Sport in Tirol

Arm-Prothese für Hagenaars am Weg zum Ötztaler kein Hindernis

Ex-ÖSV-Kombinierer Patrick Hagenaars fährt mit Arm-Prothese: „Auf dem Rad habe ich keine Nachteile."
© Hagenaars

Eine Arm-Amputation stoppte 2003 Patrick Hagenaars Karriere als nordischer Kombinierer. Am Rad will der 34-Jährige auf die Siegerstraße.

Von Benjamin Kiechl

Brixen im Thale –Wenn Patrick Hagenaars über den Ötztaler Radmarathon spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. „Es ist das größte Amateur-Rennen im Alpenraum. Dort mitzufahren, muss gewaltig sein“, sagt der 34-Jährige und kann die Strapazen der 238 km langen Runde (5500 Höhenmeter) scheinbar kaum erwarten.

Der Radsport ist für den Brixentaler eigentlich nur der Plan B. Im Jahr 2003 beendete ein Unfall schlagartig seinen Traum, als nordischer Kombinierer Fuß zu fassen. „Mir ist am Bahnhof Wörgl ein Zug über den linken Arm gerollt. Da konnte nichts mehr gerettet werden“, erzählt Hagenaars über seinen Wendepunkt im Leben. „Es war spät-jugendlicher Leichtsinn und eine Rausch-Aktion.“ An der Klinik Innsbruck musste der Arm amputiert werden. Die Karriere im ÖSV, Hagenaars gehörte dem B-Kader an, war mit gerade einmal 20 Jahren vorbei.

„Mit dem Spitzensport hatte ich dann erst einmal abgeschlossen“, sagt der Brixentaler, der im Betrieb seines Bruders als Holzbau-Techniker arbeitet. Büroalltag, statt durch den Weltcup in der nordischen Kombination zu jagen. „Irgendwann“, sagt Hagenaars, „bin ich in ein Loch gefallen. Auch wenn ich das nicht wahrhaben wollte.“ 2011 wollte es der Tiroler dann noch einmal wissen. „Ich will als Sportler ganz nach oben. Das war mein Kindheitstraum!“ Mit einer Spezialprothese, die er nur zum Radfahren benützt („Im Alltag mag ich keinen Fremdkörper tragen“), startete er in sein Rad-Abenteuer. Das Fahrrad musste für seine Zwecke adaptiert werden: Die Bremsen sind gekoppelt, die Gangschaltung wurde auf die rechte Seite verlegt. „Ein Freund hat mir das Rad so umgebaut, dass ich mit einer Prothese fahren kann.“

Die ersten Erfolge stellten sich bald ein. „Der Sieg beim Arlberg-Giro 2013 war mein emotionalster und bisher schönster“, erinnert sich Hagenaars, der für das Team „Tonis Pro Shop“ in die Pedale tritt und auch vom Tourismusverband Kitzbüheler Alpen unterstützt wird. Am vergangenen Wochenende kam Hagenaars bei den Wachauer-Radtagen zu Sturz. „Aber ich stehe immer wieder auf und fahre weiter.“ Der Ötztaler Radmarathon (28.8.) rückt immer näher. „Davor fahre ich noch den Arlberg-Giro und ein paar kleinere Rennen“, sagt Hagenaars mit Blick auf seinen dichten Terminkalender. Zwischendurch tauscht er sich mit Kombinations-Weltmeister Bernhard Gruber aus. „Wir waren vor meinem Unfall in derselben Trainingsgruppe“, sagt er. „Und wir haben noch immer Kontakt.“