Literatur

Ein Bauchdenker dreht durch

Der Tiroler Bestseller-Autor Bernhard Aichner schickt seinen hitzköpfigen Totengräber Max Broll zum vierten Mal auf eine gefährliche Mission.
© Thomas Boehm / TT

In „Interview mit einem Mörder“ jagt Max Broll einen Irren. Und ist selbst neben der Spur.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Wer Bernhard Aichner hört, der denkt seit 2014 an die blutrünstige Bestatterin Brünhilde Blum, die dem Tiroler Autor das Bestseller-Prädikat beschert hat. Und eine treue, internationale Leserschaft, die sich demnächst auch auf bewegte Rachebilder freuen darf – schließlich soll auf Basis der „Totenfrau“ in den USA eine mehrteilige TV-Serie entstehen.

Doch schon vier Jahre bevor Frau Blum literarische Blutspuren hinterließ, hatte Aichner die Krimiwelt um einen gewissen Max Broll bereichert: Der verhinderte Journalist ist „Totengräber, Trinker, Träumer“ – so steht’s in seinem nunmehr vierten Abenteuer geschrieben, das „Interview mit einem Mörder“ heißt und mit einem Knalleffekt startet. Brolls bester Freund, der Ex-Kicker und Lebemann Baroni, ringt mit dem Tod. Ein Unbekannter hat ihm aus heiterem Himmel eine Kugel in den Bauch verpasst. Motiv gibt’s keines, auch die Spur eines Täters fehlt. Nur der bekiffte Broll, der zuvor mit dem neuen Dorfpfarrer Akofa das Friedhofs-Gras getestet hat, glaubt den Killer zu kennen – und fortan jagt er Konrad Maria Fink, einen einstmals aufstrebenden Pianisten, dem seit einem Unfall ein Daumen fehlt, was sein Karriere-Aus bedeutete. Aber ist der „Teufel mit vier Fingern“, tatsächlich der unberechenbare Psychopath, für den ihn Broll hält? Oder ist der Totengräber am Ende selbst durchgeknallt?

Für die Antwort darauf begibt sich der hitzköpfige „Bauchdenker“ auf einen rasanten Rachetrip übers Mittelmeer und verliebt sich dabei Hals über Kopf in die taffe Boulevard-Journalistin Anna Fröhlich: Hetzjagd wie Liebelei werden in kurzatmigem Stakkato-Stil erzählt – Aichners Spezialität, die der leichenreichen Handlung definitiv Tempo verleiht. Ein Page-Turner ist „Interview mit einem Mörder“ also allemal. Was die Impulsivität seines Helden anbelangt, übertreibt Aichner dieses Mal aber: Wie von Sinnen brescht Broll dem Phantom Fink hinterher, erklärt ihn zum „Schwein“ und zur „Bestie“ – und stützt sich dabei größtenteils auf seine Intuition und streckenweise auf simple Google-Recherchen. Logischen Wegen misstraute Broll zwar auch schon in seinen vorherigen Abenteuern, nur wirkte sein irrationales Handeln damals authentisch und nicht aufgesetzt. Aber vielleicht sind das ja auch nur die Nachwirkungen von Akofas Gras.

Krimi Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder. Haymon, 288 Seiten, 19.90 Euro.