13 Festnahmen nach Anschlägen am Istanbuler Flughafen

Nach dem verheerenden Terrorangriff auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul werden immer neue Details zum Tathergang bekannt. Die türkische Regierung vermutet den IS hinter dem Blutbad - doch ob sich überhaupt noch jemand zu der Tat bekennen wird, scheint fraglich.

Das Gepäck von Passagieren wird am Atatürk-Flughafen geröngt.
© Reuters/Murad Sezer

Istanbul – Nach dem verheerenden Terrorangriff auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul mit Dutzenden Toten sind in der Türkei 13 Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien drei Ausländer, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Die Polizei habe die Razzien an 16 verschiedenen Adressen durchgeführt.

Sondereinsatzkommandos hätten in einigen armen Stadtvierteln Istanbuls zugegriffen, darunter in Pendik, Basaksehir und Sultanbeyli, berichtete die Agentur Anadolu am Donnerstag, ohne Quellen zu nennen. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den Anschlägen von Dienstag und diesen Razzien gab, war zunächst unklar.

Sicherheitsschleuse stoppte Attentäter nicht

Einer der drei Selbstmordattentäter vom Istanbuler Atatürk-Flughafen ist nach Angaben aus Regierungskreisen doch in die Abflughalle des Internationalen Terminals gelangt. Der erste Attentäter habe sich an der Sicherheitskontrolle im Eingangsbereich in die Luft gesprengt.

Er habe damit Chaos ausgelöst, sodass der zweite Attentäter ins Gebäude gelangen und seinen Sprengsatz in der Abflughalle im ersten Stock zünden konnte, hieß es am Mittwochabend aus Regierungskreisen. Ein dritter Attentäter sprengte sich demnach anschließend draußen vor dem Gebäude in die Luft. Mutmaßlich habe er damit fliehende Menschen treffen wollen.

Zunächst hatte es aus Regierungskreisen geheißen, keiner der drei Angreifer habe die Sicherheitsschleusen zum internationalen Terminal passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien hatten jedoch früh darauf hingedeutet, dass mindestens ein Angreifer in den Innenbereich gelangte.

Dennoch sah die türkische Regierung keine Versäumnisse bei der Sicherheit. „Weder im Abflug- noch im Ankunftsbereich am Flughafen kann von einer Sicherheitslücke die Rede sein“, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Erste Hinweise deuteten auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Urheber des Anschlags auf dem größten Flughafen der Türkei hin, sagte er.

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Es war bereits der vierte schwere Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn. Der IS hat sich noch zu keinem der ihm in der Vergangenheit zugeschriebenen Anschläge in der Türkei bekannt.

Attentäter aus Usbekistan, Kirgistan und Dagestan

Bei dem verheerenden Terrorangriff auf den Atatürk-Flughafen hatten die drei Selbstmordattentäter am Dienstag Dutzende Menschen mit in den Tod gerissen und 239 verletzt. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Mittwochabend unter Verweis auf Quellen im Gesundheitswesen, eine lebensgefährlich verletzte Frau sei inzwischen ebenfalls gestorben und die Zahl der Todesopfer damit auf 42 gestiegen.

Bei den Selbstmordattentätern vom Atatürk-Flughafen in Istanbul soll es sich um einen Usbeken, einen Kirgisen und einen russischen Staatsbürger handeln. Das wurde am Donnerstag von eine türkischen Regierungsvertreter bestätigt. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, der Russe stamme aus der Teilrepublik Dagestan.

Usbekistan, Kirgistan und Dagestan sind überwiegend muslimisch und gehörten einst zur Sowjetunion. Zahlreiche Extremisten aus dem Kaukasus und aus Zentralasien haben sich dem IS in Syrien und im Irak angeschlossen.

Krise in türkischer Tourismusbranche befürchtet

Das Attentat zum Beginn der Feriensaison in Europa dürfte die Krise der Tourismusbranche in der Türkei noch verschärfen. Schon für den Mai war ein Einbruch der Besucherzahlen um 34,7 Prozent gemeldet worden, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland forderte mehr Solidarität: „Europa macht zu oft den Fehler, dass es Terrorismus als zweitrangig betrachtet, wenn er nicht direkt vor der eigenen Tür geschieht“, sagte der Vorsitzende des Verbands, Gökay Sofuoglu, der Rheinischen Post (Donnerstag). „Die Länder müssten aufhören, sich gegenseitig vorzuwerfen, wer wo an welchen Terroranschlägen mit Schuld trage.“ Vielmehr müssten die Kräfte im Anti-Terror-Kampf gebündelt werden, ansonsten gewännen der IS und andere Terroristen weiter an Boden.

Abmilderung des Anti-Terror-Gesetzes gefordert

Der deutsche CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen drängt die türkische Regierung indes, die umstrittenen Anti-Terror-Gesetze des Landes zu lockern. „Unter dem Deckmantel der Anti-Terror-Gesetzgebung darf keine allgemeine Anti-Oppositions-Gesetzgebung stattfinden“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Sicherheitslage in der Türkei sei besorgniserregend: „Die Häufung der Anschläge in der Türkei drückt eine zunehmende Eskalation von terroristischer Gewalt und staatlich-militärischer Gegengewalt aus.“

Nach Informationen der Bild-Zeitung gibt es in der EU-Kommission Überlegungen, vom harten Kurs gegenüber der Türkei abzurücken. Bisher verlangte Brüssel eine Abmilderung der türkischen Anti-Terror-Gesetze im Gegenzug für Visa-Erleichterungen. Nun solle sich Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans am Donnerstag mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu treffen, um über mögliche Zugeständnisse zu beraten, berichtete die Zeitung. (APA/dpa)


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