„Löwe und Stiere“: Meisterwerke Persiens in Aquileia
Udine (APA) - Schätze der Kunst und Archäologie aus dem antiken Persien sind ab Samstag im nationalen Archäologie-Museum Aquileia, der friau...
Udine (APA) - Schätze der Kunst und Archäologie aus dem antiken Persien sind ab Samstag im nationalen Archäologie-Museum Aquileia, der friaulischen Stadt mit römischer und habsburgischer Vergangenheit, zu bewundern. „Löwen und Stiere - Vom antiken Persien bis Aquileia“ heißt die Ausstellung, die bis zum 30. September geöffnet hat.
Juwelen aus dem achten bis sechsten Jahrhundert vor Christus, Skulpturen und Terrakotta-Gegenstände mit Löwen- und Stierformen stehen im Vordergrund der Ausstellung, die von der Stiftung Aquileia zusammen mit Irans Nationalmuseum organisiert wurde. Löwen gelten als Symbol der Sonne, des Lichts und des Tages, der Stier steht für die Kräfte der Natur und der Nacht. 300.000 Euro kostete die Schau wegen der Versicherungs-, Transport- und Aufsichtskosten für die ausgestellten Werke. Viele davon stammen aus dem archäologischen Museum von Teheran.
Das Museum der Stadt Aquileia fördert eine Kampagne zur Unterstützung der „vom Terrorismus verletzten Archäologie“. Man will die Zusammenarbeit mit Städten fördern, deren Kulturerbe Opfer von Kriegen oder Terrorattacken geworden ist, berichtet Margherita Belgiojoso im Gespräch mit der APA, Sprecherin der Stiftung Aquileia, die die Schau organisiert. Im Dezember war gemeinsam mit dem Bardo-Museum in Tunis im Museum von Aquileia eine Ausstellung organisiert worden, die großen Erfolg geerntet hat. Im März 2015 waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.
„Der Terrorismus versucht, Symbole verschiedener kultureller Identitäten zu zerstören. Dabei ist Kultur ein verbindendes Element, das Dialog und Kenntnis fördert“, betonte Italiens Kulturminister Dario Franceschini bei der Präsentation der Ausstellung in Rom. Abgesehen von seinem kulturellen Wert habe die Ausstellung auch eine politische Relevanz, hob Irans Botschafter in Rom, Jahanbakhsh Mozaffari, hervor. „Kulturbeziehungen stärken die Bande zwischen Ländern vor allem in schwierigen Zeiten, und tragen zur Überwindung von Problemen bei“, kommentierte der Botschafter.
Aquileia, UNESCO- Weltkulturerbe der Menschheit, war im Zeitalter der Römer wegen des friedlichen Zusammenlebens mehrerer Gemeinschaften - darunter Griechen, Römer und Juden - bekannt. Schon in der Antike war die Stadt ein Tor zwischen Orient und Okzident, ein Zentrum des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs. Aquileia war eine der größten und wohlhabendsten Städte des gesamten römischen Reichs. Aus dieser Zeit stammt der Beiname: Das „zweite Rom“.
Auch nach dem römischen Zeitalter erlebte Aquileia eine Blütezeit. Die nahe Udine gelegene Stadt war vom 4. bis ins 8. Jahrhundert eines der ersten großen Zentren der Evangelisation Europas. Dem Patriarchen von Aquileia unterstanden 25 Diözesen im Gebiet von Bayern, Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Norditalien. Von Aquileia aus wurde im Alpenraum das Evangelium verkündigt. Kärnten wurde seit der Karolingerzeit bis zur Aufhebung des Patriarchats vom Oberhirten Aquileias seelsorgerisch betreut und kirchenrechtlich verwaltet. Der Ortsname Hermagor in Kärnten geht auf den ersten Bischof Aquileias zurück. Obwohl es im Mittelalter schon viel von seiner Macht verloren hatte, wurde das Patriarchat Aquileia kirchlich erst im Jahr 1751 aufgelöst.
Österreich verbindet mit der Region eine lange gemeinsame Geschichte. Unter Maria Theresia erfolgten umfangreiche Bonifikationen der sumpfigen Landschaft um Aquileia, ab 1898 wurden vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) archäologische Forschungen durchgeführt. Die Untersuchung, Konservierung und Präsentation des 750 Quadratmeter großen Mosaikbodens im Dom zu Aquileia gilt als eine wissenschaftliche Pionierleistung der Habsburgermonarchie.