„Austro-Nobelpreis“ 2 - Jonas sieht Hirnforschung „erst am Anfang“

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Klosterneuburg (APA) - „Meiner Meinung nach steht die Hirnforschung erst am Anfang“. Dieser Ansicht war der Wittgenstein-Preisträger 2016, der Neurowissenschafter Peter Jonas, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. In den vergangenen zehn Jahren seien zwar viele Fragen geklärt worden, gleichzeitig sei aber auch die Anzahl neuer Fragen „explodiert“.

Obwohl seine Arbeit sehr grundlagenorientiert sei, ist es für den Professor am Institute of Science and Technologien (IST) Austria in Klosterneuburg und seine etwa 15-köpfige Forschungsgruppe ein „Fernziel“, auch Grundlagen für spätere therapeutische Anwendungen zu schaffen. Einiges von dem, woran Jonas jetzt forscht, könnte in Zukunft zu wichtigen Erkenntnissen über psychische Erkrankungen führen.

Den Wittgenstein-Preis bezeichnete Jonas als „große Auszeichnung für meine bisherige Arbeit und großen Kredit und Vorschuss auf die weiteren Aktivitäten, die wir in Österreich planen“. Im Gegensatz zum Leibniz-Preis oder den Förderungen des ERC werde dieser Preis in der Regel nur an eine Person vergeben - „und das ist beim Wittgenstein-Preis nicht nur ein quantitativer, sondern auch ein qualitativer Unterschied“, sagte der „sehr stolze“ Forscher der APA. Darüber hinaus will Jonas den Preis auch als Auszeichnung seines gesamten Fachgebietes verstanden wissen.

Mit der Förderung wird sich Jonas noch näher mit den Zusammenhängen zwischen dem Aufbau von Synapsen und deren Funktion auseinandersetzen. Um das zu untersuchen, möchte er eine Technik namens „Flash and Freeze“ am IST Austria etablieren. Hier werden Synapsen mittels Lichtimpulsen stimuliert und dann gezielt zu bestimmten Zeitpunkten eingefroren. Diese „Momentaufnahmen“ können die Wissenschafter dann unter dem Elektronenmikroskop analysieren - den Zellen also „in Action zuschauen“, wie es Jonas ausdrückte.

Besonders für die Neurowissenschaften gelte: „Technologie ist der Schlüssel.“ Neben der Aufklärung sehr basaler Funktionen von Nervenzellen sei es eine der großen Herausforderungen, herauszufinden, wie das Zusammenspiel der rund zehn Milliarden menschlichen Nervenzellen funktioniert. Und hier liege „der Teufel im Detail“, sagte Jonas. Bei der Analyse auf systematischer Ebene könnten Computersimulationen Fortschritte ermöglichen. Im Rahmen des EU-Flaggschiff-Projekts „Human Brain Project“ (HBP) versucht sich eine Forschergruppe deshalb an einer umfassenden Simulation des menschlichen Gehirns - unter ihnen auch Jonas.

Für die FWF-Interimspräsidentin Christine Mannhalter ist die Auszeichnung für den IST Austria-Forscher auch ein Hinweis darauf, dass sich das Institut in Klosterneuburg „extrem positiv entwickelt“. Das liege vor allem auch daran, dass es dort gelungen ist, Persönlichkeiten wie Jonas zu holen.

Für Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) ist der große Vorteil des Wittgenstein-Preises, dass damit einerseits genau solche herausragenden Forscher vor den Vorhang geholt werden und diese in Folge ihr Feld ohne inhaltliche Vorgaben kontinuierlich weiterentwickeln können. Gerade der Bereich der Lebenswissenschaften sei ein „besonderes Stärkefeld Österreichs“. Die Arbeit heimischer Wissenschafter auf diesem Gebiet werde nicht umsonst weit über die Grenzen hinaus wahrgenommen, so Mahrer, der für die „kommenden Monate“ die Präsentation einer „Österreichischen Life-Science-Strategie“ ankündigte.


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