TT-Interview

„Volumen hat keine Priorität“

Yves Bonnefont (45) verantwortet in der Groupe PSA die Emanzipation der Tochtermarke DS Automobiles.
© Höscheler

Yves Bonnefont spricht als DS-Automobiles-Chef über neue Baureihen, Luxus-Anmutung und die Verbindung zu Citroën.

Sie arbeiteten früher für ein Consulting-Unternehmen — welchen Rat würden Sie Ihrem Unternehmen Groupe PSA geben, um DS Automobiles als Marke voranzutreiben?

Yves Bonnefont: Die DS-Marke ist gleichzeitig eine neue Marke und eine Marke mit tiefen Wurzeln. Es ist wichtig, dass wir einerseits zu diesen Wurzeln stehen, andererseits die Marke zukunftsfit machen. Das lässt sich gut von unserem Ursprung, der Deesse (DS) ableiten, die von Anfang an für Avantgarde stand — und DS steht heute auch für Avantgarde, für den stetigen Anspruch, etwas Neues auf den Markt zu bringen.

Im Luxusbereich benötigen Sie ein Image — wie wollen Sie dieses kreieren?

Bonnefont: Wir arbeiteten in den vergangenen zwei Jahren sehr intensiv daran, die bestehende DS-Palette gründlich zu modifizieren. Dabei galt und gilt es, vier Eckpunkte zu berücksichtigen. Der Erste betrifft den Avantgarde-Aspekt — ein DS-Modell muss sich abheben, es muss ins Auge fallen. Der zweite Aspekt betrifft Technologie. Darunter verstehen wir Motoren, die mit hohem Drehmoment und gleichzeitig niedrigen Emissionen versehen sind. Zum dritten Aspekt zählen Dynamik und Komfort, auch hier zehren wir von unserem Erbe. Und der vierte Aspekt ist die Verbindung zu französischem Luxus — erkennbar etwa am Vollleder-Armaturenbrett.

Wie wird sich DS in der nahen Zukunft entwickeln, welche Märkte sind besonders wichtig?

Bonnefont: Die Marke ist in Europa entstanden, sie expandiert derzeit in China. Beide Märkte sind sehr wichtig, hier haben wir auch sehr gute Chancen. Allein in Europa haben wir mit Frankreich und Großbritannien zwei starke Absatzmärkte. Dann haben wir Pläne, in Lateinamerika und im Nahen Osten zu wachsen.

Wollen Sie uns Zahlen nennen, wie sich die Verkäufe entwickeln?

Bonnefont: Ich will keine Zahlen nennen. Interessanterweise gibt nur die Autoindustrie jeden Monat ihren Absatz bekannt. Andere geben Quartalszahlen bekannt. Außerdem handelt es sich bei DS Automobiles um eine Premium-Marke, hier hat das Volumen keine Priorität. Wir möchten das Profil der Marke stärken, das Volumen kommt dann als Folge.

Bisher verwendet DS traditionelle Plattformen, die relativ neue Konzernplattform EMP2 kommt bisher nicht zum Einsatz — wann haben Sie vor, sie zu verwenden?

Bonnefont: Wir werden EMP2 mit den kommenden Modellen nutzen, aber wir wollen keine genauen Termine bekannt geben. Jene Plattformen, die wir derzeit verwenden, haben eine Reihe von Vorzügen, etwa in Bezug auf die Steifigkeit. EMP2 müssen wir beispielsweise für DS adaptieren.

Wie sieht die Modellerweiterung aus?

Bonnefont: Wir werden unser Angebot ausweiten, derzeit haben wir in Europa drei Baureihen, es werden bis 2020 sechs sein. Natürlich werden wir in höhere Segmente einsteigen.

Was werden Sie auf dem Pariser Autosalon Ende September vorstellen?

Bonnefont: In Paris werden wir über Kundenerfahrung sprechen, mehr kann ich noch nicht enthüllen.

Wie sieht es mit einem neuen SUV aus?

Bonnefont: Natürlich versprechen SUVs höhere Margen, es ist kein großes Geheimnis, dass wir uns das anschauen.

Sie sind in der Formel E aktiv — welche Auswirkungen hat das auf den gewöhnlichen Automarkt?

Bonnefont: Unser Beitrag zur Formel E hat drei Gründe: Erstens glauben wir stark an Elektroautos und Hybride. Zweitens findet die Formel E in Städtezentren statt und drittens ist die Verbindung zum Publikum eine sehr starke. In Genf haben wir den e-Tense vorgestellt, ein vollelektrisches Auto, das Technologie und hohe Wertigkeit kombiniert. Unterm Strich lässt sich sagen, dass wir bei allen sechs Baureihen, die wir in Zukunft anbieten wollen, entweder eine Elektrovariante oder einen Plug-in-Hybrid ins Angebot aufnehmen.

Das bedeutet das Ende des Dieselhybrids?

Bonnefont: Ja die Groupe PSA hat sich entschieden, diesen Weg zu verfolgen.

Wann werden die neuen Technologien verfügbar sein?

Bonnefont: Die Gruppe hat bereits verkündet, dass 2019 der Marktstart sein wird — die Marke DS Automobiles wird dabei die erste sein, die einen Plug-in-Hybrid auf den Markt bringen wird. Ein Jahr später wird eine Elektroauto folgen.

Das Gespräch führte Markus Höscheler.