Olympia: Neurologen warnen vor Zika-Virus

Rio de Janeiro (APA) - Bei den Zika-Virus-Erkrankungen ist rund um die bevorstehenden Sommerspiele keine Entwarnung angesagt. „Wir begrüßen ...

Rio de Janeiro (APA) - Bei den Zika-Virus-Erkrankungen ist rund um die bevorstehenden Sommerspiele keine Entwarnung angesagt. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass der österreichische Nationalrat zuletzt eine Reihe von Infektionen, darunter auch Zika-Virus-Infektionen, der Meldepflicht unterworfen hat“, sagte am Mittwoch der Wiener Neurologe, Wolfgang Grisold, Generalsekretär der Weltföderation für Neurologie (WFN).

Erst vor kurzem hätten Zika-Experten der WFN beim Europäischen Neurologiekongress in Kopenhagen darauf hingewiesen, dass sich Europa für die zunehmende Globalisierung der Zika-Infektionen rüsten muss - auch durch eine verstärkte Überwachung und rasche Entdeckung von Erkrankungsfällen. In allen Ländern, in denen auch eine Übertragung über Stechmücken möglich ist, sollten darüber hinaus Maßnahmen zur Eindämmung der Insekten ergriffen werden. Das betreffe alle Gebiete, in denen Mücken der Gattung Aedes agypti vorkomme, sowie die auch in Europa wesentlich weiter verbreitete Aedes albopictus-Mückenart.

„In weiten Teilen Europas ist das Risiko einer Übertragung durch Mücken zumindest aus derzeitiger Sicht zwar gering. Aber es ist wichtig, die Risiken durch importierte Fälle im Auge zu behalten - zumal eine Weiterübertragung von Mensch zu Mensch auf sexuellem Weg möglich ist“, wurde Grisold in einer Aussendung zitiert. Erst vor wenigen Tagen sei von der US-Gesundheitsbehörde eine Übertragung von Frau zu Mann bestätigt worden, bei den zuvor bekannt gewordenen Fällen hatten Männer Frauen angesteckt.

Der Neurologe fügte hinzu: „Wenn tausende Athletinnen und Athleten mit ihren Betreuern, Funktionären und den mitgereisten Fans aus Brasilien zurückkehren, werden sie nicht nur Medaillen mitbringen. Es ist anzunehmen, dass wir nach den Olympischen Spielen auch in Europa einen Anstieg importierter Zika-Fälle sehen werden.“

Viele Menschen seien immer noch der Meinung, dass wegen Zika nur Schwangere besorgt sein müssten. Allerdings seien die schweren Missbildungen beim Fötus, allen voran die oft beschriebene Mikrozephalie, zwar eine besonders tragische Folge einer Ansteckung, aber eine Zika-Infektion könne auch bei Erwachsenen zu schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen führen, etwa zum Guillain-Barre-Syndrom (GBS), dessen Häufigkeit in Südamerika in einigen Ländern auf das Fünffache angestiegen sei. Es komme auch zu sonst sehr seltenen Varianten der Erkrankung.

Aktuellen Zahlen der WHO zufolge meldeten zum Stichtag 7. Juli 2016 bereits 65 Staaten und Territorien eine anhaltende Übertragung von Infektionen durch Stechmücken. Elf Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien haben Übertragungen von Mensch zu Mensch berichtet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der Infektion um sexuelle Übertragungen. Mikrozephalie und andere Missbildungen von Föten, die mit einer Zika-Infektion in Verbindung stehen können, wurden in mittlerweile bereits 13 Ländern registriert, im Mai waren es erst acht betroffene Länder. In 15 Ländern gibt es bisher einen auffälligen Anstieg von Fällen von Guillain-Barre Syndrom (GBS) oder bestätigte Infektionen bei GBS-Betroffenen.