Brexit schickt Fernost-Börsen auf Talfahrt, Nikkei-225 verliert 7,9%
Tokio (APA) - Die Leitbörsen in Fernost sind nach der britischen Entscheidung für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) am Freitag ...
Tokio (APA) - Die Leitbörsen in Fernost sind nach der britischen Entscheidung für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) am Freitag steil auf Talfahrt gegangen. Besonders hart traf es die Börse in Tokio: Der Nikkei-225 Index verlor satte 1.286,33 Zähler oder 7,92 Prozent auf 14.952,02 Punkte.
Der Hang Seng Index in Hongkong fiel indessen vergleichsweise moderate 609,21 Zähler (minus 2,92 Prozent) auf 20.259,13 Einheiten. Der Shanghai Composite verlor 37,67 Punkte oder 1,30 Prozent auf 2.854,29 Punkte.
Die Märkte in Indien und Australien zeigten sich ebenfalls tiefrot. Der Sensex 30 in Mumbai tendierte zuletzt bei 26.354,74 Zählern mit minus 647,48 Punkten oder 2,40 Prozent. Der All Ordinaries Index in Sydney verlor 165,8 Zähler oder 3,09 Prozent auf 5.192,80 Einheiten.
Mit 51,9 Prozent haben die Briten am Donnerstag für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt und damit weltweit für massive Kurseinbrüche an den Börsen gesorgt. Angefangen in Asien in der Nacht auf Freitag setzte sich der Kursrutsch an den europäischen Börsen mit zwischenzeitlichen Abschlägen der Leitindizes um bis zu 10 Prozent fort. Auch für die Wall Street-Eröffnung am Nachmittag werden massive Abschläge erwartet.
Das Ergebnis für einen Brexit traf die Marktteilnehmer völlig unvorbereitet. In den vergangenen Handelstagen wurde an den Märkten noch auf einen Verbleib der Briten in der Union gebaut, nachdem einige Umfragen die EU-Befürworter in Führung gezeigt hatten. Dementsprechend hatte es im Wochenverlauf auch rund um den Globus noch klare Kursgewinne an den Aktienmärkten zu sehen gegeben.
Die Angst nach dem Brexit-Votum ließ die Anleger in sichere Häfen flüchten, darunter auch in den Yen. So rutschten einige wichtig Währungen zu der japanische Währung deutlich ab. Das Pfund stürzte zum Yen um über 14 Prozent ab. Ein Pfund kostete zwischenzeitlich 133,31 Yen. Damit war der Yen so stark wie zuletzt im Dezember 2012.
Auch der Dollar sackte zwischenzeitlich sogar unter 100 Yen ab. Das war der tiefste Stand seit November 2013. Der Greenback konnte sich im Vormittagshandel aber wieder erholen und steht derzeit knapp über 103 Yen. Notenbankchef Haruhiko Kuroda signalisierte in der Früh Handlungsbereitschaft.“Wir stehen bereit, um die Märkte mit genügend Liquidität zu versorgen“, teilte Kuroda mit.
Im Branchenvergleich gerieten insbesondere Bankwerte unter die Räder. In Tokio rutschten Nomura-Aktien um 10,59 Prozent ab und Mitsubishi UFJ knickten um 8,56 Prozent ein, während in Hongkong die Aktien der britisch-chinesischen Großbank HSBC 6,59 Prozent abgaben. Im Hang Seng Index büßten Bank of East Asia 0,70 Prozent ein und Bank of China gaben 0,33 Prozent ab.
Auch in Sydney rasselten Macquarie Group um 7,03 Prozent und Westpac Banking um 4,42 Prozent in den Keller, die Aktien der QBE Insurance Group fielen ebenfalls um klare 6,16 Prozent. Auch die beiden großen Minenwerte BHP Billiton (minus 7,93 Prozent) und Rio Tinto (minus 6,48 Prozent) büßten viel Terrain ein.
In Tokio kamen vor dem Hintergrund der Yen-Gewinne zahlreiche Exportwerte drastisch unter Druck. Unter den größten Kursverlierern waren demnach Sharp mit minus 16,54 Prozent zu finden, auch Autowerte wie Mazda Motors (minus 11,68 Prozent) und Toyota (minus 8,66 Prozent) mussten Federn lassen.