Deutschland peilt mit Erfolg über Nordiren Gruppensieg an
DFB-Trainer Löw im Kampf um Gruppensieg: „Einen anderen Weg kenne ich nicht.“ Underdog Nordirland hat Respekt, aber keine Angst. Polen trifft in der Parallelbegegnung auf die fix ausgeschiedene Ukraine. Lewandowski und Co. winkt der erstmaliger Einzug in die K.o.-Phase einer EURO.
Gruppe C: Nordirland - Deutschland (18 Uhr)
Der zweite Paris-Trip von Fußball-Weltmeister Deutschland beim EM-Turnier soll mit dem Gruppensieg gekrönt werden. Erfolgscoach Joachim Löw war vor dem Nordirland-Match am Dienstag (18.00 Uhr) weiterhin fest davon überzeugt, als Erster der Gruppe C ins Achtelfinale einzuziehen. „Einen anderen Weg kenne ich nicht“, betonte Löw, dass er fix mit einem Erfolg über den EM-Debütanten rechne.
Er erwartet im Prinzenpark defensiv- und kampfstarke Nordiren, die nach einem verdienten 2:0-Erfolg über die Ukraine selbst noch beste Möglichkeiten auf den Einzug in die K.o.-Phase haben. „Wir wissen als Mannschaft, dass wir uns nicht nur auf unsere technischen Qualitäten verlassen dürfen, sondern auch Entschlossenheit zeigen müssen“, gab der deutsche Teammanager Oliver Bierhoff die Marschroute für das letzte Gruppenspiel vor.
Müller: „Der Blick geht nach vorne“
Unabhängig von der Außenwahrnehmung und der öffentlichen Kritik an den bisherigen Auftritten in Frankreich sehen sich Betreuerstab und die Mannschaft auf Kurs. „Der Blick geht jetzt nach vorn. Punktemäßig stehen wir gut da. Wir sind jetzt nicht beunruhigt, dementsprechend passt alles“, sagte Offensivspieler Thomas Müller. Nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen die Ukraine und dem torlosen Remis gegen Polen ist Deutschland mit vier Zählern vor den punktegleichen Polen Spitzenreiter der Gruppe.
Löw plant gegen die Nordiren keine großen taktischen und personellen Veränderungen. Auch die Offensivkräfte um Torjäger Müller, der weiterhin ohne EM-Treffer ist, bekommen erneut das Vertrauen des 56-Jährigen. „Ich war nicht zufrieden mit der Offensive, aber ich weiß, was sie können und glaube an ihre Fähigkeiten“, bekräftigte der DFB-Cheftrainer erneut.
Noch kein spielerisches Feuerwerk
Abwehr-Boss Jerome Boateng und seine Kollegen möchten gegen Nordirland auch dafür sorgen, dass sich bei den Fans in der Heimat Skepsis in Zuversicht verwandelt. Denn noch hat der Weltmeister bei der EURO in Frankreich kein spielerisches Feuerwerk gezündet. „Wir haben viele Spieler, die ständig solche Spiele haben, die sehen es ganz nüchtern. Sie wissen um ihre Stärke. Das werden wir entsprechend umsetzen“, betonte Bierhoff.
Die Nordiren wissen um ihre Außenseiterrolle, hoffen aber auf ein Fußball-Märchen. „Das wird ein sehr hartes Spiel gegen Deutschland. Aber manchmal ist Fußball auch ein romantisches Spiel, manchmal kommen die Underdogs durch“, hatte Torschütze Gareth McAuley bereits nach dem Ukraine-Match zu Protokoll gegeben. „Wir wissen um die Stärken der Deutschen, sie verfügen über einige der weltbesten Spieler“, erklärte Mittelfeldspieler Jamie Ward. „Wir haben Respekt vor ihnen, aber keine Angst.“ Auch sein Teamkollege Josh Magennis ist überzeugt, dass „mit entsprechend guter Vorbereitung jeder Gegner zu schlagen ist“.
