Upgedatet, aufgeputscht und vernetzt
Frecher und poppiger tritt der VW Up seine zweite Modellgeneration an. Mit Einliter-Dreizylinder-Turbo schafft er 90 PS.
Von Beatrix Keckeis-Hiller
Lago di Como – Es ist eine Frage des individuellen Zugangs, ob man das frisch akzentuierte Frontdesign des VW Up als noch breiteres Grinsen oder als ernsthafter gewordene Miene interpretiert. Die Volkswagen-Leute jedenfalls meinen, dass der Wolfsburger Zwerg erwachsener geworden ist. Dazu gehört wohl auch das serienmäßige LED-Tagfahrlicht. Gewachsen ist er dabei kaum. Nur um sechzig Millimeter, was jedoch den neu geformten Stoßfängern zuzuschreiben ist und nicht einem neuen Layout des Innenraums. Der ist gleich geblieben, damit unverändert viersitzig, mit nach wie vor 291 bis 951 Liter Laderaumvolumen.
Ums Wachstum ging’s auch nicht, sondern darum, den Up mit einem optischen und technischen Rundum-Update vor allem für junge Kunden begehrlicher zu konfigurieren. So richtet er sich unter anderem insofern direkt an die Generation Smartphone, als das bisherige portable Navigationssystem („maps + more“) durch eine Handtelefon-Integration ersetzt wird: iOS- oder Android- Gerät einfach in die – optionale – Halterung einklinken, anstecken, via Bluetooth eine Verbindung zum Radio herstellen und fertig zur Bedienung über die entsprechende App (die heißt auch „maps + more“). Das funktioniert, wie ausprobiert, vielleicht nicht immer im ersten Anlauf – aber wenn, dann weitgehend gut.
Damit kann man navigieren, auch offline, Fahrzeug-Infos abrufen und frei sprechen. Zum Suchen kann man sich das Herumtappen auf dem Display sparen, ein Handschrifterkennungssystem sollte nach den ersten Buchstabeneingaben, per Finger auf dem Handy-Display, erste Vorschläge liefern. Der Eindruck, dass hier ein Auto rund ums Smartphone beziehungsweise rund um das Thema elektronische Vernetzung rekonzipiert wurde, ist nicht ganz verkehrt.
Trotzdem geht’s immer noch um das, wofür ein Auto gedacht ist. Ums Fahren. Auch hier hat sich VW etwas Flotteres einfallen lassen. Das bisherige Benziner-Antriebsportfolio, mit dem Einliter-Dreizylinder-Benziner in den Leistungsstufen 60 und 75 PS, ist um eine aufgeputschte – eine Turbo-Version – ergänzt. Im Up entwickelt das aufgeladene 999-ccm-Aggregat 90 PS. Dadurch ufert das Gewicht nicht aus, es liegt mit 1002 Kilo nur ganz wenig über der Tausender-Marke. Effekt ist, dass der Zwerg, geschaltet über das bekannte manuelle Fünfgang-Getriebe, in 9,9 Sekunden von null auf hundert orgeln kann. Das ist akustisch anregend und lustig. Die versprochenen 185 km/h Top-Speed waren am dicht besiedelten Lago di Como aber kein Thema, auch nicht auf der Autobahn rund um Mailand.
Ohnehin geht es in erster Linie darum, sportlich flott von der Ampel wegzukommen und sich auf recht solide Überholreserven verlassen zu können. Lenkung und Fahrwerk, Federung sowie Bremsen machen da wacker mit, Präzision und Komfort passen.
Bei aller von der VW-Marketing-Abteilung attestierten Ernsthaftigkeit soll der Up auch lustiger in puncto Farben werden. Das Individualisierungsfeld offeriert dreizehn Außenfarben, zehn Dekore fürs Ex- und zehn Muster fürs Interieur (Armaturenträger), was mit drei Dachfarben und verschiedenen Felgen-Designs kombiniert werden kann. Die Benennung der Ausstattungslinien wurde den anderen Baureihen angeglichen, sie heißen in Österreich jetzt „Trendline“, „Comfortline“ und „Highline“. Der Up ist ja erwachsen geworden.
Der Einstiegspreis liegt jetzt bei 9990 Euro, um einen Hunderter höher als bisher. Der Eco-Up (Erdgas) kommt auf ab 12.760 Euro. Wie viel die 90-PS-Version und die zu erwartenden Derivate Elektro- sowie Cross-Up kosten werden steht noch nicht fest. Bis zum Verkaufsstart im kommenden September sollte das geklärt sein.