Oststeirischer Garnhersteller Borckenstein: Sanierungsplan akzeptiert
Graz (APA) - Der oststeirische Garnhersteller Borckenstein GmbH hat am Montag einen wichtigen Schritt zum Fortbestand gesetzt: Die Gläubiger...
Graz (APA) - Der oststeirische Garnhersteller Borckenstein GmbH hat am Montag einen wichtigen Schritt zum Fortbestand gesetzt: Die Gläubiger akzeptierten einstimmig den Sanierungsplan. Dieser sieht eine 20-prozentige Quote vor, wie die AKV, Creditreform und KSV mitteilten. Allerdings gehen damit Einschränkungen einher: Die Produktpalette wurde gekürzt, das Personal von 286 Beschäftigten auf 152 reduziert.
Das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung war am 10. Februar über die im oststeirischen Neudau (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) ansässige Traditionsfirma eröffnet worden. Durch die Nähe zum Burgenland waren auch viele dortige Arbeitnehmer, darunter zahlreiche Frauen betroffen. Laut AKV wurden zahlreiche Personalleasingverträge beendet. Die Fertigung beschränkt sich künftig auf einige Spezialprodukte im Bereich Garn und Zwirn.
Eine Schließung des Werks hätte nicht nur eine deutliche Schwächung einer ohnehin nicht mit großen Betrieben gesegneten Region bedeutet, auch die Gläubiger hätten kaum einen Cent gesehen. Laut AKV hatte die italienische Mutterfirma finanzielle Unterstützung geleistet: Auch eine über das Insolvenzverfahren hinausreichende Betriebsmittelfinanzierung habe zum Erfolg beigetragen, wobei auch die Unterstützung durch den Hauptlieferanten Lenzing AG hervorzuheben sei.
In Verhandlungen mit den Hausbanken wurden die Sicherheiten neu bewertet. Bei den mit Maschinen und Liegenschaften besicherten Forderungen hat man Rückzahlungserleichterungen gewährt. Unbesicherte Teile von Kreditforderungen wurden vorerst rückgestellt.
Damit konnten die dringend zu bedienenden Verbindlichkeiten um zwei Drittel von 34,1 auf rund 11,38 Mio. Euro reduziert werden. Der Sanierungsplan werde allerdings in erster Linie zu erwirtschaften sein, so der AKV: Nur rund 3 Prozent der 20-prozentigen Sanierungsplanquote wird sofort als Barquote bezahlt. Weitere 3 Prozent müssen binnen 3 Monaten, weitere 5 Prozent binnen 12 Monaten fließen. Die letzten 9 Prozent sind binnen 24 Monaten fällig.
Das Unternehmen war 1789 als erste mechanische Spinnerei Österreichs gegründet worden. Aufgrund der zuletzt schwierigen Lage am Textilmarkt wurde die italienische Fil Man Made Group als Borckenstein-Miteigentümer an Bord geholt. Seit Juni 2015 ist der Garnhersteller eine 100-prozentige Tochter der italienischen Muttergesellschaft, die sich auf den Brandschutz von Textilien spezialisiert hat.