Hoffen auf den letzten Akt im Behörden-Verwirrspiel
Die Folgen des steigenden Pegels des Gurglbaches werden immer dramatischer: Nun gibt’s auch Probleme im Abwasserkanal.
Von Hubert Daum
Tarrenz –Endlich eine Schönwetterphase, die nicht nur die Bauern herbeisehnten. Auch im Bereich der Tarrenzer Knappenwelt atmet man durch, allerdings nur temporär. Die Causa um den stetig steigenden Pegel des Gurglbaches – auch an einem „normalen“ Regentag – schwebt seit Monaten wie ein Damoklesschwert über Grundbesitzern, Knappenwelt und Wirt der „Happis Hütte“, die TT berichtete mehrmals. Die Gurgl fließt schon längst Hunderte Meter auf der asphaltierten, mittlerweile gesperrten Zufahrtsstraße zur Knappenwelt und zum Gasthaus und kehrt unmittelbar vor der Knappenweltbrücke in ihr angestammtes Bett zurück. Dieses sammelt allerdings fleißig Geschiebematerial, wird zusehends höher, sodass vor drei Tagen die Unterkante der Brücke nur noch rund fünf Zentimeter vom Wasserpegel getrennt war.
Die Problematik ist allen Involvierten bekannt, auch den Behörden. Bereits vor Monaten wurde im Auftrag der Gemeinde Tarrenz vom Ingenieurbüro Gstrein ein Projekt zur Materialentnahme von der Brücke in Richtung Osten bei der Bezirkshauptmannschaft eingereicht. „Da geht es um ein Kraftwerk, da liegt die Zuständigkeit in Innsbruck“, stellte damals Gudrun Hofmann von der BH Imst fest. Um ein Kraftwerk deshalb, weil der „Gaulwerk-Stausee“ direkt anschließt, mittlerweile aber zum Biotop mutiert ist und als Stausee nicht mehr erkennbar ist.
Reinhard Keber von der Abteilung Geoinformation im Landhaus schlug im März eine „Verhandlung aller Beteiligten“ in der Bezirkshauptmannschaft vor. Nach massivem Druck, vor allem vom Wirt der „Happis Hütte“ Alexander Happacher, kam der Akt am 12. Mai offiziell an die BH Imst retour. „Da es nicht um ein Kraftwerk geht, kam der Akt retour“, klärt BH Raimund Waldner die (neue) Zuständigkeit, „ich kenne die Problematik und weiß, dass wir schnell handeln und verhandeln müssen.“ Der Naturschutz habe Parteistellung, Waldner könne sich aber öffentliches Interesse vorstellen. Man müsse den Antrag zum Ausbaggern nun technisch und ökologisch adaptieren.
Engelbert Gstrein, der sich über das Wochenende damit beschäftigte, kann die Wünsche der Sachverständigen nicht ganz nachvollziehen: „Ich habe nun die gewünschten Unterlagen, vor allem die ökologische Stellungnahme von Dietmar Gstrein, bei der BH abgegeben, zum Ergänzen war nichts.“ Der Bezirkshauptmann versicherte, dass, „wenn alles da ist, gleich verhandelt werde“.
Für den Tarrenzer BM Rudolf Köll ist dies ein Lichtschein am Ende des Tunnels: „Ich kämpfe als Eigentümervertreter der Knappenweltbrücke, die 150.000 Euro gekostet hat, Tag und Nacht, dass etwas weitergeht. Die Grundeigentümer werden hier buchstäblich im Regen stehen gelassen.“
Köll verweist auf ein neues Problem: „Weil ein Teil der Gurgl schon wochenlang auf der Zufahrtsstraße rinnt, fließt das Wasser auch durch die Kanaldeckel in den Abwasserkanal, der von Nassereith kommt. Sauberes Wasser hat aber im Kanalnetz nichts verloren. Es gibt Probleme bei der Hydraulik.“ Man habe bereits versucht, die Deckel abzudichten, doch gelinge dies nicht zu hundert Prozent. Köll weiter: „Außerdem werden die Deckel natürlich ausgeschwemmt. Das gibt sicher Probleme bei einer künftigen Befahrung.“ Man ist also gespannt, ob noch vor der nächsten Regenperiode eine Entscheidung fällt.