Formel 1: Rosberg wieder obenauf - Und jetzt kommt Spielberg
Baku (APA) - Mit einer fehlerfreien Leistung hat sich Nico Rosberg in der Formel-1-WM wieder etwas Luft verschaffen. Nach der souveränen Sol...
Baku (APA) - Mit einer fehlerfreien Leistung hat sich Nico Rosberg in der Formel-1-WM wieder etwas Luft verschaffen. Nach der souveränen Solofahrt zum Sieg bei der Grand-Prix-Premiere in Baku hat der deutsche WM-Leader wieder 24 Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Lewis Hamilton. Und jetzt kommt Spielberg. Ein Rennen, das Rosberg in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hat.
Seit die Formel 1 vor zwei Jahren von Dietrich Mateschitz wieder nach Österreich zurückgeholt wurde, hat nur Rosberg auf dem Red Bull Ring gewonnen. Jeweils vor Hamilton sowie einem Williams. Zudem zeigte sein Hauptrivale in Aserbaidschan richtig Nerven.
„Es war ein super Wochenende, und ich fahre mit einem ganz tollen Gefühl zum nächsten Rennen nach Österreich“, erklärte der strahlende Sieger. „Mein Auto lief wie auf Schienen. Ich konnte machen, was ich wollte, es funktionierte.“ Rosberg konnte zum zweiten Mal in seiner Karriere einen sogenannten „Grand Slam“ bejubeln: Der Mercedes-Pilot sicherte sich neben Platz eins im Rennen auch die schnellste Runde, startete von der Pole Position und führte jede Runde an. Damit zog er in dieser Rubrik mit Hamilton gleich.
Nur eine Woche davor hatte Rosberg in Montreal bei einem neuerliche Star-Gerangel mit Hamilton eher den tragischen Helden gegeben. Nach drei verpatzten Rennen und zwei Siegen von Hamilton, mit denen der Brite auf neun Punkte herangekommen war, ist der Deutsche nach acht von 21 Rennen im Kampf um seinen ersten WM-Titel aber wieder obenauf. 24 Punkte beträgt sein Vorsprung in der WM-Wertung.
Hamilton hingegen zeigte vor allem in der Qualifikation Unkonzentriertheiten. Der Engländer, der nach eigenen Angaben die neue Strecke kaum im Simulator geübt hatte und auch nicht zu Fuß abgegangen war, verlor das Rennen eigentlich schon mit seinem Crash im Qualifying.
Von Platz zehn aus bremste er seine Aufholjagd dann durch seine 15 Runden währende Sucherei nach dem richtigen Motor-Setup selbst und wurde trotz seines schnellen Silberpfeils nur Fünfter. „Alles, was sie mir sagen konnten, war, dass ein Schalter falsch gesetzt war, also habe ich mir jeden einzelnen Schalter angeschaut und mir gedacht: ‚Bin ich der Idiot hier? Habe ich etwas falsch gemacht“, sagte der Brite.
Hamilton sei mit der Hoffnung auf einen Hattrick nach Baku gekommen, schrieb die britische „Times“. Doch als er die Stadt verließ, „wunderte er sich, wer Herr seines Autos war - er oder die Milliarden von Algorithmen, die durch das Computer-Gehirn pulsieren, das seinen stets siegreichen Mercedes antreibt.“ „Die vielen Knöpfe am Steuerrad seines Rennwagens werden für Lewis Hamilton zu einem Alptraum“, formulierte „Marca“.
Für Ferrari und Red Bull ging die erhoffte Aufholjagd ebenfalls nur bedingt weiter. Zu sehr war der neue Stadtkurs am Kaspischen Meer mit seiner extralangen Geraden auf die von Mercedes-Motoren befeuerten Autos zugeschnitten. Das erklärt auch Platz drei für Sergio Perez im Force India oder die 378 km/h für Valtteri Bottas im Williams-Mercedes.
Sebastian Vettel schaffte im Ferrari wie schon in Montreal Platz zwei, Teamkollege Kimi Räikkönen wurde Vierter. Der Rückstand auf den Mercedes von Rosberg war aber ernüchternd. „Uns hat Geschwindigkeit gefehlt. Das Auto hat sich nicht schlecht angefühlt, aber es war einfach nicht schnell genug“, resümierte der Deutsche. „Das Maximum ist ein zweiter Platz hinter Mercedes“, fasste die Zeitung „Tuttosport“ lapidar zusammen.
Für Red Bull ging die Spielberg-Generalprobe komplett daneben. Nach unerwarteten Reifenproblemen blieben nur die Plätze sieben und acht für Daniel Ricciardo und Max Verstappen, bei Toro Rosso beklagte man gar einen Doppelausfall. „Es war eine schlechte Generalprobe“, hofft Berater Helmut Marko auf eine bessere Aufführung am 3. Juli auf der Heim-Bühne.
Doch dort werden auch Force India und Williams ein Wörtchen mitreden. Perez wurde dank Mercedes-Power zum zweiten Mal nach Monaco Dritter, die Williams sind in Spielberg traditionell sehr stark.
Die größte Überraschung in Baku war, dass das Rennen auf dem engen und dennoch superschnellen Kurs ohne Unfall über die Bühne ging. Das lag einerseits an der bemerkenswerten Disziplin der Piloten. Wohl aber auch daran, dass Rosberg und Hamilton diesmal nicht gemeinsam in der ersten Reihe standen.