Klingonisch für Anfänger

Nicht Shakespeare, ein Klingone hat Hamlet geschrieben

Die Klingonen aus Star Wars sprechen eine sehr ausdifferenzierte Sprache.
© Reuters

In 90 Minuten Klingonisch an der Innsbrucker Uni lernen, geht das? Der Selbstversuch zeigt, die Kunstsprache für „Star Trek“ ist praxistauglich.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Wer an erfundene Sprachen denkt, dem kommt als Erstes Esperanto in den Sinn. Eine Sprache, die erfunden wurde, um eine möglichst einfache Konversation zwischen den Menschen zu ermöglichen. Die Plansprache Esperanto war ein Anlauf, um Englisch als internationale Sprache den Rang abzulaufen. Wie wir heute wissen, wenig erfolgreich. Ganz anders verhält sich die Sachlage bei Klingonisch, jener Sprache, die extra für die Serie „Star Trek“ entwickelt wurde. „Das Einzigartige bei dieser Sprache ist, dass sie nicht dafür gedacht war, tatsächlich gesprochen zu werden“, erzählt Ernst Buchberger anlässlich des Crashkurses „Klingonisch in 90 Minuten“. Der Professor wurde vom Internationalen Sprachenzentrum der Universität Innsbruck Ende Mai nach Innsbruck eingeladen. Das Sprachenzentrum legt den Fokus heuer auf fiktionale Sprachen.

Buchberger brennt für Klingonisch, das wird schon in den ersten Minuten klar. „Es ist eigentlich unmöglich, Klingonisch in 90 Minuten zu vermitteln, weil es eine sehr komplexe Sprache ist, aber ich liebe Herausforderungen“, sagt er lachend. Geschichtlich trat die „Star Wars“-Sprache nach der Veröffentlichung eines Wörterbuches ihren Siegeszug an. Freaks begannen, die von Marc Okrand entwickelte Kunstsprache zu lernen.

Rasch wurde klar, dass die rund 2500 Wörter nicht ausreichen, um Klingonisch praktisch anzuwenden. „Die Freaks haben Okrand die Wörter geschickt, für die es noch keinen klingonischen Ausdruck gab, wie etwa Nudelsieb.“ Wie aber sollte Okrand nun glaubhaft machen, dass die neuen klingonischen Wörter tatsächlich von den Außerirdischen stammen? Buchberger erzählt, dass der Sprachenerfinder fortan behauptet, er habe einen Klingonen in seinem Keller gefangen und dieser teile ihm immer wieder neue Wörter mit. Klingonisch – ein einziges Fantasiegebilde und ein Riesenspaß? Der Herr Professor nimmt seine Mission ernst. Er bringt den rund 50 Studenten wichtige Stehsätze bei. Etwa wie man einen Klingonen höflich fragt, wo sich denn die Toilette an Bord des Raumschiffes befindet.

„Die Klingonen sind ein kämpferisches Volk, aber Höflichkeit kann nicht schaden“, sagt Buchberger augenzwinkernd. Sein Ehrgeiz geht jedoch noch weiter. Er möchte, dass die Studenten tatsächlich die Struktur der Kunstsprache verstehen. Diese hat eine ausgefeilte Grammatik. „Klingonisch ist in etwa so komplex wie Arabisch. Die Satzstruktur ist ganz klar vorgegeben. Als Erstes steht immer das Objekt“, erläutert Buchberger, dessen klingonischer Name „SaghwI’“ ist.

Der Professor an der Medizinischen Universität in Wien liebt es, die Zuhörer mit einem martialischen „yIqIm“ zu erschrecken. Während sich die Studentin, die er derart angefahren hat, noch erholt, erfahren wir, dass das „Pass auf!“ heißt. Für Lehrer, die mit Pubertierenden zu tun haben, sicher eine nachahmenswerte Methode. Die Basis des Klingonischen hat der Professor auf einen DIN-A4-Zettel geschrieben. „Wenn Sie das fleißig üben, können sie sich ohne Weiteres mit einem Klingonen unterhalten“, verspricht er.

Interessant ist auch, dass es ein eigenes klingonisches Wort für Folter durch Frauen gibt: „be’joy’. Wer auf Klingonisch nicht nur stottern will, dem sei Hamlet auf Klingonisch ans Herz gelegt. Und wer im Theater in der ersten Reihe gesessen ist und sich über die feuchte Aussprache des Mimen empört hat, sei getröstet: Das ist eine trockene Angelegenheit im Vergleich zum Hamlet auf Klingonisch. „Die meisten meinen, Hamlet sei das Werk Shakespeares, des Überirdischen. Tatsächlich ist Hamlet das Werk der Klingonen, der Außerirdischen“, sagt Buchberger. Und für diese 90 Minuten sind alle gerne bereit, das zu glauben.

Buchberger unterrichtete Klingonisch an der Universität in Innsbruck. Sogar Weltliteratur gibt es in der Kunstsprache.
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