„(Not) Welcome“ - Ausstellung verfrachtet Besucher in Schlepper-Lkw
Linz (APA) - Eine Ausstellung mit Arbeiten Linzer Kunststudenten zum Thema Flucht bildet von 24. Juni bis 10. Juli einen ernsten und hoch po...
Linz (APA) - Eine Ausstellung mit Arbeiten Linzer Kunststudenten zum Thema Flucht bildet von 24. Juni bis 10. Juli einen ernsten und hoch politischen Kontrapunkt zum laufenden „Höhenrausch“ im Oö. Kulturquartier: „(Not) Welcome“ lässt die Besucher erahnen, wie es ist, in einem Schlepper-Lkw eingepfercht zu sein, und die Ehrengäste, wie man sich hinter einem Grenzzaun fühlt.
Die Studierenden der Richtung „Raum- und Designstrategien“ haben bereits vor einem Jahr das Thema ihres Ausstellungsprojektes festgelegt und sind im Herbst selbst von dessen Aktualität überrascht worden, wie ihr Professor Ton Matton bei der Presseführung am Dienstag erzählte. Am Beginn der Arbeit stand eine Reise nach Brasilien, jenes Land, das von sich selbst immer sage, es habe die größte Willkommenskultur.
Tatsächlich höre man dort nie „Geh‘ zurück in dein Land“, jeder Flüchtling darf vom ersten Tag an arbeiten. Andererseits kann man mit der Arbeit nicht viel verdienen, die Schere zwischen Arm und Reich ist riesig, die Kriminalitätsrate ebenfalls. Der Kunstuni-Professor trägt ein Souvenir von der Reise: eine kugelsichere Weste.
Man wollte ohne „Gutmensch oder Schlechtmensch“-Einordnung an die Sache herangehen. Die Studierenden arbeiteten mit Flüchtlingen und stellten fest: Es sind Menschen - mit manchen kann man besser, mit anderen weniger. Dass es eben immer eine Sache des Blickwinkels ist, verdeutlicht Matton an einem Beispiel: Die Uni beschäftigt einen Flüchtling für fünf Euro die Stunde als Koch. Der Afghane freut sich über das Geld. Andererseits - ist es ethisch korrekt, jemanden so weit unter dem Mindestlohn zu bezahlen? Aufgabe der Kunst sei es glücklicherweise, Gedanken aufzuzeigen und nicht, die Probleme zu lösen.
Die wohl beklemmendste Arbeit der Schau „(Not) Welcome“ (im Original-Titel wird das Wort „Not“ durchgestrichen dargestellt, Anm.) stammt von Masche Teymouri, einer Studentin aus dem Iran. Sie hat den Boden jenes Lkw, in dem im Sommer vergangenen Jahres 71 geschleppte Flüchtlinge umgekommen sind, als Betonfläche nachgebaut. Auf den 15 Quadratmetern sind 141 Fußabdrücke zu sehen. Besucher, die sich daraufstellen, erleben was Enge heißt.
Die Angstmaschine von Rudolf Wittmann und Anze Juvan extrahiert Angst vor Veränderung aus Zeitungen und wandelt sie in Dünger um. Mit diesem gedeihen Hecken - lebende Zäune für die „Schrebergartensiedlung Europa“. Weitere Arbeiten sind u.a. ein aufgeschnittener Zaun in einem opulenten Goldrahmen, Studien zu den Habseligkeiten, die Flüchtlinge bei sich tragen, sowie Fluchtgeschichten als Comic oder Schattenspiele. Und zur Eröffnung am 23. Juni werden Redner und Musiker in ein Gehege aus originalem, vier Meter hohem Grenzzaun verfrachtet.
(S E R V I C E - „(Not) Welcome“, Ausstellung von 24. Juni bis 10. Juli, täglich von 10 bis 20.30 Uhr im OK im Oö. Kulturquartier und in der ehemaligen Tankstelle Dametzstraße, Eröffnung am 23. Juni, 17.30 am Martin-Luther-Platz. www.ok-centrum.at)