Delegierten-Gebrüll und ein Plagiatsvorwurf

Washington (APA/AFP) - Solche Szenen hatten Donald Trump und die republikanische Parteiführung partout vermeiden wollen: eine Parteitagsleit...

Washington (APA/AFP) - Solche Szenen hatten Donald Trump und die republikanische Parteiführung partout vermeiden wollen: eine Parteitagsleitung, die von empörten Zwischenrufern gestört wird, Delegierte, die sich gegenseitig anbrüllen, eine Gruppe, die frustriert aus dem Saal eilt. Vorübergehend versinkt der Parteitag der US-Republikaner, der zur großen Trump-Show werden soll, im Chaos.

Doch auch wenn die Rebellion seiner Gegner am Montag ebenso rasch wie wirkungslos verpufft - sie zeigt gleich zu Beginn der Versammlung, wie tief der Quereinsteiger die Partei nach wie vor spaltet.

Zu dem Zeitpunkt, da Hunderte von Trump-Gegnern im riesigen Oval der Basketballarena von Cleveland den Aufstand gegen die Delegiertenmehrheit und Parteitagsregie proben, ist Trump noch gar nicht anwesend. Erst einige Stunden später, als das Treffen bereits längst wieder seinen geplanten Gang nimmt, trifft er mit seiner Frau Melania aus New York ein.

Trump soll an diesem Dienstag von den Delegierten offiziell in das Rennen gegen die Demokratin Hillary Clinton um das Weiße Haus geschickt werden. Am ersten Abend der Versammlung hält er sich noch, entgegen seinem Naturell, diskret im Hintergrund. Die Bühne überlässt der 70-Jährige seiner dritten Ehefrau, einem aus Slowenien stammenden Ex-Model.

Und Melania Trump, im hochgeschlossenen weißen Kleid mit Puffärmeln, zeigt den Delegierten ihr lieblichstes Lächeln. Im charmanten Balkanakzent absolviert sie die Aufgabe, ihren Ehemann, der mit seinem aggressiven und rüpelhaften Wahlkampfstil auch viele in der eigenen Partei verschreckt hat, weichzuzeichnen.

„Er ist hart, wenn er hart sein muss, aber er ist auch freundlich und fair und fürsorglich“, schwärmt die 46-Jährige. Und sie versichert, dass ihr Mann, der im Wahlkampf unter anderem mit den Forderungen nach rigiden Einreiseverboten und millionenfachen Ausweisungen polarisiert hat, alle Bevölkerungsgruppen vertreten wolle, darunter auch Muslime, Latinos und Afroamerikaner.

Die frustrierten Dissidenten, soweit sie überhaupt noch zuhören, werden durch diese Lobeshymne sicherlich nicht versöhnlicher gestimmt. „Nicht überrascht, aber empört“ - so hat kurz zuvor einer ihrer Anführer, der frühere Senator Gordon Humphrey, seine Stimmungslage beschrieben.

Seine Gruppe hat vergeblich versucht, die Parteitagsregie zu kippen - mit einem Antrag, der im Kern darauf abzielte, die geltenden Regeln für die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten zur Disposition zu stellen. Nach diesen Regeln ist die große Mehrheit der 2.472 Delegierten in ihrem Votum über die Kandidaten an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden, die Trump mit überwältigender Mehrheit gewonnen hatte.

Die Dissidenten möchten die freie Abstimmung für alle Delegierten durchsetzen - doch kämpfen sie auf verlorenem Posten. Als ihr Vorstoß per Akklamation abgewiesen wird, machen sie ihrem Zorn lautstark Luft.

Die 37-jährige Hausfrau Diana Shores steht auf einem Stuhl und brüllt: „Ihr müsst uns anhören, das ist eine Versammlung des Volkes!“ Doch „Trump, Trump“ schallt es den Rebellen mindestens genauso lautstark entgegen, und schon nach einer halben Stunde ist der Aufruhr vorbei.

Danach kann zunächst ungestört die Trump-Show ablaufen. Auf dem Höhepunkt des Abends tauschen der Immobilienmogul, der Melania Trump als die „künftige First Lady“ eingeführt hat, nach ihrer Rede auf der Bühne Küsschen. Jetzt ist der Parteitag so, wie ihn sich der frühere Reality-TV-Entertainer vorgestellt hat. Der Tumult vom Nachmittag wirkt in diesem Moment bereits wie weggezappt.

Begeistert twittert Trump kurz darauf über seine Frau: „Ihre Rede und ihr Auftreten waren unglaublich. Sehr stolz!“. Doch die Freude hält nicht lange. Noch in der Nacht kommen Vorwürfe auf, Teile von Melania Trumps Rede seien abgekupfert - aus einer Parteitagsrede der First Lady Michelle Obama. Die Trump-Show ist erneut empfindlich gestört.