71. Bregenzer Festspiele: Jubel für „Hamlet“-Neuentdeckung zum Start
Bregenz/Wien (APA) - Die Bregenzer Festspiele haben ihre neue Saison eröffnet - mit einer umjubelten Neuentdeckung. Mit der Shakespeare-Adap...
Bregenz/Wien (APA) - Die Bregenzer Festspiele haben ihre neue Saison eröffnet - mit einer umjubelten Neuentdeckung. Mit der Shakespeare-Adaption „Hamlet“ des italienischen Komponisten Franco Faccio präsentierte das Festival eine echte Rarität des romantischen Repertoires, wurde die Oper doch 1871 das bis dato letzte Mal in Europa gespielt. Und die riskante Spielplan-Wette von Intendant Elisabeth Sobotka geht voll auf.
Das Werk, das nach einer missglückten Aufführung an der Mailänder Scala für 143 Jahre in der Versenkung verschwand, wirft die große Frage auf, wie es möglich war, dass diese Oper vergessen werden konnte - was nun wahrlich nicht bei vielen Preziosen, die ausgegraben werden, der Fall ist. Als Star des Abends etablierte sich dabei Tenor Pavel Cernoch in der Titelpartie, der mit seiner stimmlichen wie schauspielerischen Dominanz deutlich macht, weshalb der einstige Wiederaufnahmeversuch an der Scala 1871 mit einem damals lädierten Tenor scheitern musste. Zugleich muss sich die große Mehrheit des übrigen Ensembles keineswegs hinter dem Tschechen verstecken.
Dieser geschlossenen Leistung bedarf allerdings nicht nur das Werk, sondern auch die Inszenierungsrichtung, die Regisseur Olivier Tambosi einschlägt. Er widersteht einerseits der Versuchung, die italienische Oper im Festspielhaus im Bühnenbombast zu ersticken. Stattdessen setzen er und sein Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann ganz auf den Raum an sich und lassen die Figuren vor minimalistischer Ausstattung atmen. Bisweilen gelingen dabei eindrückliche Bilder, bisweilen verliert sich das Geschehen ein wenig in blutleerer Commedia-dell‘arte-Stilistik.
Fest die Zügel in der Hand hat im Graben Paolo Carignani, der heuer auch die zweite Saison der „Turandot“ auf der Seebühne dirigiert. Der Italiener führt die Wiener Symphoniker mit Schwung, Spielfreude und Verve durch die noch weitgehend unbekannte Partitur - ein Umstand, der sich nach diesem Bregenzer Abend bald ändern sollte.
(S E R V I C E - „Hamlet“ von Franco Faccio im Rahmen der Bregenzer Festspiele 2016, Platz der Wiener Symphoniker 1, 6900 Bregenz. Regie: Olivier Tambosi, Bühne: Frank Philipp Schlößmann, Kostüme: Gesine Völlm, Dirigent: Paolo Carignani am Pult der Wiener Symphoniker. Mit: Pavel Cernoch - Amleto, Claudio Sgura - Claudio, Eduard Tsanga - Polonio, Sebastien Soules - Orazio, Bartosz Urbanowicz - Marcello, Paul Schweinester - Laerte, Iulia Maria Dan - Ofelia, Dshamilja Kaiser - Gertrude. Weitere Aufführungen am 25. und 28. Juli. http://go.apa.at/Z5Sin5DJ)
(A V I S O - Die APA wird morgen, Donnerstag, eine ausführliche „Hamlet“-Kritik versenden.)
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