Tritt auf Giftfisch: “Habe mit der Ohnmacht gekämpft“

Ein Kitzbüheler trat im seichten Wasser bei Bibione auf den giftigen Fisch Petermännchen. Ein Zoologe erklärt, was im Notfall zu tun ist.

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Von Miriam Hotter

Kitzbühel –Ein ganz normaler Tag in Bibione: Die Sonne scheint, viele Badegäste breiten ihre Handtücher aus, lesen, plaudern oder machen wie Sepp H. einen Strandspaziergang. „Ich marschierte mit meiner Frau Richtung Meer. Als ich knietief im Wasser stand, spürte ich plötzlich einen irren Schmerz am Fuß“, erinnert sich der Kitzbüheler an den Tag im Mai 2015 zurück. „Ich dachte, ich bin auf eine Glasflasche getreten und habe mir den ganzen Fuß aufgeschnitten. Doch da war kein Blut“, erzählt der 69-Jährige. Das Einzige, was er entdecken konnte, waren zwei kleine Einstichpunkte.

Sepp H. war auf ein Petermännchen getreten. Diese Fische leben im gesamten Mittelmeerraum und besitzen giftige Stachel an der Rückenflosse und den Kiemendeckeln. Die Tiere gehören zu den Barschfischen und werden bis zu 50 Zentimeter lang. Sie buddeln sich im flachen Gewässer in den Sand und sind dort wegen ihrer Tarnung kaum zu erkennen.

Das Gift ließ den Fuß von Sepp H. extrem anschwellen. Der Kitzbüheler versuchte, zurück ins Hotel zu laufen. „Das Auftreten tat aber unglaublich weh. Ich habe mit der Ohnmacht gekämpft“, sagt er. Nur mit aller Mühe schaffte er den Weg zurück. Was der Mann zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Der heiße Sand war in diesem Moment genau das Richtige für seinen Fuß.

Da es sich bei dem Gift des Petermännchens überwiegend um ein hitzeempfindliches Eiweiß handelt, sollte die Einstichstelle möglichst schnell erwärmt werden, wie Wolfgang Mark, Zoologe an der Universität Innsbruck, erklärt. „Bei einer Temperatur zwischen 50 und 55 Grad Celsius zerfällt das Gift und wird inaktiv.“ Die Einstichstelle lässt sich zum Beispiel mit einem Fön erwärmen, ohne dabei Verbrennungen zu verursachen. Im Notfall kann man auch mit etwa einem Zentimeter Abstand die Glut einer Zigarette vor die Wunde halten. „Ich würde ein Handtuch mit heißem Wasser tränken und die Stelle damit vorsichtig abtupfen“, sagt Mark. Als erste Maßnahme sollte die Wunde allerdings gereinigt und desinfiziert werden.

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Die meisten Patienten sind nach einigen Stunden beschwerdefrei. „Außer, sie reagieren auf das Gift allergisch.“ In diesem Fall sollte man einen Arzt aufsuchen.

Für Kinder kann die Begegnung mit einem Petermännchen sogar lebensbedrohlich werden. „Aufgrund der geringeren Körpermasse sind sie besonders gefährdet“, weiß Mark. Im Juni 2015 musste ein zweijähriger Bub aus Kärnten wiederbelebt werden, nachdem er im seichten Wasser bei Caorle auf ein Petermännchen getreten war.

Solche Unfälle passieren gar nicht so selten. „Diese Fische zeigen keinen Fluchtreflex, weshalb ziemlich viele Menschen von Petermännchen gestochen werden. Die Badeorte haben natürlich kein Interesse, solche Geschehnisse publik zu machen“, erklärt Mark. Badeschuhe würden Urlauber daher am besten schützen.


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