Sinnlich sanft und richtig rotzig
Renault hat die vierte Clio-Generation frisch frisiert. In seiner zweiten Modellphase offeriert der kleine Franzose ein erweitertes Motorisierungs-Portfolio.
Von Beatrix Keckeis-Hiller
Bordeaux –Seinem Namen gerecht wird der Renault Clio – er ist benannt nach der Muse der Geschichtsschreibung –, wenn es um die Design-Historie der Rhombus-Marke geht. Mit der Premiere seiner vierten Modellgeneration (2012) wurden die Kapitel der optischen Gestaltung bei Renault neu geschrieben. So hatte es Chef-Designer Laurens van den Acker beabsichtigt. Er verlieh nicht nur dem volumens- und absatzstärksten Modell Markanz, sondern holte Renault insgesamt aus einer Phase der möglichst allseits gefälligen Unauffälligkeit heraus.
Doch hatte der Clio den Anfang gemacht, mit sinnlich geformter Außenhaut und starken Farben sollte der Nachfolger des von 1972 bis 1996 gebauten R5 nicht nur ein Mobilitäts-, sondern auch ein Lebensfreude-Statement sein. Und nicht zuletzt ebenso eines des Sports. Letzteres ist ein Erbe des R5, der es in diversen Turbo-Versionen bis zu 160 PS Spitzenleistung gebracht hatte.
Während mittlerweile Twingo sowie Mégane erneuert und Captur, Kadjar sowie Talisman das neue Design-Statement manifestiert haben, wurde die Zeit reif für die zweite Modell-Phase des Clio, mit einer Rundum-Pflege betreffend Optik und Technik sowohl für die fünftürige als auch für die Kombi-Version (Grandtour).
Das setzt sich zusammen aus kleinen, dafür wirkungsvollen Details: mit einer behutsamen Schärfung des Designs an Frontschürze und Kühlergrill. Ab der Ausstattungsstufe Intens zeigen die LED-Hecklichter des Fünftürers beim Aufleuchten eine C-förmige Signatur. Augenfällig sind die Modifikationen im Innenraum. Renault will den Clio höherwertig positionieren. Demgemäß kommen feinere Materialien zum Einsatz. Neu gestaltet sind das Lenkrad, die Türverkleidungen mit nunmehr gepolsterten Armauflagen und die Bedieneinheit für die Fensterheber. Überarbeitet sind Mittelkonsole und Belüftungsdüsen. In den höheren Mitgiftniveaus kommen kerniger konturierte Sitze hinzu. Zur Personalisierung offeriert Renault mit Dekor-Aufklebern und Farb- sowie Look-Paketen ein breiteres Spektrum.
Erweitert ist das Motorisierungsprogramm. Zu den bisherigen Benzinern – 1,2-Liter-Sauger, 0,9-Liter- und 1,2-Liter-Turbo mit 75, 90 und 120 PS sowie den 1,5-Liter-Diesel-Versionen mit 75 und 90 PS kommt eine Selbstzünder-Variante mit 110 PS hinzu. Die ist gekoppelt an ein manuelles Sechsganggetriebe. Das verträgt sich ausgezeichnet miteinander. Der Motor entwickelt sportliche Ambitionen und hält sich akustisch vornehm im Hintergrund, er schnurrt geradezu sinnlich sanft. Den 120-PS-Benziner kann man nun zusätzlich zur Doppelkupplungsgetriebe-Version (sechs Stufen) ebenfalls mit manueller Sechsgang-Schaltung ordern. Auch diese Kombination harmoniert vortriebsfreudig und sportlich.
Sport ja, aber selber schalten nein heißt es nach wie vor bei den R.S.-Kandidaten, mit entweder 200 oder, als „Trophy“, 220 PS. Auf der kleinen Rennstrecke von Saintonge, unweit von Bordeaux, gab es zwar keine Trophäen zu gewinnen, dafür mit den zwanzig Mehr-Pferden der stärkeren Version kernigen Fahrspaß – begleitet von richtig rotzigem Sound aus der neuen Akrapovics-Auspuffanlage. Stärker aufgestellt ist der Clio mit Technik-Atouts, darunter Voll-LED-Scheinwerfer (bei den R.S.-Modellen Serie), einem aktiven Parkassistenten und einer Erweiterung des Infotainment-Angebots, unter anderem mit Smartphone-Integration für das Audio-System „R&GO“.
Die Markteinführung des Clio IV Phase II erfolgt Mitte September. Die Preise starten für den Fünftürer bei 12.990 Euro, für den Grandtour bei 13.490 Euro. Der R.S. kostet ab 26.490 Euro, als „Trophy“ kommt er auf 29.990 Euro.
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