Gehirn steuert Computer 2 - Gerhard Kleinhofer stellt sich dem Kampf

Graz/Gußwerk/Kloten (APA) - BCI können körperlich schwer beeinträchtigten Menschen zu mehr Autonomie verhelfen. Mit ihrer Hilfe sollen die v...

Graz/Gußwerk/Kloten (APA) - BCI können körperlich schwer beeinträchtigten Menschen zu mehr Autonomie verhelfen. Mit ihrer Hilfe sollen die verlorenen Funktionen ersetzt, wiederhergestellt oder auch verbessert werden. Der Steirer Gerhard Kleinhofer ist seit seinem Schlaganfall motorisch schwer eingeschränkt. Am „Cybathlon“ tritt er mithilfe von Grazer Forschern zu einem Rennen mit Gedankensteuerung an.

In seinem ersten Leben war Gerhard Kleinhofer Sportdirektor des österreichischen Rodelteams im Naturbahn-Rodeln. Im Jänner 2014 hatte der damals 34-Jährige einen Schlaganfall im Hirnstamm erlitten und wurde erst nach mehreren Stunden gefunden. Seitdem ist die Beweglichkeit seiner Arme, Beine und selbst der Finger extrem reduziert. Doch der Vater eines vierjährigen Sohnes kämpft sich mit Hochdruck wieder ins Leben zurück: unter anderem mit einem speziellen Rollstuhl mit Joystick. Diesen kann er steuern, weil er seine Finger etwas bewegen kann, ebenso gelingt es ihm, kurze SMS zu schreiben.

Somit ist er eigentlich nicht auf ein Brain-Computer-Interface (BCI) angewiesen, um mit seiner Umwelt zu kommunizieren, wie David Steyrl vom Grazer BCI Racing Team gegenüber der APA schilderte. Das Team der TU Graz vereint Studierende der Richtungen Biomedical Engineering, Computer Science und Information and Computer Engineering, die gemeinsam mit Kleinhofer beim „Cybothlon“ einen Sieg im „BCI Race“ davontragen wollen.

BCI nutzen Hirnsignale, die mittels einer Kappe mit Elektroden gemessen werden. Sie können die elektrische Hirnaktivität von Patienten erfassen und übersetzen sie in technische Steuersignale: zur Manipulation eines Cursors am Computer, zum Tippen von Buchstaben, zur Steuerung von Maschinen oder Hilfsmitteln wie beispielsweise eine Prothese. Um mit Hirnströmen, die den Gedanken entspringen, eine Maschine steuern zu können, muss mehr getan werden als eine EEG-Kappe aufzusetzen: Gehirnströme lokalisieren, Signalverarbeitung, Software programmieren, mit dem BCI-User trainieren.

Er muss sich konzentriert bestimmte Aufgaben vorstellen, die relativ gut erkennbare Hirnsignale erzeugen, die dann zur Steuerung herangezogen werden können. Dazu gehören zum Beispiel spezifische Signale, die entstehen, wenn man an die Bewegung der eigenen Hand, eines Fußes, ans Singen oder an Kopfrechnen denkt, erläuterte Steyrl. Im November 2015 hat das Training für Kleinhofer begonnen. Das Grazer Team fährt zweimal wöchentlich ins Mariazellerland: „Eine bis maximal zwei Stunden Messzeit und Training sind möglich“, schilderte Maria Höller aus dem Studententeam. Woher die jungen Leute die Motivation für den neben dem Studium doch enormen zeitlichen Einsatz nehmen: „Von Herrn Kleinhofer. Er ist extrem motiviert. Er treibt uns an. Doch wir werden auch von der Universität und unseren Sponsoren gut unterstützt“, so die Studentin.

„Ich bin ein Visionär und blicke in die Zukunft. Es besteht vielleicht die Möglichkeit für ein extrem modernes Forschungs- und Therapiezentrum gemeinsam mit der TU Graz. Ich glaube, im neurologischen Bereich ist noch viel möglich“, hielt Kleinhofer gegenüber der APA fest. Bevor er im Oktober antritt, will er mit dem Grazer Team - auf eigenen Vorschlag - noch ein einwöchiges Trainingslager absolvieren. „Wir verfolgen ein Ziel, das ist der Sieg“, betonte Kleinhofer. Wichtig am „Cybathlon“ sei ihm aber auch das Kennenlernen verschiedener aktueller BCI-Projekte. Soviel zur Motivation.