Frauenchefin Yildirim fordert kein Mandat

Selma Yildirim bezeichnet die SPÖ-Frauenpolitik als zeitgemäß und sieht die Frauenorganisation nicht unbedingt im Landtag.

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Was ist in den letzten zwei Jahren den SP-Frauen unter Ihrem Vorsitz gelungen?

Selma Yildirim: Wir hatten es geschafft, dass wir in allen Bezirken funktionierende Frauenorganisationen hatten. Darauf war ich stolz, jetzt muss ich feststellen, dass sich manche zurückziehen. Das hat zum Teil sehr persönliche Gründe. Es ist aber auch ein Scheitern an Strukturen, die jahrelang männlich besetzt sind. Die Frauen haben hohe Erwartungshaltungen, in der Kommunalpolitik zum Beispiel, die dann nicht erfüllt werden.

Fühlen sich zu wenige Frauen von der SPÖ-Frauenpolitik angesprochen?

Yildirim: Das glaube ich nicht. Wir werden als frauenpolitisch engagierte Bewegung wahrgenommen. Das ermutigt Frauen, sich bei uns zu melden. Aber ich stehe nicht an zu sagen, dass wir teilweise mit unseren Anliegen nicht durchdringen. Wenn wir auf Erwerbstätigkeit von Frauen drängen, dann tun wir das nicht, um sie unter Druck zu setzen, sondern um sie vor den Folgen wie Altersarmut oder wirtschaftliche Abhängigkeit zu schützen.

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Die SPÖ tut so, als ob alle Frauen Vollzeit arbeiten gehen wollten, man sie aber nicht ließe.

Yildirim: Ich glaube schon, dass die allermeisten Frauen arbeiten wollen. Es braucht einfach eine wirkliche Wahlfreiheit und dafür das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Barcelona-Ziele sehen eine Betreuungsquote der unter Dreijährigen von 33 Prozent vor. Das ist für mich das unterste Level.

Ist es noch zeitgemäß, den Grund für das Hinterherhinken von Frauen bei den Männern zu suchen?

Yildirim: Nicht bei den Männern, aber beim Gesellschaftssystem. Das Rollenverständnis besonders in Tirol hinkt der heutigen Zeit hinterher. Wir haben viele Frauen, die unabhängig leben und durchstarten wollen.

Wie erklären Sie einem Gewerkschafter, der Kollektivverträge verhandelt, den Equal Pay Day?

Yildirim: Branchen, die weiblich dominiert sind, sind schlecht bezahlt. Frauen, die ganzjährig Vollzeit arbeiten, verdienen bis zu einem Viertel weniger als Männer. Die Bewertung von Arbeit gehört neu gedacht und bewertet. Wir sehen zum Beispiel, dass jemand im Pflegebereich härtere Arbeit leisten muss als heutzutage ein Metaller.

Stellen Sie als Frauenvorsitzende einen Anspruch auf ein Mandat im Landtag?

Yildirim: Ich habe mich über 15 Jahre in der SPÖ aus Leidenschaft engagiert. Für mich stand das noch nie im Zentrum. Wir wollen, dass auf allen Ebenen mehr Frauen zum Zug kommen.

Das Gespräch führte Anita Heubacher


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