Biomasselobby: Mehr Holz nützen, um Klima zu schützen

Wien (APA) - Der Biomasse-Verband hat sich mit dem Umweltdachverband und den Bundesforsten zusammengetan, um für eine stärkere Nutzung des W...

Wien (APA) - Der Biomasse-Verband hat sich mit dem Umweltdachverband und den Bundesforsten zusammengetan, um für eine stärkere Nutzung des Waldes zu, sprich mehr Holz verheizen, zu lobbyieren. In Österreich wachse genug Wald nach, sodass das auch naturverträglich möglich sei. Im Angesicht der Pariser Klimaziele sei es ein Gebot der Stunde, von Öl, Kohle und Co. wegzukommen.

Die Holzvorräte seien EU-weit auf Rekordniveau. In den vergangenen fünf Jahren sei der Waldbestand in Europa um 1,5 Mrd. Festmester angewachsen - und nur 60 Prozent des jährlich nutzbaren Zuwachses von mehr als 700 Mio. Festmeter würden verarbeitet, sagte Josef Plank, Präsident des Biomasse-Verbands, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. In Österreich sei die Situation ähnlich, wobei es große regionale Unterschiede gebe, manche Gebiete seien „extrem sensibel“.

Apropos sensibel: Den Segen für einen „naturverträglichen“ Ausbau der erneuerbaren Energien bekommt der Branchenverband von Naturschützer Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands. Solange der Holzvorrat in den heimischen Wäldern zunehme und klar sei, dass es weitere Waldschutzgebiete braucht, könne er eine „forcierte Holznutzung im naturverträglichen Ausmaß“ - so steht es in der kürzlich beschlossenen Waldstrategie 2020+ - mittragen.

Was den Waldschutz betrifft, ist Österreich aber säumig. Schon seit Jahren läuft gegen die Republik ein Vertragsverletzungsverfahren, weil hierzulande nicht genug Natura-2000-Gebiete nachnominiert hat. Das sind Gebiete oder Landschaften, in denen Tiere oder Pflanzen besonderen Schutz benötigen. Wälder machen etwa 40 Prozent der Natura-2000-Gebiete aus, sagte Maier zur APA. Warum da so lange schon nichts weitergeht? „Für die Nominierung sind die Bundesländer zuständig. Teilweise wehren sich die Waldeigentümer und die Bundesländer treiben das Thema mit zu wenig Nachdruck voran.“ In den kommenden Wochen werde vermutlich eine sogenannte begründete Stellungnahme der EU-Kommission eintreffen. Gerungen wird etwa um die illyrischen Buchenwälder in Kärnten. Natura-2000-Wälder dürfen nur mehr eingeschränkt genutzt werden.

Biomasse-Verbandspräsident Plank und Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager verwiesen auf die wirtschaftliche sowie die ökologische Bedeutung der Waldbewirtschaftung. „Damit passiert Wertschöpfung im ländlichen Raum, der unter Druck steht“, so Plank. „Der Wald, in den Sie Schwammerl suchen oder Mountainbiken gehen, ist kein Naturwald, sondern ein nachhaltig bewirtschafteter Wald.“

„In vielen Fällen ist die Nutzung von Biomasse auch ökologisch sinnvoll, da dem Wald kritisches Brutmaterial etwa für Waldschädlinge wie dem Borkenkäfer entzogen wird“, so Freidhager. Wenn das Holz rasch gehackt wird, verringere sich die Schadholzmenge um ein Vielfaches. Vom Klimawandel seien die heimischen Waldbesitzer besonders betroffen: Wenn es trockener wird, steigt die Waldgrenze; Käfer kommen in höhere Lagen, brüten früher und befallen mehr und mehr Bäume. In einzelnen Sturm-Jahren habe der Schadholzanteil rund 90 Prozent betragen.

Dieses Holz kann oft nicht mehr verarbeitet, sondern nur mehr energetisch genutzt, also verheizt oder verstromt werden. Vom eingeschlagenen Holz gehen grundsätzlich rund 80 Prozent in die sogenannte stoffliche Verwertung: als Sägerundholz für Bretter (da fallen dann wieder Sägespäne und Hackgut an) oder Industrieholz für die Platten- und Papierindustrie. Die restlichen 20 Prozent werden energetisch genutzt, der Großteil davon (80 Prozent) verheizt. Nur bei einem kleinen Teil besteht laut Biomasse-Verband aufgrund des Preises eine Konkurrenz zwischen Papier-/Plattenindustrie und Verheizung.

Zur Debatte „Tank versus Teller“ (sollen Pflanzen zu Energie oder Nahrungsmitteln verarbeitet werden?), die vor allem im Gefolge der Hungerkrisen 2012 über Biokraftstoffe emotional geführt wurde, meinte Plank: „Nur fünf Prozent des weltweiten Palmölverbrauchs gehen in die Energie, zwei Drittel gehen in Lebensmittel.“ Palmöl ersetze sukzessive pflanzliche und tierische Fette.


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