Liebesbriefe von und für die Insel

Nirgends ist die Ablehnung eines EU-Austritts so groß wie unter Kulturschaffenden. Eine Reihe von Kampagnen wurde gestartet.

Kunst- und Kulturschaffende setzten sich für Großbritanniens Verbleib in der EU ein.
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London, Wien –Mit einem Satz hatte Winston Churchill einst das große Misstrauen der britischen Inselbewohner gegen die Festlandeuropäer auf den Punkt gebracht: „Wenn Großbritannien sich zwischen Europa und dem offenen Meer entscheiden müsste, würde es immer das offene Meer wählen.“ So gespalten die britische Bevölkerung derzeit ist, so einhellig ist die Meinung unter Kulturschaffenden: Sie wollen den Austritt aus der EU unbedingt verhindern, wie Dokumentarfilmer Don Kent in „Goodbye Britain“, (Arte, 23. Juni, 9.25 Uhr) zeigt.

Bereits im Mai haben sich 282 Stars aus der britischen Film-, Kunst und Musikszen­e für den Verbleib in der EU starkgemacht. Die Insel sei nicht nur „stärker in Europa“, sie bleibe auch „einfallsreicher und kreativer“, wenn der Brexit abgewendet werde, heißt es in dem offenen Brief, den unter anderem Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Regisseur Danny Boyle oder Modeschöpferin Vivienne Westwood unterschrieben haben. Unter Verweis auf David Bowie und William Shakespeare stellen die Briefschreiber fest, dass die Kreativität von der Insel „den Rest der Welt inspiriert und beeinflusst hat“, als Mitglied der EU werde die britische Führungsrolle gestärkt. Vor allem was die Popmusik anbelangt, ist den Briten diese Führungsrolle nicht abzusprechen. Gruff Rhys, Songwriter aus Wales, der mit der Band Super Furry Animal­s bekannt wurde, hat eine musikalische Liebes­erklärung an die EU verfasst. „I love EU“ heißt die zart­e Elektroballade, die auf dem Radiosender FM4 gelegentlich zu hören ist. Auch der britische FM4-Moderator Chris Cummins würde den Ausstieg seiner Heimat aus der EU „traurig“ finden. „Die Kunstszene floriert eindeutig unter dem Einfluss von interkultureller Befruchtung“, ist Cummins überzeugt. FM4-Kollege Robert Rotifer ist ebenfalls ein Gegner des Austritt­s. Er lebt seit vielen Jahren in England, da eine Kampagne für ein eigenes Wahlrecht beim Referendum „wenig Chancen auf Erfolg“ gehabt hätte, hat er gemeinsam mit seinem französischem Kollegen Phillipp­e Auclair und dem griechischen Comicautor Apostolos Doxiadi­s einen „Liebes­brief“ an Großbritannien verfasst. Dieser Brief aus Europa an Großbritannien hab­e „erstaunlich“ viel Zuspruch erhalten: Der spanische Regisseur Pedro Almodovar, André Heller oder Elfriede Jelinek haben ihre Unterschrift unter das Schreiben gesetzt.

Auch Turner-Preisträger Wolfgang Tillmans hat eine Kampagne gegen den EU-Austritt entworfen. Der Künstler, der in Berlin und London lebt, wendet sich mit seinen Plakaten gegen den „Horror“ eines Rechtsrucks in Europa und die EU-Feindlichkeit in Groß­britannien. (TT, APA)

Wolfgang Tillmans, einer der gefragtesten Künstler seiner Generation, wirbt mit Plakaten um Stimmen für den EU-Verbleib.
© tillmans.co.uk

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