Zwei Opfer der Würzburger Axt-Attacke weiter in Lebensgefahr
Deutsche Ermittler bezweifeln offenbar, dass der Täter von Würzburg wirklich aus Afghanistan stammt. Das Bekennervideo, das am Dienstag von vom IS-Sprachrohr Amak im Internet veröffentlicht worden war, ist offenbar echt.
Würzburg, Berlin – Nach der Terrorattacke auf Zugreisende in Würzburg sind zwei Menschen weiter in Lebensgefahr. Das teilte das Polizeipräsidium Unterfranken Mittwochfrüh mit.
Ein Mitglied der Hongkonger Familie schilderte in einer Zeitung Einzelheiten der Tat. Zuerst sei der Angreifer auf den Freund ihrer Schwester losgegangen, sagte die 30-jährige Sylvia, die selbst aber nicht an der Reise teilgenommen hatte, der Hongkonger Zeitung Apple Daily. „Als meine Mutter und mein Vater das sahen, stellten sie sich in den Weg und wurden dabei verletzt.“ Der 30-jährige Freund der Schwester sowie der 62 Jahre alte Vater befinden sich dem Bericht zufolge mit schweren Kopfverletzungen auf der Intensivstation. Auch die 58-jährige Mutter und die 26-jährige Schwester wurden schwer verletzt. Eine weitere Schwester im Alter von 17 Jahren blieb demnach unverletzt.
Zweifel an Herkunft des Attentäters
Deutsche Ermittler bezweifeln einem Medienbericht zufolge, dass der Täter von Würzburg wirklich aus Afghanistan stammt. Vor allem das Bekennervideo des angeblich 17-jährigen nähre diese Zweifel, berichtet das ZDF heute-journal am Dienstagabend unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Der Mann rede in Paschtu, einer Sprache, die am Hindukusch benutzt wird, aber deutliche Unterschiede in der afghanischen und der pakistanischen Ausprägung aufweise. Für Begriffe wie „Selbstmord“, „Regierungen“, „Militär“, „Körper“ und „Muslime“ verwende der Täter die pakistanische Variante. Auch seine Aussprache sei nach Einschätzung von Sprachexperten eindeutig pakistanisch. Der vom IS angegebene Name des Mannes stimme zudem nicht mit dem Namen überein, mit dem er in Deutschland registriert worden sei.
Nach Einschätzung von Ermittlern gebe es Anhaltspunkte, dass sich der Täter bei seiner Registrierung als Afghane ausgegeben habe, um seine Chance zur Anerkennung als Flüchtling in Deutschland zu erhöhen, berichtete das ZDF weiter. In seinem Zimmer habe die Polizei auch ein pakistanisches Dokument gefunden.
Behörden bestätigen Echtheit von Video
Das vom IS-Sprachrohr Amaq veröffentlichte Bekenner-Video, das den Attentäter von Würzburg zeigen soll, ist nach Worten des deutschen Kanzleramtsministers Peter Altmaier (CDU) wohl echt.
„Die Überprüfungen laufen noch, aber die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass dieses Video aller Voraussicht nach authentisch ist“, so der Minister, der auch Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung ist, am Dienstagabend im ZDF.
Das gelte auch für den Abschiedsbrief des 17-Jährigen, der gefunden worden sei. „Und deshalb müssen wir davon ausgehen, dass er zumindest Wert darauf gelegt hat, seine Tat in den Zusammenhang zum IS zu stellen.“ Inwieweit die Terrormiliz Islamischer Staat selbst involviert gewesen sei, „das muss überprüft werden“, so Altmaier. „Wir werden jedem Hinweis nachgehen.“
Auch der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, hält das Video für echt. Auf die Frage, ob er die Authentizität der Aufnahme anzweifle, sagte er im ZDF: „Nein, das zweifeln wir nicht an.“
Der 17-Jährige griff am Montagabend in einem Regionalzug wahllos Passagiere mit einer Axt und einem Messer an und verletzte vier Mitglieder einer chinesischen Familie schwer. Zeugen zufolge rief er im Zug mehrmals „Allahu Akbar“ (Gott ist groß). (APA, dpa, Reuters, TT.com)