Frankfurter Börse
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt wächst die Hoffnung auf den Verbleib der Briten in der EU. Wie schon am Vortag gr...
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt wächst die Hoffnung auf den Verbleib der Briten in der EU. Wie schon am Vortag griffen die Anleger deshalb auch am Dienstag vermehrt zu Aktien und wandten vermeintlich sicheren Häfen wie Gold den Rücken zu. Der DAX schloss erstmals seit knapp zwei Wochen wieder über der Marke von 10.000 Punkten. Am Ende stand der Index 0,54 Prozent höher bei 10.015,54 Zählern.
Unterstützung kaum zudem von überraschend positiven Konjunkturerwartungen für Deutschland sowie einer weltweit verbesserten Börsenstimmung. Die mit Spannung erwartete Rede von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen brachte indes nicht viel Neues.
Auch der MDax der mittelgroßen Konzerne konnte zulegen - er gewann 0,30 Prozent auf 20 404,73 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab hingegen um 0,25 Prozent nach auf 1614,40 Zähler.
Der DAX als das wichtigste deutsche Börsenbarometer war bereits am Montag mit einem Kursplus von fast dreieinhalb Prozent beeindruckend stark in die neue Woche gestartet, nachdem es zuvor wegen der Brexit-Furcht über Tage fast nur abwärts gegangen war. Ausgelöst wurde die neue Aktien-Euphorie durch Umfragen, die vor dem Großbritannien-Referendum dem Lager der Brexit-Gegner einen Vorsprung signalisierten.
Experten warnten jedoch bis zuletzt, dass die Entscheidung noch keineswegs sicher sei. Die Aktienmärkte bauten derzeit eine Erwartungshaltung auf, so Jochen Stanzl von CMC Markets. Werde die Hoffnung auf den EU-Verbleib der Briten jedoch enttäuscht, werde es am Aktienmarkt ein böses Erwachen geben. Die Briten stimmen an diesem Donnerstag über ihre Zukunft in der Europäischen Union ab.
Trotz der Brexit-Sorgen, die seit Anfang des Monats die Märkte beherrschen, hellten sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten für die nächsten sechs Monate auf.
Positiv erwies sich für den deutschen Aktienhandel zudem, dass negative Überraschungen durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausblieben: Wie erwartet darf die Europäische Zentralbank (EZB) im Ernstfall mit deutscher Beteiligung Euro-Krisenstaaten durch Staatsanleihekäufe stützen, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Unterdessen bekräftigte US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats erneut, dass die Fed die beabsichtigte Straffung ihrer Geldpolitik vorsichtig angehen werde. „Die Zinsen in den USA dürften noch eine lange Zeit sehr tief bleiben“, resümierte Marktexperte Stanzl.
Nachrichten zu deutschen Einzelwerten waren am Dienstag dünn gesät und nur wenige bewegten deutlich: So reagierten die Anleger verschnupft auf die milliardenschwere Übernahme des US-Lagertechnikanbieters Dematic durch den Gabelstapler-Hersteller Kion, insbesondere weil das Geschäft teils über eine Kapitalerhöhung finanziert werden soll. Die Kion-Aktien brachen bis Handelsschluss um 6,86 Prozent ein und landeten damit am MDax-Ende .
Unter den Kleinwerten gewannen Cropenergies mehr als 4 Prozent und Südzucker legten an der MDax-Spitze 2,86 Prozent zu. Der zur Südzucker-Gruppe gehörende Bioethanol-Hersteller hatte seine Prognose angehoben.
~ ISIN DE0008469008 ~ APA522 2016-06-21/18:23