Literatur

Sagen reisen um die Welt

Sagenautor Robert Bäuchl (l.) sowie Jannine Van Thielen und Eddy Raats, welche die Ötztaler Sagen ins Esperanto übersetzten und in Buchform herausbrachten, besuchten auch die Neue Mittelschule.
© Stecher

Ein Belgier ist fasziniert von alten Ötztaler Geschichten. Er hat diese auf Esperanto übersetzt. Nun werden diese Sagen über ein Hilfssprachen-Netzwerk verbreitet.

Von Bernhard Stecher

Huben –Im Jahr 2012 hat Robert Bäuchl anlässlich der Eröffnung des von Unternehmer Manfred Santer initiierten Sagenweges von Huben auf den Feuerstein alte Ötztaler Geschichten zusammengetragen. Dazu hat sich der Umhauser Autor Sagen von älteren Mitbürgern erzählen lassen und aufgeschrieben. Seitdem können Wanderer nicht nur die entlang des Sagenweges von Künstlerehepaar Fahrner gestalteten Metallskulpturen ansehen, sondern auch die Hintergründe nachlesen. Auf einer Strecke von rund drei Kilometern sind 14 Ötztaler Sagen dargestellt, wie die „Die drei Saligen“, „Der Schlangenbaum“ oder „Das wilde Mandl“.

Beides, die Objekte und die damit zusammenhängenden Geschichten, dürften vergangenes Jahr eine Urlauberin sehr inspiriert haben. Jedenfalls schwärmte sie in ihrer Heimat derart davon, dass sich auch ihr Vater ins Ötztal begab, um mit eigenen Augen das zu sehen, wovon seine Nachkommin so begeistert nach ihrem Urlaub berichtet hatte.

Eddy Raats wurde nicht enttäuscht, und weil der Belgier der Monda Asembleo Socia (MAS) angehört, einer Vereinigung, welche sich die Verbreitung von Esperanto auf die Fahne geheftet hat, reifte in ihm rasch der Entschluss, die Ötztaler Sagen übersetzen zu lassen und in Buchform weltweit zu verbreiten.

Raats ist vom Sinn der bekannten Welthilfssprache überzeugt. Als Flame im Alter von vier Jahren in die Schweiz gekommen, sei er dort ein sprachlicher Außenseiter gewesen, erzählt er. Dasselbe sei ihm dann nach dem 2. Weltkrieg auch wieder passiert, als er in die alte Heimat zurückkehrte. „Fehlende Sprachkenntnisse sind oft ein Grund für eine Diskriminierung“, so der Belgier, der mit seiner Mitstreiterin Jannine Van Thielen eifrig für Esperanto und damit für ein besseres Verständnis wirbt. Die beiden waren unlängst zu Besuch im Ötztal, präsentierten dort ihre Übersetzung und besuchten in Begleitung von Robert Bäuchl diverse Plätze. Der heimische Autor las unlängst auch in einer ersten Klasse der Neuen Mittelschule seine Geschichten vor.

Der Riesen im Kampf mit dem Drachen am Sagenweg.
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