Mit vier Zylindern zum Kurvenräuber
Sechszylinder-Sauger ade – Porsche hat dem auch optisch kräftig aufgefrischten 718 Cayman einen fantastischen Vierzylinder-Turbo in zwei Hubraum-Versionen implantiert.
Von Walter Schrott
Malmö –Sechszylinder-Motoren sind eine feine Sache, aber: In der Familienchronik von Porsche spielen die Vierzylinder-Boxer in den Mittelmotor-Sportwagen aus den 50ern und 60ern eine große Rolle. Als Reminiszenz auf diese legendären Renner haben der Cayman und der Cayman S jetzt ebenfalls die historische Modellkennung 718 erhalten. Zugleich mit neuen Turbo-Triebwerken. Den Sechszylinder-Sauger haben die Stuttgarter – wie zuvor beim Roadster-Bruder 718 Boxster – ausgemustert. Vier Zylinder in einem Porsche der Neuzeit, geht das? Und wie das geht: Der aufgeladene Boxer, der sich hinter den Sitzen vor die Hinterachse schmiegt, ist ein echter Hammer. Und bei der Entscheidung für vier Häferln haben auch der Zeitgeist und das Streben nach mehr Effizienz Regie geführt – aber gänzlich ohne Abstriche bei Fahrspaß und Fahrdynamik.
Zwei Liter Hubraum haben die Ingenieure im 718 Cayman mit Hilfe eines Wastegate-Turboladers satte 300 PS entlockt. Noch bulliger präsentiert sich der 718 Cayman S, der von einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie beatmet wird und aus 2,5 Litern Hubraum 350 PS mobilisiert. Das sind jeweils um 25 PS mehr als bisher und deutlich mehr Drehmoment, das schon bei 1900 Umdrehungen anliegt. 380 Newtonmeter wuchtet der Zweiliter auf die Kurbelwelle, 420 der 2,5er. Heißt unterm Strich: mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Mit 6,9 bzw. 7,3 Litern Sprit pro 100 Kilometer geben sich die beiden Sportler ausgesprochen bescheiden.
Sechszylinder-Nostalgiker werden die Nase rümpfen und vor allem die Ohren spitzen: Wie hört sich die ganze Sache an? Prächtig kann man da nur sagen. Der Sound kommt zwar nicht ganz an den alten Sechszylinder-Sauger heran, der neue Turbo interpretiert das Lied der Technik aber dennoch virtuos. Von dumpfem Grummeln bis zu heißerem Gebrüll hat er – je nach Fahrmodus – alles im Repertoire. Wer frühmorgens im Modus „Sport plus“ losdüst, kann durchaus die Nachbarn aus den Federn reißen. Und die Leistungsentfaltung hat es in sich: Die beiden Turbo-Boxer legen mit fulminanter Drehfreude mindestens so spontan los wie Saugmotoren. Ganz ohne Turboloch.
Der 718 Cayman sprintet in 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h, der stärkere Bruder schafft das sogar in 4,2 Sekunden. Erst bei 275 bzw. 285 km/h endet der Vortrieb. Serienmäßig sind die 718er-Modelle mit einem knackigen Sechsgang-Schaltgetriebe mit ultrakurzen Schaltwegen bestückt, die Siebengang-Doppelkupplungs-Automatik gibt es optional. Mit der neuen Motorengeneration hat Porsche auch das Fahrwerk komplett neu abgestimmt und die Bremsen verstärkt. Wer es besonders sportlich mag, kann das um zehn Millimeter tiefer gelegte PASM-Fahrwerk ordern. Noch tiefer (20 mm) kauert sich das für den Cayman S verfügbare PASM-Sportfahrwerk an den Asphalt.
Optische Glanzpunkte setzen der stärker profilierte Bug mit größeren Lufteinlässen sowie das Heck, das jetzt mit einer Akzentleiste mit dreidimensionalem Porsche-Schriftzug und neuen Klarglas-Heckleuchten mit Vierpunkt-Bremslicht zum absoluten Blickfang wird. Damit rücken Cayman und Boxster auch optisch eng zusammen.
Die erste Ausfahrt hat uns ein Dauerlächeln ins Gesicht gezaubert. Der 718 Cayman liefert Fahrspaß und Fahrdynamik im schieren Übermaß. Gemütlichem Cruisen ist er zwar durchaus zugetan, wirklich daheim ist er aber im Reich der Kurven. Das durften wir am Sturup-Raceway auskosten, denn auf öffentlichen schwedischen Straßen mit Tempolimits von meistens 80 km/h könnte der Spaß entsetzlich teuer werden. Ein echter Kurvenräuber, der mit unglaublicher Querdynamik, nahezu unerschütterlicher Stabilität und exzellenter Lenkpräzision souverän durchs Geläuf eilt. Die beiden Porsche-Sportler feiern am 24. September Österreich-Premiere. Der 718 Cayman ist ab 60.134 Euro zu haben, für den 718 Cayman S muss man mindestens 76.321 Euro lockermachen.
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