ImPulsTanz - Kunst und Tanz treffen sich im Museum zum Pas de Deux

Wien (APA) - Ein Pas de Deux im Museum und ein nächtliches Denkabenteuer für Transdisziplinäre: Das heurige ImPulsTanz-Festival hat sich „Vi...

Wien (APA) - Ein Pas de Deux im Museum und ein nächtliches Denkabenteuer für Transdisziplinäre: Das heurige ImPulsTanz-Festival hat sich „Visual Arts x Dance“ auf die Fahnen geschrieben und bringt Bildende Kunst und Choreographie zusammen. Neben 40 Workshops kommen auch reguläre Festivalbesucher in den Genuss des von Tino Sehgal kuratierten Zusammenpralls: Insgesamt 18 Performances gibt es im Leopold Museum.

Wer will heute schon so genau wissen, im Publikum welcher Kultursparte er sich gerade befindet? „Zuschreibungen werden offener, Einordnungen durchlässiger“, erklärt die deutsche Kunsthistorikerin Dorothea von Hantelmann, die die Workshopreihe gestern, Sonntag, Abend in einer Doppelconference mit Choreograph Jerome Bel eröffnet hat, gegenüber der APA. Diese Tatsache zeige vielleicht „dass die Trennung der Disziplinen an sich, die ja ein Produkt der Moderne ist, ein Stück weit an Bedeutungshaftigkeit verloren hat“.

Die Grenzen zu Theater und Musik sind für die Akteure des zeitgenössischen Tanzes ohnehin schon lange fließend, ihre Transgression eine Selbstverständlichkeit auch bei den Protagonisten des heurigen Festivals. Schon am Eröffnungswochenende haben Anne Teresa de Keersmaeker auf die „Vertanzung“ von Lyrik und Wim Vandekeybus auf Rock gesetzt. Die Gemeinsamkeiten mit den körperbetonten Disziplinen der Malerei oder Bildhauerei liegen eigentlich nicht weniger auf der Hand. Gerade Tino Sehgal, der sich den Festival-Schwerpunkt gemeinsam mit Workshop-Mastermind Rio Rutzinger ausgedacht hat, hat mit seinen ephemeren, interaktiven Kunstwerken längst den Verwendungszweck der bildenden Kunst auf das physische Jetzt ausgeweitet.

„Sicher gibt es heute eine ganze Reihe an Hybridformen, die sich nicht mehr eindeutig nur dem einen oder dem anderen Feld zuordnen lassen“, so Hantelmann, und relativiert gleichzeitig: „So kann eine Installation auf der Bühne Teil des Tanzkontextes sein, aber sie selbst ist immer noch eine Installation auf der Bühne und kein Tanz.“ Die Ausgangslage sei letztlich fundamental eine andere: „Die eine Kunstform arbeitet mit dem Körper, die andere mit objekthaften Materialien, was jeweils andere Produktionsformen und Verhältnisse zu Zeit, Raum und Betrachter mit sich bringt.“

Der theatrale und der museale Raum verschmelzen jedenfalls im Leopold Museum mit Performances etwa von Ivo Dimchev, Chris Haring, Trajal Harrell, Benoit Lachambre oder Xavier Le Roy. Und auch im mumok, wo die Serie „How‘s My Dancing“ mit Beiträgen von Marten Spangberg oder Alice Chauchat gezeigt wird, die in Dialog mit der Ausstellung „Painting 2.0: Expression in the Information Age“ tritt.

Bei den Workshops treffen sich die Akteure mit intellektuellen To-Do-Listen. Der Berliner Festspiel-Intendant Thomas Oberender und die Schweizer Kuratoren-Legende Hans Ulrich Obrist etwa haben sich gar einen ganznächtigen Workshop mit dem wenig muntermachenden Titel „Formate“ vorgenommen. Unter den weiteren Teilnehmern der 40 Workshops sind auch Größen wie Choreografin Meg Stuart, „Gelitin“-Mitglied Wolfgang Gantner oder Theatermacher Tom Stromberg.

Was die Kunst kann, das der Tanz nicht kann - und umgekehrt? „Aus der Perspektive der bildenden Kunst betrachtet, gibt es vom Tanz her eine Auseinandersetzung mit Verkörperung, Ritualhaftigkeit und sensorischen Regimen, die heute in einem erweiterten kulturellen Sinn relevant sind. Dafür ist das Feld der bildenden Kunst und der Raum der Ausstellung liberaler, flexibler und mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Diskursen verbunden“, so Hantelmann.

Die letztgültige Entscheidung, was Tanz ist und was bildende Kunst, bleibt letztlich niemand Geringerem als dem Zuseher überlassen. „Grundsätzlich ist der Kunststatus - wenn man ihn seriös verwendet - etwas, dass kein Werk sich selbst zuschreiben oder behaupten kann“, betont Hantelmann. „Dieser Status entsteht durch eine nachhaltige Rezeption als Kunst, zu der auch, aber nicht ausschließlich die Rezeption durch Institutionen gehört, und durch einen Dialog mit künstlerischen Traditionen, in die sich das Werk einfügt.“

(S E R V I C E - www.impulstanz.at)