklärt Tom Tykwer, „wissen wir erst in einem Jahr. Uns allen ist jedoch klar: Wenn man so was macht, kann man es nur opulent machen.“ In den Studios von Babelsberg wurden für „Babylon Berlin“ jedenfalls drei Straßenzüge mit etlichen Tonnen Stahl komplett aufgebaut. Ende des Jahres übersiedelt das Team dann nach Nordrhein-Westfalen.

Für Tom Tykwer ist dies die erste TV-Arbeit, doch er wird sich die Regie­agenden mit Achim von Borries („Jeder stirbt für sich allein“) und Hendrik Handloegten teilen. „Basis für das Projekt“, so Tykwer, „ist die international erfolgreiche Bestseller-Reihe von Volker Kutscher rund um den Kommissar Gereon Rath, der im Berlin der 1920er-Jahre ermittelt, und in der Serie soll das ganze Panoptikum der aufregenden Stadt zwischen Drogen und Politik, Mord und Kunst, Emanzipation und Extremismus aufgeblättert werden. Es handelt sich um facetten- und figurenreiche Polizeifilme in historischem Kontext, die aber auf verblüffende Weise die deutsche und europäische Gegenwart spiegeln. Demnach, hoffe ich, ist Vielschichtigkeit garantiert.“

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Im Berliner Traditionskino „Babylon“ wurden eben auch die beiden zentralen Darsteller vorgestellt. Der Münchner Volker Bruch, ehemaliger Absolvent des Wiener Reinhardt-Seminars (anfangs in „Kommissar Rex“-Folgen zu sehen, zuletzt in „Hin und weg“ und ebenso in „Goethe!“ wie in „Fack ju Göhte“), mimt den Kommissar Rath, der in Volker Kutschers Büchern aus Köln stammt; seine Freundin ist die begabte Berlinerin Liv Lisa Fries (Bayerischer Filmpreis).

Auch ein Österreicher ist mit im Bunde, nämlich Karl Markovics, der sich über die Art seines Engagements besonders freut: „Ich erhielt von den drei Regisseuren, die gleichzeitig auch die Drehbuchautoren sind, einen persönlichen Brief, in dem sie mich wissen ließen, dass sie sich über meine Mitwirkung besonders freuen würden. Und mir ist es eine ebenso große Freude, Teil eines so ehrgeizigen und aufregenden Unternehmens zu sein.“

Seinen ersten Drehtag hat Markovics am 30. Juni: „Ich bin dann nicht durchlaufend dabei, aber immer wieder, und habe sehr schöne Szenen mit der Hauptfigur, dem Kommissar. Als Samuel Katelbach, Journalist und Schriftsteller, der offensichtlich aus Berlin für eine österreichische Tageszeitung berichtet. Eine Figur, die, denke ich, an Joseph Roth, Karl Kraus und Egon Erwin Kisch angelehnt ist.“

Inzwischen hat Markovics das Drehbuch für seinen nächsten eigenen Film fertig: „Wir durchlaufen jetzt die Instanzen für die Förderung, und ich hoffe, dass ich noch heuer beginnen kann. Es ist eine Geschichte, die mit Gegenwart und Vergangenheit zu tun hat. In Form von zwei Männern, die einander in sehr jungen und sehr alten Jahren begegnen.“

Wiewohl mit „Babylon Berlin“ für längere Zeit intensivst beschäftigt, möchte Tom Tykwer natürlich auch weiterhin Kinofilme drehen. Zumal ihm sein aktuelles Opus „Ein Hologramm für den König“ blendende Kritiken bescherte. Die Welt am Sonntag etwa hatte ihm eine ganze Seite gewidmet und vermerkt: „Tykwers neuer Film ist so gut, dass man meint, Tom Hanks habe die letzten zwanzig Jahre nur auf diese Rolle hingespielt.“

Der Regisseur zum Thema Tom & Tom: „Als ich das Drehbuch schrieb, hatte ich bereits viele Kamerafahrten und einen ganz bestimmten Hauptdarsteller im Auge. Eben Tom Hanks. Und ich sagte immer: Das darf kein anderer spielen! Wir kennen einander ja seit ‚Cloud Atlas‘, und bereits damals merkten wir, dass wir gut miteinander funktionieren. Die Abstimmung zwischen Regisseur und Hauptdarsteller geschieht oft nur mit Blicken, und nach einer Woche weiß man ganz genau, ob es gut geht. Hier war es mir nach einer Minute klar. Wenn man für einen Film so lange zusammenhockt, muss man sich auch – buchstäblich – gut riechen können. Und weil alles so prima funktionierte, konnte es hin und wieder passieren, dass wir, wie junge Buben, begeistert herumsprangen und gute Laune verbreiteten.“

Letzte Frage: „Glauben Sie, dass durch das heutige hohe Niveau von TV-Serien auch Kinofilme besser werden?“ Tykwer: „Ja, durch dieses Niveau werden die Ansprüche auch auf den Kinofilm zurückfedern.“


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