Horst Pirker sorgt für den nächsten Knalleffekt
Wien (APA) - Dass er es ernst meint mit der News-Gruppe, daran hat Horst Pirker nie einen Zweifel gelassen, seit er die Führung des Konzerns...
Wien (APA) - Dass er es ernst meint mit der News-Gruppe, daran hat Horst Pirker nie einen Zweifel gelassen, seit er die Führung des Konzerns übernommen hat. Wie ernst, das weiß man seit diesem Montag: Der langjährige Medienmanager übernimmt die Mehrheit und somit die Rolle des Verlegers. Die heimische Medienbranche prägt der heute 56-Jährige seit bald 30 Jahren - mit nur kurzen Unterbrechungen.
Zuletzt hatte Pirker 2014 für einen Knalleffekt in gesorgt: Er übernahm als Geschäftsführer die Verlagsgruppe News. Die Kennzahlen sprachen nicht für die Produkte - Pirker dagegen schon. Er wolle den Magazinriesen wieder auf Kurs bringen und sehe auch eine Chance dafür. Scheitere das Unterfangen, übernehme er auch die volle Verantwortung dafür, betonte er mehr als einmal.
Zimperlich ging er beim Aufräumen auf den vielen „Baustellen“ (Pirker) am Donaukanal freilich nicht immer vor. Viele Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, die Flaggschiff-Titel, allen voran „News“, wurden deutlichen Faceliftings unterzogen. Das „Format“ wurde dem „Trend“ einverleibt. Zuletzt sorgte ein „Health Check“ eines Consulters im Unternehmen für Unruhe - so, wie Gerüchte über eine Beteiligungsänderung, was vom CEO noch Anfang Juni als „Ente“ abgetan wurde.
Nun tritt Pirker als neuer Mehrheitseigentümer an, und das mit gewohnt prägnanten Worten: „Es ist nicht schwer, an die Zukunft der Medien zu glauben; es ist schwieriger, an die Zukunft der klassischen Medien zu glauben.“ Er will das tun, aber ganz „demütig“ - auch das eine typische Pirker-Haltung. Schließlich kommt er aus dem katholisch-intellektuellen Milieu und arbeitete zugleich Jahrzehnte lang beharrlich und erfolgreich daran, die Styria-Gruppe, in der er groß wurde, als unabhängig von der katholischen Kirche zu positionieren.
Pirker gilt als geradlinig bis streitbar und weiß selbst darum: „Ich bin nicht der integrative Typ, ich polarisiere wohl eher“, meinte er einmal. Deswegen klang es auch nicht wie eine übliche Floskel, als seine Trennung von der Styria im Jahr 2010 mit „unterschiedlichen strategischen Auffassungen“ begründet wurde. Pirker ist aber auch als Analytiker mit klaren Vorstellungen und dem Willen, diese durchzusetzen, bekannt. Wenn er - wie am Montag - sagt, „dass ich ‚News‘ nicht einstellen möchte“, wird man ihm das wohl zumindest eine Zeit lang glauben.
Vieles von dem, was heute als Pflichtprogramm der Medienmacher gilt - multimediales Denken, Content first-Strategien oder Plattform-Visionen - hat Pirker bereits in den Nuller-Jahren, als so mancher noch das Platzen der „Internet-Blase“ betrauerte, vorgedacht. Früh machte er aus der Styria eine „Content-Company“. Und wertebewusst, wie er einmal ist, geht es ihm bei all diesen strategischen Überlegungen eben stets um die „klassischen“ Medien.
Der promovierte Jurist (geboren am 3. Dezember 1959) studierte in Graz Rechtswissenschaften und BWL und startete 1984 als Assistent der Verlagsleitung bei der „Kleinen Zeitung“ in Klagenfurt, wo er zwei Jahre später zum Verlagsleiter aufstieg. Den bleibendsten Eindruck hinterließ der Medienmanager wohl als Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group, als der er ab 1999 fungierte. In den folgenden Jahren legte Pirker bei der Weiterentwicklung des Unternehmens ein beachtliches Tempo vor und baute den Verlag um. Sehr früh setzte der gebürtige Kärntner dabei auf ein breit gefächertes Medienangebot, das weit über das reine Printgeschäft hinaus reichen sollte. Die Styria expandierte und akquirierte unter seiner Regie im In- und Ausland.
2010 verließ er den steirischen Verlag und ging bald darauf an die Spitze von Dietrich Mateschitz‘ Red Bull Media House. Diese Arbeitsbeziehung sollte aber nur gut ein dreiviertel Jahr dauern: Mit Ende 2011 verließ Pirker das Unternehmen aus privaten Gründen, um kurz darauf in einem quasi artfremden Bereich, als Vorstandsvorsitzender des steirischen Abfallentsorgers Saubermacher Dienstleistungs AG, zu werken. Dem Medienbusiness blieb er aber insofern treu, als er mit der Medecco-Holding zwischenzeitlich unter anderem beim Monatsmagazin „Datum“ an Bord war (mittlerweile ist diese Beteiligung wieder Geschichte).
Über den privaten Horst Pirker ist wenig bekannt; er gilt als Familienmensch, seine Frau lernte er während einer Jugendpilgerfahrt im französischen Taize kennen. Seine Weltanschauung lebe er „unverkrampft“, sagte er einmal.
Kommentare