Brexit - Tschechischer Premier: „Kein Ende der Welt und der EU“

Prag (APA) - Der tschechische Regierungschef Bohuslav Sobotka sieht die Entscheidung der Briten für den EU-Austritt nicht als „Ende der Welt...

Prag (APA) - Der tschechische Regierungschef Bohuslav Sobotka sieht die Entscheidung der Briten für den EU-Austritt nicht als „Ende der Welt und der EU“. Allerdings handle es sich um eine „schwerwiegende und unumkehrbare Entscheidung“, schrieb Sobotka auf Facebook, der am heutigen Freitag in Wien mit Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zusammentrifft.

Die EU müsse sich schnell ändern und die Auswirkungen auf die Bürger Tschechiens sowie der EU minimalisieren, betonte der tschechische Regierungschef. „Die Briten werden nun einen kleineren Einfluss auf das Geschehen in Europa haben. Ihr Land wird jetzt schwächer und weniger wichtig“, schrieb Sobotka weiter. Großbritannien müsse jetzt um den Erhalt Schottlands kämpfen.

Der Chef der oppositionellen liberal-konservativen TOP 09, Miroslav Kalousek, bezeichnete den Ausgang des britischen Referendums als eine „schlechte Nachricht“. „Das Pfund fällt, Moskau feiert. Die Kosten werden groß sein, nicht nur die finanziellen. Wir müssen das gemeinsame Europa für unsere Kinder aufbewahren. Es wird ein schwerer Kampf sein“, so Kalousek.

Der Vizepremier und Chef der Christdemokraten (KDU-CSL), Pavel Belobradek, schrieb auf Twitter: „Berlin, Paris, Brüssel - aufwachen! Und was weiter? Free Scotland? United Ireland?“. Die Demokratie hat laut Belobradek die „Anmut, dass man sich frei entscheiden, allerdings schlecht wählen kann“.

Laut dem Verteidigungsminister Martin Stropnicky (Protestbewegung ANO) ist es nötig, „heute den Schock zu absorbieren und morgen sich der Realität rational zu stellen - auf beiden Seiten des Ärmelkanals“. Die EU habe eine „Gelbe Karte“ bekommen. Eine stärkere Aufforderung zu Reformen könne man sich schwer vorstellen. „Falls dies die EU nicht begreift, riskiert sie, dass sie vom Spielplatz gehen wird“, so Stropnicky.

Der Chef der oppositionellen EU-kritischen Demokratischen Bürgerpartei (ODS), Petr Fiala, meinte, die Entscheidung der Briten spiegle die „schlechte Integrationspolitik der EU“ wider, die „von einer zur anderen Krise führt“. „Die Tschechische Republik verliert einen Schlüsselverbündeten, was das Durchsetzen der Vorstellungen über ein liberaleres, weniger zentralisiertes und weniger bürokratisches Europa angeht“, erklärte Fiala.