Nach Polizistenmord: Premier warnt vor neuen Anschlägen

Valls weist Vorwürfe gegen Sicherheitsbehörden zurück. „Wir müssen die Arbeit fortsetzten, wir müssen die Maschen des Netzes enger ziehen, wird müssen der Polizei, der Gendarmerie und den Geheimdiensten weiterhin alle Mittel geben“, sagte Frankreichs Premier.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls.
© APA/AFP/THIERRY ZOCCOLAN

Paris – Nach dem Anschlag auf eine Polizistenfamilie in Frankreich hat Premierminister Manuel Valls Vorwürfe gegen die Sicherheitsbehörden zurückgewiesen und vor möglichen neuen Attacken gewarnt. Es habe vor der Tat mit Blick auf den vorbestraften Täter keine „Nachlässigkeit“ gegeben, sagte Valls am Mittwoch im Sender France Inter.

Zugleich räumte er ein, ein Anschlag sei immer auch ein „Misserfolg“ für die Geheimdienste. Der Islamist Larossi Abballa hatte am Montagabend im Pariser Vorort Magnanville einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin mit Messerstichen getötet. Dabei bekannte er sich zur Jihadistenmiliz IS (Daesh). Der 25-Jährige war bereits 2013 wegen Jihadistischer Aktivitäten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden und geriet dann Anfang des heurigen Jahres im Zusammenhang mit einer Jihadistengruppe mit Verbindungen nach Syrien erneut ins Visier der Behörden.

„Maschen des Netzes enger ziehen“

Dies warf die Frage auf, ob die Sicherheitsdienste die Gefährlichkeit des Mannes unterschätzt hatten. Der Pariser Staatsanwalt Francois Molins sagte aber bereits am Dienstag, abgehörte Telefonate hätten keinen Hinweis geboten, dass Abballa habe zur Tat schreiten wollen.

„Wir müssen die Arbeit fortsetzten, wir müssen die Maschen des Netzes enger ziehen, wird müssen der Polizei, der Gendarmerie und den Geheimdiensten weiterhin alle Mittel geben“, sagte Valls auf France Inter. „Aber wir werden neue Anschläge erleben.“ Die IS-Miliz sei in Syrien und im Irak auf dem Rückzug, deswegen attackiere sie westliche Länder.

Schweigeminute im Innenministerium

„Weitere Unschuldige werden ihr Leben verlieren“, sagte der sozialistische Politiker. „Das ist leider die Wahrheit.“ Forderungen aus den Reihen der konservativen Opposition nach Internierungslagern für radikalisierte Islamisten wies Valls erneut zurück.

Mit einer Schweigeminute im Innenministerium ist zu Mittag der beiden Opfer gedacht worden. An dem Gedenken nahmen neben Staatschef Francois Hollande, Premierminister Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve auch Cazeneuves deutscher Amtskollege Thomas de Maiziere teil. Nach der Schweigeminute im Hof des Ministeriums wurde die französische Nationalhymne gespielt. Auch die Polizeikommissariate des Landes beteiligten sich an dem Gedenken.

(APA/AFP)


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