Doping: Internationale Pressestimmen zu McLaren-Bericht 2

Berlin/Zürich (APA/dpa) - Weitere internationale Pressestimmen zum McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), in dem Russland Staa...

Berlin/Zürich (APA/dpa) - Weitere internationale Pressestimmen zum McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), in dem Russland Staatsdoping vorgeworfen wird:

GROSSBRITANNIEN:

„The Guardian“: „Russland in Rio auszuschließen ist zwingend notwendig, um die Glaubwürdigkeit der Olympischen Spiele zu retten. Wenn russische Sportler unter ihrer Fahne in Rio antreten dürfen, wird die Glaubwürdigkeitslücke, die die Spiele und ihre Sportarten schon so lange begleitet, ins Unermessliche wachsen.“

„The Times“: „Es ist Zeit, Russland rauszuwerfen. Die jüngsten Enthüllungen über das enorme Ausmaß des russischen Dopings lassen keinen Raum für Ausflüchte oder Ausweichmanöver. Russland muss auf unbestimmte Zeit von der olympischen Bewegung ausgeschlossen werden.“

„The Independent“: „Nur wenn der Ausschluss bei Sportereignissen absolut ist, einschließlich Olympischer Spiele, Weltmeisterschaften, internationaler Turniere, werden Russland und Putin anfangen zu begreifen, dass die Sauberkeit des Sports nicht verhandelbar ist.“

„Daily Telegraph“: „Ein Ausschluss Russlands würde auch die treffen, die nicht gedopt waren. Aber es wäre weitaus schlimmer, ein Land zuzulassen, dessen gesamte Philosophie und Vorgehensweise auf Lügen gebaut sind. Russland hat das äußerste Verbrechen begangen, jetzt muss es die äußerste Strafe erhalten.“

SPANIEN:

„El Mundo“: „Raketenkrise: Putin droht mit einem Boykott der Spiele.“

„Mundo Deportivo“: „Russland mit dem Rücken zur Wand.“

„Sport“: „Für Russland gibt es kein Entrinnen.“

ITALIEN:

„La Repubblica“: „Der Verfall des militärischen Apparates und des Geheimdienstes KGB in der post-sowjetischen Ära hat auch den russischen Sport und sicher die unterstützenden chemischen Labore geschwächt. Es war Putin, der den Niedergang der UdSSR die größte Tragödie der Geschichte genannt hatte und die Wiederkehr der sportlichen Größe zur Vorgabe gemacht hatte. (...) Die Olympischen Spiele in Sotschi waren die große Wiedergutmachung des Zars. (...) Wenn Russland nicht in Rio dabei ist, ist der Zar nackt. Aber genau deshalb ist er noch furchterregender.“

UNGARN:

„Nepszabadsag“: „Das IOC und die Welt stehen nun vor dem Dilemma, ob sie Russland zum ersten Mal von einer Olympiade ausschließen sollen oder ob sie es hinnehmen wollen, dass einzelne Nationen erneut das Doping in den Rang einer staatlichen Politik erheben. Letzteres gab es schon einmal. Am meisten konnte man diesbezüglich über die Sportler der Sowjetunion und der DDR hören, aber es gab auch andere. Zur Zeit des Kalten Krieges war der Erfolg so wichtig, dass man dafür alles geopfert hat, auch die Moral. Jetzt ist wieder Kalter Krieg, zumindest empfindet das Moskau so.“

TSCHECHIEN:

„MF Dnes“: „‘Schuld und Sühne‘ ist ein russischer Klassiker. Jetzt kämpft das Land darum, dass seine Dopingverbrechen nicht bestraft werden. Falls das Verbot für zwei der schmutzigsten Sportarten tatsächlich fallen sollte, wäre das der reine Hohn. In einer Welt, in der leere Politikergesten gang und gäbe sind, und Phrasen immer wieder ergebnislos gedroschen werden, muss die internationale olympische Bewegung beweisen, dass sie anders sein kann.“

POLEN:

„Przeglad sportowy“: „Der am Montag in Toronto vorgelegte Bericht bringt solche Details ans Licht, die einfach umhauen. Kein Wunder, dass die internationalen Gremien nun verlangen, das ganze Olympia-Komitee Russlands zu sperren und die Sportler dieses Landes nicht zu den Spielen in Rio de Janeiro zuzulassen.“

NIEDERLANDE:

„De Telegraaf“: „Russland hat den Sport als Vehikel seines Machtdenkens missbraucht und jedes Mittel war recht, um Medaillen zu holen. Das ist eine Strategie, die an die Hoch-Zeiten der DDR erinnert. Wenn hier jetzt nicht Grenzen gesetzt werden, verlieren die Olympischen Spiele an Glaubwürdigkeit und jede russische Medaille stünde von vorneherein unter Verdacht.“

BELGIEN:

„Le Soir“: „Für Russland wird die Luft vor Rio immer dünner. Der Bericht von McLaren lässt keinen Platz mehr für Missverständnisse. Das staatlich organisierte Doping und die Betrügereien Russlands könnten den Athleten teuer zu stehen kommen.“