Harnoncourts Abschied und Sommernächte in Schönbrunn - Klassiknews
Wien (APA) - *...
Wien (APA) - *
Harnoncourts Abschied (Sony): Im Sommer 2015 dirigierte Nikolaus Harnoncourt bei den Salzburger Festspielen und der styriarte Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ - die letzten Konzerte des Meisters am Pult, wie man heute weiß. Noch im selben Jahr zog sich der Weihepriester des Originalklangs vom Podium zurück, im März kam dann die Todesnachricht. Insofern eignet sich wohl kaum etwas besser als Abschiedsaufnahme des Dirigenten, als der bei den Proben und Konzerten im Grazer Stephaniensaal entstandene Mitschnitt von Beethovens Spätwerk, natürlich mit Harnoncourts Stammensemble, dem Concentus Musicus, und den Solisten Laura Aikin, Bernarda Fink, Johannes Chum und Ruben Drole. Die CD, auf der sich Harnoncourt, vom Betrachter abgewandt, entfernt, dokumentiert den Abschluss eines Weges der Auseinandersetzung, die für den mit 86 Jahren verstorbenen Künstlers vor Jahrzehnten begonnen hatte und in der erstmaligen Verwendung von alten Instrumenten für die „Missa Solemnis“ gipfelte.
***
Brahms ungewohnt (Deutsche Grammophon): Beim Verbier Festival kamen 2003 Künstler wie Yefim Bronfman und James Levine am Klavier sowie die unvergleichliche Mezzosopranistin Magdalena Kozena oder Ausnahmebariton Thomas Quasthoff zusammen, um sich Johannes Brahms und seinem Liedgut zu widmen. Hoch in den Schweizer Alpen interpretierten die Musiker 47 Lieder des Hamburger Komponisten, im Zentrum seine Zyklen Liebeslieder-Walzer und die fünf Jahre später entstandenen Neuen Liebeslieder-Walzer. Dieser Grundstock für den Ruhm des Tonsetzers, für den Brahms Volksmusik und Kunstlied verwob, liegt nun bei der Deutschen Grammophon als Liveaufnahme des Abends vor, bei dem die Freude der unterschiedlichen Interpreten förmlich aus der CD springt.
***
Queen symphonisch (Deutsche Grammophon): Die theatralen Kompositionen und oft opernhaften Inszenierungen der britischen Rockband Queen bieten reichlich Angriffsfläche für klassisch-orchestrale Reverenz. Das Londoner Royal Philharmonic Orchestra, das immer wieder gerne dem Seitensprung Richtung U-Musik frönt, hat sich - nach 1982 bereits zum zweiten Mal - des Oeuvres von Freddie Mercury & Co angenommen. „Symphonic Queen“ führt durch die schier unendlichen Weiten des Queen-Hitkatalogs und wagt sich auch an schwieriger umzuarbeitende Songs wie das doch eher dünn instrumentierte „We Will Rock You“, das zum signifikanten Finale gleich dem Original der E-Gitarre den Vortritt lässt oder den Rock-Kracher „Tie Your Mother Down“ inklusive des selten verwendeten Intros der Albumversion. Meisterstück einer solchen orchestralen Hommage muss aber das vielfach gecoverte „Bohemian Rhapsody“ sein, dessen Opernteil die an sich klassischen Musiker wieder zu ihres Schusters Leisten zurückbegleitet. Dirigiert wurde dieses 19 Titel umfassende Best-Of britischer Rockkultur von Matthew Freeman.
***
Sommernachtskonzert 2016 (Sony): Wie stets in Rekordzeit ist das traditionelle Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker vom Schönbrunner Schlossgarten auf CD gebannt worden. Das rein französische Programm mit Werken von Georges Bizet, Hector Berlioz, Francis Poulenc und Co kommt im farbenfrohen Design und ebensolcher Interpretation unter Semjon Bytschkow sowie den Pianoschwestern Katia und Marielle Labeque daher. Und ganz frankophil war ja auch das Event des heurigen Jahres nicht - blieb das „Wiener Blut“ von Johann Strauß als Zugabe doch nicht aus und fand auch seinen Weg auf die Platte.
***
Schlaflose Maria Radutu (Decca): Die österreichisch-rumänische Pianistin Maria Radutu hat zwar selbst keine Schlafprobleme, aber ein Herz für die Betroffenen. Unter dem Titel „Insomnia“ legt sie ein Konzeptalbum vor, das nachtaffine Musiken umkreist. Dass dabei auch Aufgepeitschtes von Arvo Pärt oder Jazziges von Christoph Cech zu Wort kommt, spricht dafür, dass nicht Entspannungsmusik, die zum Schlafen einlädt, sondern eine besondere Stimmung gesucht wird. Begleitet wird Radutu, Jahrgang 1984 und doch schon mit internationaler Erfahrung, auf ihrer nächtlichen Reise von Gästen wie dem Bariton Klemens Sander oder dem Saxofonisten Clemens Salesny.