Cup-Fehlstart als Schuss vor den Wacker-Bug
Nach der Pokalpleite ist vor dem Meisterschaftsstart – beim FC Wacker wurde die Niederlage gegen den SC Mannsdorf sachlich analysiert, um sich am Freitag gegen Floridsdorf ganz anders zu präsentieren.
Von Wolfgang Müller
Innsbruck – 3:3 nach 120 Minuten, das Elferschießen 4:3 verloren, Schlusspfiff in Mannsdorf, und der kapitale Fehlstart des FC Wacker in die Saison 2016/17 war perfekt. Wieder einmal leere Kilometer im ÖFB-Cup. Ebenso blamabel wie ärgerlich und genug Stoff für Analysen und Aufarbeitung am Tag danach. Zuerst besprachen sich General Manager Ali Hörtnagl und Maurizio Jacobacci, dann ging der Trainer mit den Spielern die Niederlage beim Regionalliga-Ost-Aufsteiger noch einmal durch. Ruhig und sachlich, denn für Emotion gab es keinen Grund. „Weil die Einstellung passte, die Mannschaft alles versuchte, vielleicht zu viel wollte“, erklärte Jacobacci nach dem Training, in dem er zum Abschluss selbst zwei Elfmeter versemmelte.
Zu viele individuelle Fehler
Kollektiv passte die Leistung, individuell wurde zu viel und zu krass gepatzt. „Die Fehlerkette, die zu den drei Gegentoren führte, gehört abgestellt. Das darf in dieser Form nicht mehr passieren“, bilanzierte Hörtnagl, der in Mannsdorf an der Seitenlinie mitlitt. „Beim ersten Gegentor brachten wir uns durch einen missglückten Rückpass von Siller in Bedrängnis, auch Pichler sah nicht gut aus. Beim 2:2-Ausgleich patzte Grünwald mit einem unmotivierten Ausflug, beim dritten Tor waren wir klar in der Überzahl, verschätzen uns aber bei einem weiten Diagonalball“, ließ Jacobacci das Fehlerfestival in der Nähe von Wien noch einmal Revue passieren. Dabei sah der gebürtige Italiener auch Positives: „Die Reaktion auf den Rückstand und vor allem die zweite Halbzeit, in der wir nach der 2:1-Führung den Sack eigentlich zumachen hätten müssen.“ Auffallend, dass gerade die routinierte zentrale Achse mit Goalie Pascal Grünwald, Abwehrchef Harald Pichler, Mittelfeldregisseur Jürgen Säumel und Sturmtank Thomas Pichlmann zu wenig Sicherheit und Klasse ausstrahlte.
Dass selbst die 3:2-Führung in der Verlängerung nicht trocken nach Hause gespielt wurde, zeugt nicht gerade von Souveränität. „Da haben wir den Ball zu wenig in den eigenen Reihen gehalten, zu hektisch agiert“, hakt Jacobacci den Cup auch gleich ab und legt den Fokus auf den Meisterschaftsstart am kommenden Freitag gegen den FAC. „Es war ein Schuss vor den Bug. Aber der Druck ist derselbe. Als Titelkandidat zählen im Tivoli nur Siege“, weiß der Wacker-Trainer, was von ihm und seiner Truppe erwartet wird. Dass der schwarzgrüne Motor nicht von Beginn an auf Hochtouren laufen kann, liegt für den neuen Coach auf der Hand: „Wir absolvierten in der kurzen Vorbereitung ein beinhartes Programm. Die Mannschaft zog voll mit, es braucht halt noch einige Zeit, bis die Automatismen greifen. Schließlich haben wir das Spiel umgestellt. Wurde früher durchwegs mit hohen Bällen agiert, verlange ich, dass herausgespielt wird.“
Nur keine Panik und unnötige Hektik will man im Wacker-Umfeld aufkommen lassen. „Fakt ist, dass wir gegen einen unterklassigen Gegner ausgeschieden sind. Das ist ärgerlich und passt nicht zu dem Weg, den wir eingeschlagen haben“, so Hörtnagl, der nichts davon hält, die Rute auszupacken, im Gegenteil: „Das wäre angebracht gewesen, wenn der Gegner unterschätzt worden wäre. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und noch enger zusammenrücken.“
Riemann und Grünwald fraglich
Was ganz im Sinn des Trainers ist, der auf den Titelkampf in der abgelaufenen Saison verweist: „St. Pölten verzeichnete einen mehr als holprigen Start, hatte aber den längsten Atem und erkämpfte sich den Aufstieg dann noch souverän.“ Klingt einleuchtend, lässt sich auf den FC Wacker aber nur dann ummünzen, wenn sich einiges ändert. Vor allem die defensive Sicherheit. Drei Tore in einem Pflichtspiel gegen einen Regionalligisten sprechen Bände.
Zum Auftakt gegen das völlig neuformierte Team der Floridsdorfer fehlt mit Christoph Freitag weiter eine wichtige Säule im Mittelfeld, Michael Augustin und Goalie Lukas Wedl sind noch im Aufbautraining. Dafür steht Simon Pirkl nach seinem EM-Einsatz beim ÖFB-U19-Team wieder zur Verfügung. Fraglich ist Alex Riemann und auch Tormann Grünwald, der sich in Mannsdorf nach einem Zusammenstoß eine Rippenverletzung zuzog. „Müssen wir nach Absprache mit dem Arzt schauen, ob sich das bis Freitag ausgeht“, konnte sich Jacobacci gestern noch nicht festlegen. Geht es sich für Grünwald nicht aus, würde Julian Weiskopf im Tor stehen und Sebastian Pointner von den Amateuren wohl auf der Bank sitzen.
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