Graureiher siedeln sich auch an der Isel an

Seit ein Brutpaar in Virgen gesichtet wurde, sind Isel-Filmer auf der Jagd nach einer Aufnahme. Vogelschützer verurteilt Abschüsse.

Im Juli 2010 konnte Daniel Egger dieses Graureiherpaar beim Brüten fotografieren.
© Daniel Egger/Tauernphotos

Von Catharina Oblasser

Virgen –„Es ist zwar nun schon etwas her, aber selbst den Graureihern gefällt es an der Isel so gut, dass sie sich im alpinen Gelände im Virgental entschlossen haben zu brüten“, berichten die Vertreter des Projekts „Die Isel – der Gletscherfluss Tirols“ auf ihrer Facebook-Seite. Einer von ihnen, Daniel Egger, hat das Brutpaar zwischen Virgen und Matrei i. O. 2010 über einige Wochen beobachten und fotografieren können. „Schließlich sind die Jungvögel ausgeflogen“, erzählt Egger der TT.

Egger und die anderen Mitglieder von „Die Isel“, Christian Riepler und Thomas Zimmermann arbeiten seit vielen Monaten daran, die Naturschönheiten der Isel auf Film und Foto zu bannen und sie damit möglichst vielen Menschen bewusst zu machen. Im Sommer soll ein 30-minütiger Film darüber gezeigt werden. Dazu gehört auch die Tierwelt. Immer wieder könne man seit einigen Jahren Graureiher entlang der Isel beobachten, berichten die drei.

Beim Filmen dieser Vögel „fuchst“ es die Männer allerdings, wie Filmer Christia­n Riepler berichtet. „Ich bin schon lange auf der Suche und höre immer wieder von Kajakfahrern oder Wanderern, dass die Vögel gesehen wurden, zum Beispiel in Kals, wo es ein Paar geben soll, oder in Bichl in Matrei. Auch in Ainet habe ich mich schon auf die Suche gemacht.“ Glück hatte er noch nicht. Von anderen Iselbewohnern wie Flussuferläufern oder Bachstelzen gibt es schon Filmmaterial, doch der Graureiher hält sich noch weitgehend im Verborgenen. Nun hofft Riepler auf weitere Hinweise von Beobachtern, die ihm weiterhelfen können.

An der Drau ist der Graureiher ein oft gesehener Gast, weiß Bezirksjägermeister Martin König. „Er ist am Tassenbacher Speicherteich oder in den Nikolsdorfer Auen recht verbreitet.“ Zu erkennen sei der Vogel, der eine Flügelspannweite von bis zu 150 Zentimetern hat, am behäbigen Flug und dem eingezogenen Hals beim Fliegen.

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Ungeschoren bleibt der Graureiher in Osttirol nicht, obwohl er unter Naturschutz steht. Mit einer Sondergenehmigung der Bezirkshauptmannschaft darf er nach der Brutzeit bejagt werden. Darauf sind in der Regel Angler aus, die um ihren Fischbestand fürchten. Im Jagdjahr 2015/16 erging fünfmal eine solche Genehmigung für den Abschuss eines Graureihers, einmal für einen Kormoran, berichtet Bezirkshauptfrau Olga Reisner.

Dagegen protestiert der erfahrene Vogelexperte Dieter Moritz aus Lienz aufs Schärfste. Er habe sich schon mehrmals dagegen ausgesprochen. „Die Angler sehen den Graureiher als Konkurrenz, weil er Fische frisst. Dabei sind die Fische in der Isel keineswegs Eigentum der Fischer, sondern gehören uns allen.“ Dass die Behörde erlaube, bestimmte Vögel zu töten, kann Moritz nicht nachvollziehen. „Nach meinem Verständnis muss erst ein Schaden nachweisbar sein, bevor man zu solchen Maßnahmen greifen darf“, wird der Vogelschützer deutlich.


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