Lösung im Streit um Roboterbauer Kuka in Sicht

Berlin (APA/Reuters) - Im Ringen um die künftige chinesisch-deutsche Eigentümerstruktur des Roboterbauers Kuka zeichnet sich nach massivem W...

Berlin (APA/Reuters) - Im Ringen um die künftige chinesisch-deutsche Eigentümerstruktur des Roboterbauers Kuka zeichnet sich nach massivem Widerstand aus der Politik ein Kompromiss ab. Der Hausgeräte-Hersteller Midea will sich Koalitionskreisen zufolge mit einem Minderheitsanteil von 49 Prozent an dem Augsburger Unternehmen begnügen.

Die Chinesen seien dazu bereit, sich von Anteilen, die ihnen die Kuka-Aktionäre über diese Marke hinaus andienten, wieder zu trennen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen am Dienstag zu Reuters. In Finanzkreisen hieß es, Midea werde das 4,5 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot am Donnerstag offiziell vorlegen.

Darin würden sich die Chinesen aber nicht auf eine maximale Beteiligung an Kuka festlegen, sagten zwei Insider. Eine Midea-Sprecherin sagte nur, es hänge von den Kuka-Aktionären ab, auf welchen Anteil der Konzern am Ende komme. Rechtlich darf ein Übernahmeangebot in Deutschland nicht limitiert werden. Weder Kuka noch das Bundeswirtschaftsministerium wollten sich äußern.

Der Midea-Konzern, der Klimaanlagen, Kühlschränke und Waschmaschinen produziert, hatte das Übernahmeangebot für Kuka Mitte Mai angekündigt. Zugleich erklärten die bereits zuvor mit 13,5 Prozent beteiligten Chinesen, sie würden sich notfalls auch mit einem Anteil von 30 Prozent an Kuka begnügen. Die Offerte ist freilich so hoch, dass sie mit einer deutlich höheren Akzeptanz rechnen könnten. Wie Midea überzählige Aktien wieder loswerden könnte, blieb unklar. Würden sie umgehend wieder auf den Markt geworfen, verlöre die Kuka-Aktie an Wert. Ein Vorbild könnte der fränkische Autozulieferer Schaeffler sein, der einen Teil seiner Continental -Aktien auf Druck der Politik vorübergehend bei einem Bankenkonsortium geparkt und später bei großen Investoren platziert hatte.

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Mit einem Anteil von 49 Prozent hätte Midea formal nicht die Mehrheit an Kuka, könnte aber trotzdem den Ton angeben - zumal, wenn es keinen anderen dominierenden Aktionär gibt. Nur bei Entscheidungen von besonderer Tragweite wie Kapitalerhöhungen oder Satzungsänderungen ist auf Hauptversammlungen eine 75-Prozent-Mehrheit nötig. Wirtschaftlich macht es für Kuka und Midea kaum einen Unterschied, ob der Anteil bei mehr oder weniger als 50 Prozent liegt. Die Chinesen haben den Augsburgern Unabhängigkeit zugesichert. Ein Beherrschungsvertrag, der dem Eigentümer volles Durchgriffsrecht gibt, ist erst mit 75 Prozent möglich. Midea hatte erklärt, dies sei ohnehin nicht geplant.

In Berlin und Brüssel herrscht Sorge, dass technologisches Know-how nach China abfließen könnte. Deshalb hatte die Ankündigung von Midea Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf den Plan gerufen - doch sein Wunsch nach einem europäischen Alternativangebot blieb ungehört. Kandidaten wie Siemens oder Autokonzerne winkten ab. Kuka gilt als Vorzeigefirma für deutsche Robotertechnik und als eine der Schlüsselfirmen für die Modernisierung und Digitalisierung der heimischen Wirtschaft. Eingriffsmöglichkeiten hat die deutsche Politik aber kaum.

Midea und Kuka wurden vom Widerstand aus der Politik überrascht. Manager bemühen sich vor und hinter den Kulissen, die Wogen der Aufregung zu glätten. Die Übernahme sehen sie als rein wirtschaftliches Thema: Sie wollen gemeinsam mit Logistik- und Service-Robotern den Riesenmarkt China aufrollen. Kukas Großkunden aus der Pkw-Industrie wie Volkswagen, BMW oder Daimler produzieren und verkaufen selbst seit Jahren in China. Viele sehen kein Problem, wenn ein Lieferant chinesische Eigentümer hat, und auch kein Risiko des Ausverkaufs von Technologie. Nicht zuletzt schreckt der hohe Preis, den Midea zahlen will, andere Interessenten ab.

Die Chinesen bieten 115 Euro je Kuka-Aktie, 35 Prozent mehr als der Kurs vor ihrer Ankündigung. Am Dienstag schlossen Kuka mit 102,45 Euro mehr als drei Prozent im Minus. Unklar ist nach wie vor, wie die deutschen Kuka-Großaktionäre vorgehen. Der hessische Unternehmer Friedhelm Loh ist mit zehn Prozent beteiligt. Der schwäbische Industriekonzern Voith hält 25,1 Prozent an Kuka und damit eine Sperrminorität. Firmenchef Hubert Lienhard wollte nach eigenen Angaben erst das offizielle Angebot abwarten.


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