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Leistungs-Denken: Architekturtage in Tirol

Welchen gesellschaftlichen Wert hat gestalteter Raum, wann zeigt Architektur Haltung? Die Architekturtage (3. und 4. Juni) suchen Antworten.

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© Günter Richard Wett

Innsbruck –Besonders angesichts der Flüchtlingssituation in Europa entstand zuletzt der Eindruck, die Architektur habe ihr soziales Gewissen wiederentdeckt: In Symposien wird über gestalterische Lösungen abseits von Massenquartieren nachgedacht, Netzwerke entstehen, Modelle (und Modulbauweisen) werden diskutiert. Hört man aber genauer hin, geht es meist um mehr als nur um die rasche Unterbringung von Neuankömmlingen. Sondern vielmehr um die Zukunft des Wohnens und um die Soziologie der Städte und Gemeinden im Allgemeinen. Die so genannte „Flüchtlingskrise“ mag diese Themen noch virulenter gemacht haben – über „wert/haltung“ von Architektur lohnt es sich aber auch darüber hinaus nachzudenken: Die Architekturtage, die am 3. und 4. Juni zum achten Mal österreichweit stattfinden, wollen das unter eben diesem Titel anregen. In Tirol gibt man mit dem Untertitel „Das leisten wir uns“ noch deutlicher die Wertediskussions-Richtung vor: Das viel zitierte Leistungsdenken will man hier anders verstanden wissen und die Architektur vor allem auf ihren Nutzen für die Gesellschaft hin abklopfen, hieß es bei der Programmpräsentation am Montag.

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Als zentraler Treffpunkt der Architekturtage fungiert auch deshalb das „bilding“ im Rapoldipark: Die Kunst- und Architekturschule setzt dort an, wo das staatliche Bildungssystem eine immer größer werdende Lücke aufweist, nämlich bei der kreativen Entwicklung. Das „bilding“ ist ein österreichweit einzigartiges zivilgesellschaftliches Projekt, das nur mit Hilfe von Spendengeldern und viel privatem Engagement realisiert werden konnte. Fixe Kursgebühren werden nicht verlangt, man setzt vielmehr auf die freiwillige Bereitschaft, Beiträge zu leisten – je nach finanziellen Möglichkeiten. So sollen auch sozial Schwächere die Angebote nutzen können. Allerdings, so „bilding“-Leiterin Monika Abendstein, funktioniere das Modell der Freiwilligkeit bis jetzt noch „schlechter als erwartet“.

Über „wert/haltung“ darf bei den Architekturtagen also durchaus auch von jenen nachgedacht werden, denen das breite „bilding“-Angebot bisher eher nur Klingelbeutel-Beträge wert war.

Das vom Innsbrucker aut und der Architektenkammer gestaltete Architekturtage-Programm führt aber auch in ganze andere Gefilde des Bauens, des Umgangs mit Grund und Boden oder der Nutzung von Gebäuden: etwa nach Fließ mit seinem erneuerten Dorfkern, zu in Vergessenheit geratenen Industriebauten wie der Lederfabrik Ritsch in Hopfgarten oder auf Stadtspaziergänge durch Innsbruck – zum Beispiel auf der Spur von Brachen oder von „verlorenen, verschmähten und erhaltenen“ Gebäuden. (jel)

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Angebote von Fließ bis Hopfgarten

Einstimmung. Bereits am Donnerstag, 2. Juni (20 Uhr) hält der renommierte Wirtschaftswissenschafter Stephan Schulmeister im Innsbrucker aut einen Vortrag unter dem Titel „Der neoliberale Weg in die große Krise – und was es für eine Umkehr braucht“.

Führungen, Atelier-Besuche. Am Freitag laden Architekten unter dem Titel „Zu Gast bei ...“ in ihre Büros, präsentieren Projekte oder führen durch Baustellen. Beispiele für Stadtspaziergänge und Führungen: Freitag, 14.30 Uhr: Fließ: „ ... die Wiedergeburt eines Dorfkerns“, 15 Uhr, Innsbruck: „80 Jahre Raum- und Wohngeschichte“, Samstag, 13 Uhr, Innsbruck: „Wertvolle Architektur für Sozialeinrichtungen“, 14 Uhr: „Freiräume in der Stadtlandschaft“, 19 Uhr, Hopfgarten: „Kalte Sterne – Reserveräume der Industrie“. Alle Programmpunkte und Infos: www.architekturtage.at


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