„Ich werde sterben“: Nachrichten aus dem Nachtclub in Orlando

Während der Schütze im „Pulse“ um sich schoss, nahm Eddie Justice aus dem Nachtclub per SMS Abschied von seiner Mutter.

In den USA und auf der ganzen Welt herrscht Trauer um die Opfer von Orlando.
© Reuters

Von Monika Schramm

Orlando – Eine Nachricht auf ihrem Smartphone weckte Mina Justice am Sonntag kurz nach zwei Uhr auf. „Mommy ich liebe dich“, schrieb ihr Sohn Eddie. „Im Club schießen sie.“ Der 30-Jährige befand sich im „Pulse“ – in dem Nachtclub in Orlando, in dem ein 29-Jähriger gerade wild um sich schoss. Eddie war in einer Toilette gefangen, als das Massaker begann.

„Ruf die Polizei!“, bat Eddie seine Mutter. Es begann ein panischer Austausch kurzer Nachrichten. Dann um 2.39 Uhr: „Er kommt. Ich werde sterben.“ Mina schrieb ihrem verzweifelten Sohn, die Polizei sei unterwegs. Ob der Schütze auch in dem Waschraum sei, wollte die beunruhigte Mutter wissen. „Er ist ein Terrorist“„ und „Ja“. Es war das letzte Wort, das seine Mutter von ihm hören sollte.

Der 30-Jährige war eines der ersten Todesopfer, die nach der Blutat identifiziert worden sind. Vor dem Krankenhaus zeigte die Mutter den SMS-Austausch wartenden Journalisten. „Jetzt ist er einfach nicht mehr da“, sagte sie, stützte sich weinend auf eine Freundin und ließ sich wegführen.

Die Stadt Orlando hat eine Webseite eingerichtet, auf der die Namen bekannt gegeben werden. Am Montagvormittag waren es 22 von den bisher 50 Todesopfern. Nach Angaben der Polizei am Montagnachmittag wurden 49 mittlerweile identifiziert. 43 der 53 Verletzten wurden zu diesem Zeitpunkt noch im Krankenhaus behandelt. Die Ärzte haben nach Angaben des Orlando Health Hospitals am Sonntag bis spät in die Nacht Operationen durchgeführt. Am Montag mussten noch sechs Patienten operiert werden.

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Prominente trauern um Opfer

Freunde und Familien erinnern auf Facebook, Twitter und in US-Medien an die Getöteten. Auch die britische Bestsellerautorin J. K. Rowling. „Luis Vielma arbeitete am ‚Harry Potter‘-Fahrgeschäft im Universal (Vergnüngungspark, Anm.)“, twitterte sie zu einem Foto des 22-Jährigen in Griffidor-Uniform. „Ich kann nicht aufhören zu weinen.“

J. K. Rowling trauerte auf Twitter um eines der Opfer.
© Screenshot Twitter

Viele andere Prominente zeigten in den sozialen Netzwerken ihre Trauer. „Es ist eine traumatische und emotionale Zeit für viele Menschen. Ich träume von einer Welt, die sich darüber Gedanken macht, wie wir diese Gewalt ändern können“, schrieb Lady Gaga. Ihr Kollege Justin Timberlake erklärte: „Ich versuche Musik zu machen, zu der Menschen hoffentlich Freude haben, tanzen, sich frei fühlen und lieben. Weil es nichts Reineres und Schöneres als diesen Akt gibt. Aber der Fakt, dass dies in der schlimmsten Massenerschießung der US-Geschichte resultierte, macht mich untröstlich... Ich hoffe, wir wachen irgendwann auf und realisieren, dass wir ALLE GLEICH sind. Nur Menschen. Eine Gattung. Die nur GELIEBT werden will.“

„Ich bin schwul, und ich habe keine Angst. Liebe erobert alle“, twitterte Latino-Star Ricky Martin.

IS bekannte sich zur Tat

Am Montag warteten noch viele Angehörige auf Nachricht in dem Hotel, das als Zentrale nahe dem Orlando Regional Medical Center eingerichtet wurde. FBI und Polizei sicherten weiter Spuren im Club und in der Wohnung des 29-Jährigen Attentäters. Omar Mateen hatte in der Nacht auf Sonntag mit zwei legal erworbenen Waffen das Feuer in dem beliebten Schwulenclub eröffnet. Nachdem er die ersten Schüsse abgegeben hatte, wählte er den Polizeinotruf 911. Er bekannte sich zum IS, sagte Polizeichef John Mina am Montagmorgen. Mateen habe vermutlich aus einer Toilette angerufen, in der er sich verschanzt hatte. Im Auto Mateens wurde außerdem eine dritte Waffe gefunden, die bisher nicht näher bezeichnet wurde.

Am Montag bekannte sich die IS zu dem Terrorakt im IS-Radiosender Al-Bayan. Ob der US-Bürger tatsächlich Verbindungen zur Terrormiliz hatte, versuchen die Behörden derzeit herauszufinden.

Ex-Frau beschreibt Attentäter als gewalttätig

Am Sonntagabend (Ortszeit) gab Mateens Ex-Frau ein Statement gegenüber Journalisten ab. Als ihre Eltern sie über die Tat informiert hätten, sei sie am Boden zerstört und geschockt gewesen. Sie leide mit den Angehörigen der Opfer. Über ihre Beziehung sagte Sitora Yusufiy, die mittlerweile im US-Bundesstaat Colorado lebt: „Am Anfang war er ganz normal, sorgte sich um seine Familie; er liebte es, Witze zu machen und sich zu amüsieren.“

Wenige Monate nach der Hochzeit 2009 habe sie seine Labilität gesehen. Er habe eine (nicht diagnostizierte, Anm.) bipolare Störung. „Er wurde aus dem Nichts wütend. Da begann ich mir um meine Sicherheit Sorgen zu machen.“ Er habe sie sehr oft misshandelt und geschlagen, den Kontakt zu ihrer Familie unterbunden. „Er hat mich als Geisel gehalten. Sogar damals habe ich versucht, das Gute in ihm zu sehen.“ Schließlich sei ihre Familie gekommen und habe sie vor ihm „gerettet“.


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