Bilanz spricht klar für Deutschland
In der EM-Qualifikation haben die Nordiren mit zwei Siegen über die Deutschen bereits Historisches geschafft: In der Ausscheidung für das Turnier 1984 in Frankreich setzte es für den damaligen Titelverteidiger in der Gruppe 6 ein 0:1 in Belfast, genau ein Jahr später siegten die Nordiren dann im November 1983 in Hamburg erneut 1:0. Kein anderes Team hat gegen die Deutschen zwei Quali-Erfolge gefeiert. Die Gesamtbilanz spricht aber mit acht Siegen bei vier Remis und den zwei erwähnten Niederlagen sowie einem Torverhältnis von 32:13 ganz klar für den Titelanwärter.
Gruppe C: Ukraine - Polen (18 Uhr)
Polens erstmaliger Einzug in die K.o.-Phase einer Fußball-EM scheint nur noch Formsache. Selbst eine Niederlage im abschließenden Gruppenspiel gegen die bereits gescheiterte Ukraine am Dienstag (18.00 Uhr) in Marseille dürfte dies nicht mehr verhindern - sollte Nordirland gegen Weltmeister Deutschland nicht eine Sensation, sprich den Sieg, schaffen.
Damit wollten sich die Polen aber ohnedies nicht beschäftigen. Mit einem klaren Erfolg gegen die Ukrainer winkt sogar der Gruppensieg, sollte sich das ebenfalls bei vier Zählern haltende Deutschland im Parallelspiel gegen die Nordiren schwertun. „Wir wollen weiter Gas geben“, kündigte Polens in Frankreich noch torloser Kapitän Robert Lewandowski an. „Wir kämpfen um die beste Position, und das ist Platz eins in der Gruppe“, sagte Mittelfeldspieler Kamil Grosicki.
Gegen die Ukraine wartet Polen seit fünf Spielen auf einen Erfolg. Bei den beiden Gastgebern der EM vor vier Jahren könnte die Stimmungslage derzeit aber unterschiedlicher nicht sein. Null Punkte und kein geschossenes Tor haben die Ukrainer zu Buche stehen. Selbstredend kündigten die Osteuropäer an, gegen Polen Schadensbegrenzung betreiben zu wollen.
Ukrainer spielen nur noch um Ehre
„Ich schäme mich, und so geht es allen Spielern in der Mannschaft“, sagte Torhüter Andrej Pjatow über die Gefühlslage nach dem vorzeitigen EM-Aus. „Selbstachtung ist nun unsere Motivation. Wir gehen motiviert in die Partie gegen Polen“, kündigte der 31-Jährige nichtsdestotrotz an. „Wir müssen die Ehre des Nationalteams, des Landes und von uns selbst verteidigen“, meinte Mittelfeldspieler Taras Stepanenko staatstragend.
Während bei den Ukrainern in ihrem sportlich bedeutungslosen letzten Gruppenspiel Personalrochaden erfolgen könnten, dürfte Polen auf seine eingespielte Mannschaft vertrauen. Verletzt weiter pausieren wird wohl Wojciech Szczesny, dem AS-Roma-Torhüter macht weiter eine Oberschenkelblessur zu schaffen. Sein Ersatzmann Lukasz Fabianski gab beim kämpferisch überzeugenden 0:0 gegen Deutschland eine gute Figur ab.
Das Stade Velodrome von Marseille soll für die Polen nur eine Zwischenstation sein. Nach ihrem ersten Sieg bei einer EM überhaupt gleich zum Auftakt gegen Nordirland (1:0) und dem anschließenden Remis gegen den Weltmeister ist die Mannschaft von Trainer Adam Nawalka gierig auf mehr. „Wir wissen, dass wir große Qualitäten haben. Ich glaube, es sieht in jedem Spiel immer besser aus“, erklärte der 58-Jährige.