Fußball-EM: Ruttensteiner verteidigte Team und Teamchef nach EM-Aus

Mallemort (APA) - ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner hat dem österreichischen Fußball-Nationalteam am Donnerstag nach dem EM-Aus demonstr...

Mallemort (APA) - ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner hat dem österreichischen Fußball-Nationalteam am Donnerstag nach dem EM-Aus demonstrativ den Rücken gestärkt. „Ich stehe hinter der Mannschaft, ich stehe hinter dem Betreuerteam und ich stehe hinter dem Teamchef“, sagte der Oberösterreicher in einem fünfminütigen Monolog zur Eröffnung der letzten Pressekonferenz im Teamcamp in Mallemort.

Die Spieler hätten ihr Potenzial in Frankreich nicht zu 100 Prozent abgerufen. Die Gründe dafür seien in den kommenden Wochen zu analysieren. In der EM-Vorbereitung, die am 22. Mai in der Schweiz begonnen hatte, sah Ruttensteiner jedenfalls keine Ursache. „In der Schweiz und auch hier in Mallemort ist es perfekt gelaufen.“ Der ÖFB habe alles getan, um bestmögliche Bedingungen zu bieten.

„Gescheitert sind wir daran, dass wir die Performance nicht auf den Punkt gebracht haben“, meinte Ruttensteiner. „Die Mannschaft hat ihr wahres Gesicht nicht gezeigt.“ Das Ziel, ins Achtelfinale einzuziehen, wurde als Gruppenletzter mit nur einem Punkt und einem erzielten Tor nicht erreicht. „International nicht auf die Performance wie in der Qualifikation gekommen zu sein, war enttäuschend.“

Ruttensteiner verwies auf eine Aussage vor Turnierstart, wonach sehr viel davon abhänge, wie gesund und in welcher Form die Spieler zur EM kommen. „Wir haben alles versucht, um die Spieler in Topform zu bringen“, versicherte der 53-Jährige. „Die eine oder andere Situation war für die Spieler nicht leicht.“

Abwehrchef Aleksandar Dragovic etwa hätte noch unter den Folgen eines Mitte April erlittenen Bänderrisses im Sprunggelenk gelitten - mehr, als nach außen getragen wurde. „Es ist schon schwer, wenn da nach jedem Training Probleme mit dem Knöchel sind“, sagte Ruttensteiner. „Trotzdem war es richtig, dass er gespielt hat.“ In der zweiten Hälfte gegen Island (1:2) etwa habe Dragovic das ÖFB-Spiel von hinten angetrieben.

Obwohl gegen die Isländer nach der Pause die Chance da war, das „Steuer herumzureißen“, blieb am Ende die Enttäuschung. „Ich denke aber, dass einen Niederlagen auch weiterbringen können“, betonte Ruttensteiner. Nach einer intensiven Analyse werde der Fokus bereits auf die im September beginnende WM-Qualifikation gerichtet.

Die EM soll laut Ruttensteiner zur Entwicklung der Mannschaft beitragen. „Ich sehe viel Positives im Turnier. Es war eine ausgezeichnete Erfahrung auf Topniveau. Das bringt die Spieler auch im Club weiter. Und sie wird sich auch in der nächsten Qualifikation positiv auswirken“, meinte der Sportdirektor.

Selbst Topstar David Alaba, der den hohen Erwartungen in Frankreich nicht gerecht wurde, könne vom Turnier profitieren. „Es war auch für einen unserer besten Spieler eine wichtige Erfahrung“, sagte Ruttensteiner über den bald 24-Jährigen. „Zuerst Champions League zu spielen und dann noch eine EM, das ist auch für ihn etwas ganz Neues gewesen, eine Weiterentwicklung. Auch das gehört zu einem absoluten Topspieler dazu.“

Kapitän Christian Fuchs bestritt nach der Heim-EM 2008 bereits sein zweites großes Turnier. Nach dem Sensationsmeistertitel mit Leicester City musste er sich am Donnerstag aber mit einer Enttäuschung in seinen vierwöchigen Urlaub verabschieden. „Eine gute Halbzeit ist auf so einem Niveau ganz einfach nicht ausreichend“, erkannte der 30-Jährige.

So kurz nach einem Turnier-Aus neige man allerdings dazu, alles negativ zu sehen. „Da möchte ich mich wehren. Es ist in den letzten Jahren so steil nach oben gegangen, dass etwas da ist“, betonte Fuchs. Dass auch Russland und Schweden, die sich in Österreichs Quali-Gruppe die weiteren EM-Tickets gesichert hatten, als Gruppenletzte ausgeschieden sind, wollte er nicht überbewerten. „Alle drei Mannschaften sind unter Wert geschlagen worden.“

Wales und Irland, neben Serbien, Georgien und Moldau, die ÖFB-Gegner in der WM-Qualifikation, stehen dagegen im EM-Achtelfinale. „In der nächsten Quali wollen wir auch etwas erreichen“, sagte Fuchs. Vorerst überwog aber die Enttäuschung. „Mit Schlafen war in dieser Nacht nicht viel.“ An den Gegebenheiten in Mallemort ist es nicht gelegen. Ruttensteiner: „Wir wären gerne länger geblieben.“