Berichte über Homosexualität von Orlando-Attentäter

Laut Ermittlerkreisen könnte Selbsthass ein Motiv gewesen sein. Die Ehefrau des Todesschützen wollte ihn angeblich abhalten.

Der Pulse-Nachtklub in Orlando
© Reuters

Orlando – Die US-Behörden gehen Ermittlerkreisen zufolge Berichten nach, denen zufolge der Attentäter in dem Schwulen-Club in Orlando selbst homosexuell gewesen sein soll. Selbsthass könne ein Faktor bei der Suche nach dem Motiv des Täters sein, sagte einer der Ermittler am Dienstag.

Möglicherweise habe der 29-jährige Omar Mateen durch die Tat zum Märtyrer werden wollen, um Absolution für die nach seiner Ansicht große Sünde zu erhalten. In Medienberichten wurden Besucher des Clubs zitiert, die Mateen dort bereits vor dem Anschlag gesehen haben wollen. Clubmitarbeiter wiederum bestritten diese Darstellung.

Überlebender: Er brachte systematisch Leute um

Der Attentäter, ein US-Bürger mit afghanischem Migrationshintergrund, hatte am Sonntag in dem Club 49 Menschen getötet und war anschließend von Sicherheitskräften erschossen worden. Die Islamistenmiliz IS bekannte sich zu dem Angriff. Nach Polizeiangaben gelobte Mateen dem Anführer der Extremistenorganisation die Treue.

In dramatischen Worten hat ein Überlebender der Terrornacht von Orlando die Szenen in dem Nachtclub „Pulse“ geschildert, wo bei dem Angriff eines Attentäters 49 Menschen starben. Der Mann sei systematisch von einem Raum zum anderen gegangen, um seine Opfer eines nach dem anderen zu erschießen, sagte Angel Colon, der in einem Krankenhaus in der US-Stadt an Schusswunden behandelt wird.

Der Attentäter von Orlando, Omar Mateen wurde angeblich öfters im "pulse-club" gesehen worden sein.

Ihm selbst sei unter anderem drei Mal ins Bein geschossen worden, sagte Colon, in einem Rollstuhl sitzend. Beim Versuch zu flüchten, sei er gestürzt. Im Gewühl seien andere Nachtclubbesucher auf ihn getreten und hätten ihm weitere Knochenbrüche am linken Bein zugefügt. „Ich konnte nichts tun als daliegen und zuschauen, wie alle über mich hinweg liefen“, sagte er auf einer Pressekonferenz des Regional Medical Center am Dienstag.

Als der Angreifer kurz den Raum verließ, habe er geglaubt, in Sicherheit zu sein. Doch der Mann, den die Polizei inzwischen als den 29 Jahre alten Omar Mateen identifiziert hat, sei zurückgekommen und habe systematisch auf am Boden Liegende geschossen, offenbar um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich tot sind. „Herzlos und rücksichtslos“ sei der Mann vorgegangen, ein junges Mädchen neben ihm habe er einfach über den Haufen geschossen. „Ich dachte, ich bin der nächste, ich dachte, ich bin tot“, betonte er.

Der Attentäter habe in Richtung seines Kopfes geschossen, aber nur seine Hand und seine Hüfte getroffen. Schließlich habe ihn ein Polizist am Arm aus dem Gewühl gezogen und ihn in Sicherheit gebracht. „Ich spüre noch immer all das Blut auf meinem Körper“, sagte Colon.

Den Strafverfolgungsbehörden zufolge gibt es jedoch bisher keine Beweise dafür, dass Mateen von Gruppen wie dem IS Instruktionen erhalten habe. Der Vater des Attentäters hatte unmittelbar nach dem Anschlag angedeutet, sein Sohn habe stark schwulenfeindliche Ansichten vertreten.

Ehefrau des Todesschützen muss mit Anklage rechen

Die Frau des Todesschützen von Orlando wollte ihren Mann nach Informationen des US-Senders NBC angeblich von seiner Tat abhalten. Das habe sie dem FBI gesagt, berichtete der Sender am Dienstag ohne nähere Angaben von Quellen. Sie sei bei ihm gewesen, als Omar Mateen Munition und ein Holster gekauft habe.

Weiterhin habe die Frau angegeben, ihren Mann einmal zu dem Club gefahren zu haben, der am Sonntag Ziel des Terroranschlags wurde, bei dem Mateen mindestens 49 Menschen erschoss. Ihr Mann habe das „Pulse“ auskundschaften wollen, habe sie gesagt.

NBC berichtete unter Berufung auf Justizkreise, Noor Mateen müsse mit einer Anklage rechnen, weil sie die Behörden nicht informiert habe. Mateen war zwei Mal verheiratet. Mit seiner Frau Noor hatte er einen dreijährigen Sohn. (APA, Reuters)


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