Liberale Stimme: Der in Kiew ermordete Journalist Pawel Scheremet

Kiew (APA/dpa) - Im extrem schwierigen politischen Umfeld in der Ukraine galt der Journalist Pawel Scheremet als Ausnahmeerscheinung. Kolleg...

Kiew (APA/dpa) - Im extrem schwierigen politischen Umfeld in der Ukraine galt der Journalist Pawel Scheremet als Ausnahmeerscheinung. Kollegen schätzten vor allem die ausgewogene Berichterstattung des 44-Jährigen - auch deswegen reagierten viele mit Bestürzung auf die Ermordung des Redakteurs durch eine Autobombe in Kiew.

Geboren wurde Scheremet am 28. November 1971 in Minsk. In der weißrussischen Hauptstadt studierte er Geschichte und internationale Wirtschaftsbeziehungen, bevor er ab 1992 als Journalist arbeitete - zunächst für das Fernsehen, dann als Chef der „Weißrussischen Wirtschaftszeitung“.

Gleichzeitig wurde der verheiratete Vater zweier Kinder Korrespondent des russischen Staatsfernsehens. Er wechselte als TV-Moderator nach Moskau und erhielt 2002 den Journalismuspreis der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). 2005 gründete Scheremet mit Gleichgesinnten das oppositionelle Internetportal belaruspartisan.org in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Weißrussland. Später wurde ihm die weißrussische Staatsbürgerschaft entzogen - offiziell, weil er einen russischen Pass besaß.

Ab 2012 arbeitete er auch für ukrainische Medien. So moderierte er 2013 knapp vier Monate lang die Nacht-Talkshow beim Sender TVi, bis er den TV-Kanal im Streit verlassen musste. Scheremet engagierte sich während der Maidan-Proteste 2013/2014 in Kiew aufseiten der prowestlichen Kräfte und wurde später Redakteur beim renommierten Internetportal „Ukrainskaja Prawda“. Sein Tod sendet Schockwellen aus bis in die höchsten Kreise in Kiew. So fordert auch Staatspräsident Petro Poroschenko von den Behörden eine rückhaltlose Aufklärung.

(Pavel Sheremet)